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Eckernförde Auf den Straßen kracht es immer häufiger
Lokales Eckernförde Auf den Straßen kracht es immer häufiger
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08:00 25.05.2019
Von Tilmann Post
Bei 990 Unfällen sind 2018 im Kreis Rendsburg-Eckernförde Menschen verletzt worden. Zehn starben. Quelle: Rainer Krüger/Archiv
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Eckernförde/Rendsburg

Meistens blieb es jedoch bei Bagatellen. Unter den 7424 Unfällen waren 1492, in denen Menschen zu Schaden gekommen sind, denen eine Straftat (etwa Trunkenheit) oder eine bedeutende Ordnungswidrigkeit (wie Rotlichtmissachtung) zugrunde lag.

Bei den restlichen Unfällen im Kreis Rendsburg-Eckernförde handelte es sich beispielsweise um Rempler auf dem Supermarktparkplatz. Die Zunahme der Gesamtzahl sei schwer erklärbar, so Lutz Kraack von der Polizeidirektion Neumünster. Sicherlich habe die Entwicklung mit der weiter steigenden Verkehrsdichte zu tun.

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Zehn Menschen kamen auf den Straßen ums Leben

Im vergangenen Jahr sind 1254 Menschen verletzt worden, davon 228 schwer. Zehn Menschen sind bei Unfällen ums Leben gekommen. Diese Zahlen sind im Fünfjahresvergleich weitgehend stabil geblieben. Mit der Stagnation ist die Polizei nur bedingt zufrieden.

"Von einem Erfolg würde ich nur bei rückläufigen Zahlen sprechen", sagte Lutz Kraack, Leiter des Stabsbereichs Verkehr der Polizeidirektion Neumünster. "Wir wollen die Zahl der Unfälle ja reduzieren." Dazu werden die Hauptunfallursachen analysiert und ein Überwachungskonzept erstellt.

Smartphones am Steuer machen der Polizei Sorgen

Hauptunfallursachen sind Kraack zufolge Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren (18 Prozent) sowie Vorfahrtsmissachtung (17 Prozent). 16 Prozent der Unfälle sind auf zu hohes Tempo zurückzuführen. Sorgen macht der Polizei, dass Fahrer offenbar zunehmend mit Smartphones am Steuer hantieren.

Daraus resultiert laut Kraack eine gestiegene Zahl von Unfällen ohne erkennbare Ursache. "Es ist oft unerklärlich, weshalb Autos einfach so von der Straße abkommen oder in den Gegenverkehr geraten", sagte er. Ein Fall ereignete sich etwa im Juni 2018 in Holtsee.

"Wir scheitern oft an der Rechtslage."

Der Verdacht, dass Fahrer häufig vom Smartphone abgelenkt sind, lasse sich aber in den seltensten Fällen beweisen. Früher sei es leicht zu erkennen gewesen, wenn jemand das Handy am Ohr hatte. Heute spiele sich das eher auf Hüfthöhe der Fahrer ab. Eine Auswertung der Mobilfunk-Geräte sei aber nur bei sehr schweren Unfallfolgen möglich.

"Dafür brauchen wir einen Gerichtsbeschluss", erklärte Kraack. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wiege jedoch in den meisten Fällen schwerer als das Aufklärungsbedürfnis der Polizei. "Wir scheitern oft an der Rechtslage."

Um der Verstöße Herr zu werden, hat die Polizei einen Schwerpunkt auf das Problem gelegt. Erst Ende April habe es eine Handy-Kontrollwoche gegeben, so Lutz Kraack. Von Mai bis September stehen ihm zufolge die Radfahrer im Fokus, die die falsche Straßenseite benutzen. 13 Prozent der Unfälle sind darauf zurückzuführen. Und nicht zuletzt achten Kraacks Kollegen das ganze Jahr über auf Geschwindigkeitsverstöße.

Eckernförde, Holzbunge, Owschlag, Rendsburg und Aukrug häufig betroffen

Fünf Unfallhäufungsstellen will die Polizei im Kreis Rendsburg-Eckernförde entschärfen. In Eckernförde betrifft das Linksabbieger, die aus dem Windebyer Weg auf die Rendsburger Straße fahren. Dabei hat es 2018 achtmal gekracht. Zudem passieren auf der B203 in Holzbunge an der Tankstelle häufig Auffahrunfälle.

Auf der L265 von der A7 nach Owschlag gibt es eine Linkskurve, die viele Fahrer zu schnell nehmen, von der Straße abkommen oder in den Gegenverkehr lenken. Eine junge Frau ist dabei bereits ums Leben gekommen. In Rendsburg stoßen Autos oft im Kreisverkehr zusammen, wo sich die Schleswiger Chaussee und die Friedrichstädter Straße treffen.

Wer auf der Landesstraße 121 in Aukrug Richtung Hennstedt unterwegs ist, muss an der Kreuzung mit der Kreisstraße 88 aufpassen. Von dort aus missachten viele Fahrer das Stoppschild. Bei sechs Unfällen hat es 2018 bereits elf Verletzte gegeben.

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Christoph Rohde 24.05.2019
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