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Eckernförde Der Top-Modedesigner aus Altenholz
Lokales Eckernförde Der Top-Modedesigner aus Altenholz
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17:00 12.08.2019
Von Kristiane Backheuer
In seinem neuen Atelier: Dany Fouad Al Turk. Quelle: Ulf Dahl
Altenholz

Dany Fouad Al Turk ist ein drahtiger Mann mit wachen Augen. 2015 flieht er aus politischen Gründen aus Beirut im Libanon. Er muss seine Frau und seine beiden Kinder, Roger (23) und Rabella (11), zurücklassen. Sein eigenes erfolgreiches Modeatelier mit mehr als 30 Mitarbeitern. „Ich bin drei Monate und 22 Tage nur ,spaziert’“, sagt er lapidar und man merkt: Kein gutes Thema.

In Dortmund bittet er um Asyl, wird nach Neumünster verlegt und landet schließlich in Altenholz im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Inzwischen ist er anerkannter Asylbewerber. Bereits 2016 hat er einen Antrag auf Familienzusammenführung bei der deutschen Botschaft in Beirut gestellt. Noch immer ist darüber nicht entschieden worden.

Ein Ehepaar aus Altenholz hilft dem Flüchtling

Seine Ängste, seine Verzweiflung, seine Trauer – all das vergisst er hier in Deutschland, wenn er kreativ sein kann. Erst malt er, dann fängt er wieder an zu nähen und zu sticken. Und zum Glück lernt er Marion Bartels, die in Altenholz ein Kunstatelier betreibt, und ihren Mann Klaus kennen. Sie helfen ihm. Sehen seine begnadete Begabung. Und besorgen ihm im Internet Stickmaschinen. Alte, schwere Modelle aus dem 19. Jahrhundert, die Dany Fouad Al Turk mit zarter Hand und viel Geduld wieder zum Laufen bringt. Alles vorfinanziert, weil das Ehepaar an ihn glaubt. „Jetzt möchte ich warme Arme zurückgeben“, sagt er verlegen. Hilfe anzunehmen, ist nicht immer leicht.

Im Atelier in der Klausdorfer Straße erweckt der Modedesigner nun regelmäßig die monströsen Maschinen zum Leben. Gerade schnurrt die „Cornely“ wie ein Kätzchen. Mit rechts bedient Dany Fouad Al Turk die Handkurbel. Mit links lässt er den schwarzen Stoff unter der Nadel tanzen. Wunderschön geschwungene Ranken, Bögen, Schnörkel und Wellen entstehen. Ein ganz eigenes Muster, das er selbst entworfen hat. „Die traditionelle Stickkunst ist sehr speziell“, sagt er. „Nadelmalerei“ ist das Stichwort. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Nadel sticht, wo sonst ein Pinsel malt. 

Fünf Stick- und Nähmaschinen besitzt er inzwischen. Sie helfen dem in Damaskus geborenen Designer, immer wieder neue Kunstwerke zu erschaffen. Baratto, Cornely und Nestel heißen die Fabrikate. Sie können so wunderbare Dinge wie Kettstich, Moosstich, Kordelstich, Plattstich oder Soutache für die Bordürenherstellung. 

Beim Arbeiten vergisst er die Welt um sich herum

Wenn der 47-Jährige arbeitet, vergisst er Zeit und Raum. Dann ist er glücklich. „Dann fliege ich im Kopf“, sagt er. Er spricht von Wärme, von Gefühl und von Schönheit der Formen. „Mit 13 Jahren habe ich das Sticken bei meiner Oma gelernt“, erzählt er. „Auch sie hatte ein Haute-Couture-Atelier in Beirut und arbeitete für berühmte Modedesigner.“ Ihr Atelier hat er später übernommen, fuhr jahrelang zwischen Syrien und Beirut hin und her.

Er erzählt von den Stoffmärkten in seiner Heimat. Davon, dass der Stoff zu ihm flüstert. Dass er spürt, welche spektakulären Roben in dem unscheinbaren Stoffballen stecken. Aus einem Schrank holt er eine seiner Kreationen heraus. Vorsichtig schlägt er Seidenpapier zurück. Ein Traum aus schwarzen Pailletten und aufwendig gestickten tiefroten Blumen.

Bald sollen auch neue Aufträge aus Paris kommen

An der Kieler Wirtschaftsakademie hat sich Dany Fouad Al Turk gerade auf seine Existenzgründung vorbereitet. Das Jobcenter unterstützt ihn. Nun hofft er auf Aufträge. „Jeder kann zu mir kommen“, sagt er. „Ich kann ein schlichtes Kleid mit Stickerei veredeln oder auch ein komplettes Brautkleid entwerfen. Aber auch Gardinen, Tischdecken oder antike Flaggen besticken.“ Er hofft neben privaten Kunden auch darauf, dass Maßschneider in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten. Kieler Modemacher sind bereits von seiner Kunst entzückt. Nun muss sich nur noch herumsprechen, dass „Dany aus Beirut“ in Altenholz ist. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass wieder Aufträge von Dior, Chanel oder Elie Saab in der kleinen Gemeinde in Norddeutschland eintrudeln.

Er arbeitete in Syrien für Dior oder Chanel. Dann musste Dany Fouad Al Turk fliehen. Jetzt hat er sich in Altenholz in Schleswig-Holstein ein neues Leben aufgebaut.

Auf Höhe einer Tankstelle in Eckernförde ist am Sonntag um 3.40 Uhr ein Mann (28) mit einem Messer verletzt worden. Er kam in die Imlandklinik. Lebensgefahr bestand nicht. Jetzt sucht die Polizei Zeugen.

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12.08.2019