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Eckernförde Großes Fest zu Rosas 150. Geburtstag
Lokales Eckernförde Großes Fest zu Rosas 150. Geburtstag
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07:22 05.06.2019
Von Cornelia Müller
Sie freuen sich auf das Geburtstagsfest zum 150. für die Windmühle Rosa am Mühlentag 2019: Burckhard Kasten, Christine Strüfing und der vorsitzende des Windmühlen- und Verschönerungsvereins Gettorf, Kurt Arndt (von links). Quelle: Cornelia D. Mueller
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Gettorf

Rosa ist in der Tat eine besondere Mühle. 1869 wurde sie in Betrieb genommen – als erste freie Mühle im Dänischen Wohld. Was heißt frei?

„Bis 1853 bestand Mühlenzwang“, erläutert Burckhard Kasten (75) vom Windmühlen- und Verschönerungsverein. „Bis dahin bestimmten Gutsbesitzer, wo jemand sein Korn zu mahlen hatte. 15 Wind- und Wassermühlen hatte der Dänische Wohld zu jener Zeit.“

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Karl Friedrich Trahn, ein bekannter Mühlenbauer aus Neustadt in Holstein, hatte sie für den stolzen Müller Wilhelm Theodor Johannsen konstruiert.

Sie galt damals als Beispiel modernster Technik – und arbeitete vollständig mit „regenerativer Energie“, wie man heute sagen würde.

Am Mühlentag gibt es in Gettorf Führungen

 „Unsere Rosa ist ein Galerie-Holländer“, betont Kasten. Dabei legt er vor allem auf das Wörtchen Galerie wert. „Allzu oft wird von Balkon gesprochen“, sagt er schmunzelnd.

„Aber dort oben hat sich der Müller nicht ausgeruht. Von dieser Plattform aus konnte er die großen Flügel exakt in den Wind drehen, damit das Mahlwerk richtig in Schwung kommt.“

Das wird er den vielen Gästen des Mühlentags auch erläutern, wenn Rosa und das zugehörige Heimatmuseum sowie die historische Wagenremise und auch die Gemeindebücherei in der Mühle von 10 bis 17 Uhr für alle geöffnet sind. Führungen gibt es gratis.

Kasten engagiert sich vor allem im historischen Archiv, das im zweiten Stockwerk der Mühle, über der Bibliothek im Erdgeschoss und dem Trauzimmer in der ersten Etage sein Zuhause hat.

Gettorfs ganze Ortsgeschichte ist dem Mühlenverein wichtig

Der frühere Polizist und Bürgervorsteher von Gettorf steckt tief drin in der Ortsgeschichte. 1954 zog seine Familie nach Gettorf. Vor wenigen Jahren zog er nach Kronshagen bei Kiel in die Nähe der Tochter.

Das große Interesse an der Geschichte und das Engagement für Gettorf verbindet ihn innig mit Kurt Arndt (64), der dem Verein seit kurzer Zeit vorsitzt und aktiver Kommunalpolitiker ist.

„Sogar der Beruf ist gleich gewesen“, merkt Arndt lächelnd an. „Nur dass ich später zur Kripo ging und Burckhard hier die Polizeistation geleitet hat.“ Arndt, gebürtig in Gettorf und nach eigenem Empfinden ein Urgestein, freut sich sehr auf „meinen ersten Mühlentag“.

Sanierung der Windmühle wird 560000 Euro kosten

Die Nachricht, dass die Gemeinde für die 560000 Euro teure Sanierung der Mühle, die eigentlich im Sommer beginnen sollte, hohe Zuschüsse bekommen kann, lässt ihn sehr zuversichtlich in die Zukunft blicken.

„Weil das erst im Folgejahr möglich ist, hat die Politik diesen Kraftakt gern auf 2020 verschoben“, setzt er hinzu. „Und es ist wunderbar für uns, dass die Mühle nun nicht in zwei Schritten der Kur unterzogen werden muss.“

Arndt und Kasten sind jetzt ganz sicher: „Unsere Nachfolger werden auch den 200. Geburtstag von Rosa feiern.“ Das historische Bauwerk ist im Besitz der Gemeinde. Sie hatte es 1978 vom Schwiegersohn des letzten Müllers Karl Söhl gekauft.

Das Programm zum Mühlentag in Gettorf

Der Mühlentag am Pfingstmontag, 10. Juni, wird in Gettorf von 10 bis 17 Uhr gefeiert. Nicht nur Windmühle Rosa neben dem Amt am Karl-Kolbe-Platz öffnet die Tür weit. Archiv und Bücherei sind offen. Auch das Heimatmuseum nebenan sowie die Wagenremise, in der Werkzeug und Wagenzubehör ausgestellt sind, wartet auf Besucher. Es gibt einen Bücherflohmarkt sowie einen Flohmarkt für Exponate, die das Museum in größerer Zahl besitzt. Draußen vergnügt sich Nachwuchs bei Kinderspielen wie „Hau den Lukas“ und Fischstechen. Als Reepschläger zeigt Wolfgang Schlewitz die Tauherstellung.  Schmied Ralf Stelzer wirft die Feldschmiede an. Vor der Mühle sind Oldtimer-Trecker zu bewundern. Um 13 Uhr beginnt die historische Schulstunde mit Christine Strüfing. Um 14.30 Uhr gibt Julia Uhlenwinkel ein Harmonium-Konzert. Um 15.30 liest Margarita Büttner Kindern aus Büchern vor. Für Essen und Trinken ist gesorgt.

 

Windmühle Rosa sollte 1977 abgerissen werden

Dass es überhaupt soweit kam, ist dem Windmühlen- und Verschönerungsverein zu verdanken. Er gründete sich 1977, um „Rosa“, die keine Funktion mehr hatte und verfiel, vor dem Abriss zu retten.

In Eigenleistung und mit Hilfe vieler Spenden konnten die rührigen Mitglieder die Galerie und die Flügel erneuern, die Windrose wurde überholt. Innenausbau und Sanierung bezahlte die Gemeinde. „Aber auch das ist lange her“, sagt der Vorsitzende. „Heute ist eine echte Grundüberholung fällig.“

Und in dieser langen Zeit hat sich viel entwickelt: Der Verein hat seine Verschönerungsidee sichtbar auf den ganzen Ort ausgedehnt. Und der 100 Mitglieder starke Verein würde gern wachsen und sich dabei verjüngen.

 

Mühlentag auch in Rieseby und Kappeln

Auch in Rieseby ist Mühlentag. Ab 10 Uhr gibt es an der Mühle Anna einen Open-Air-Gottesdienst. Um das weitere Programm bis 17 Uhr kümmern sich die Mitglieder des Vereins für Museums- und Chronikarbeit. Der Galerieholländer von 1911 inklusive Heimatmuseum kann bis 17 Uhr besichtigt werden. Peter Merten steht in der Schmiede am Amboss. Tischlermeister Wolfgang Nicoley bearbeitet in der Stellmacherei Holz. Schäferin Anke Mückenheim will Tiere scheren. Auch Drechseln und Polstern kann man miterleben. Im Lehmofen wird Leckeres gebacken. Sonnabend und Sonntag ist das Mühlenmuseum von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Und in Kappeln gibt es von 10 bis 17 Uhr in und an der Holländermühle Amanda Aktionen.

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Hier sehen Sie mehr Bilder zum Mühlentag 2019.
Tilmann Post 04.06.2019
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Cornelia Müller 04.06.2019