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Eckernförde Hilfe schweißt Helfer zusammen
Lokales Eckernförde Hilfe schweißt Helfer zusammen
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14:25 07.05.2020
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Pernille Hinz ist Teil des Teams der Nachbarschaftshilfe Dänischenhagen, die vom MTV und dem Handels- und Gewerbeverein unterstützt wird.
Pernille Hinz ist Teil des Teams der Nachbarschaftshilfe Dänischenhagen, die vom MTV und dem Handels- und Gewerbeverein unterstützt wird. Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
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Dänischenhagen

Bei Pernille Hinz laufen die organisatorischen Fäden zusammen. Die Fußballtrainerin, die im Schwedenecker Ortsteil Sprenge lebt, organisiert ganz virtuell das Hilfsangebot. Die 39-jährige Dänin führt eine Broadcast-Liste mit etwa 50 Menschen, die in Corona-Zeiten anderen helfen – vor allem beim Einkauf.

Kommt ein Anliegen, fragt sie in die Runde: „Hallo, hat jemand Zeit?“ Wurde der Auftrag erledigt, kommt ein Haken dran, mit Dankeschön. Wichtig: Die Daten bleiben dabei anonym.

Helfer in Dänischenhagen fanden im März schnell zusammen

Fußball-Obmann Olaf Kühl hatte von den Sorgen älterer Leute gehört, die ja als besonders gefährdet gelten. „Und dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich Pernille Hinz. „Planen und organisieren kann ich“, sagt die 39-jährige Mutter zweier Söhne – und so meldete auch sie sich für das Hilfsprojekt.

Die freiwilligen Helfer entwickelten einen Flyer, „der Handels- und Gewerbeverein hat sich um den Druck gekümmert“.  Alles in Privatinitiative: Die Infoblätter waren also mal in Farbe, mal in Schwarz-Weiß gedruckt. 800 bis 900 verteilten die Helfer, die zudem im Internet und auf Facebook für das Hilfsangebot werben.

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Unter #SHbleibtstark bündeln wir Initiativen und Hilfsangebote aus der Region, unterteilt in vier Kategorien:

Die Themenseite zu #SHbleibtstark finden Sie hier.

Es gibt einen Hilfecodex mit Hygienemaßnahmen

Die Fußballer übernehmen Autofahrten, ein Autohaus bot ebenfalls Hilfe an, erzählt Pernille Hinz. Viele Schüler hätten sich nach den Osterferien gemeldet, auch so wuchs der Helferkreis: „Das hat eine Eigendynamik erzeugt.“ Die Nachbarschaftshilfe entwickelte auch einen Hilfecodex mit Hygienemaßnahmen, gab diese Tipps an andere weiter. 

Tatsächlich meldeten sich in der ersten Woche der Nachbarschaftshilfe viele ältere Menschen bei ihr, erinnert sich Pernille Hinz: „Aber die wollten einfach mal danke sagen.“ Ohne die Nachbarschaftshilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Erfahrung, die auch die Helfer in anderen Gemeinden machten.

Es dauerte, bis erste um Unterstützung baten

Pernille Hinz hat den Eindruck: „Das ist eine Generation, die keinem zur Last fallen möchte.“ Schließlich kamen aber doch die ersten, die sagten: „Jetzt gehen die Vorräte zur Neige.“ Sie erzählt lächelnd von ausgefeilten Einkaufslisten, die mancher erstellte und in denen sogar die Gehwege für die Helfer möglichst effizient geplant wurden.

In den zurückliegenden zwei Wochen hat die Dänin eine neue Entwicklung ausgemacht: „Die Nutzer sprechen jetzt schon ihre Helfer direkt an.“ Sie hat das Gefühl, dass persönliche Beziehungen wuchsen.

#SHbleibtstark: Spenden, helfen, Hilfe finden

Mit dem Projekt #SHbleibtstark will unsere Zeitung den Zusammenhalt in der Krise und darüber hinaus fördern. Auf KN-online bündeln wir alle Hilfs- und Unterstützungsangebote. Zudem haben wir gemeinsam mit der Diakonie Schleswig-Holstein eine Spendenaktion für bedürftige Familien mit Kindern gestartet. Oft fehlt das Geld für ein Mittagessen, weil Schule, Hort und Kita geschlossen sind. Manchmal mangelt es an Babykleidung, Hygieneartikeln oder einer Prepaid-Karte für den digitalen Unterricht. Wer in Not geratenen Familien helfen möchte, kann hier spenden: Diakonisches Werk Schleswig-Holstein bei der Evangelischen Bank eG unter der IBAN: DE 48 5206 0410 0406 4038 24, Stichwort: Corona-Familienhilfe. Für eine Spendenbescheinigung geben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an.

Unter der Nummer 0800-7662476 ist ein kostenfreies Service-Telefon geschaltet (Mo-Do von 9-12 Uhr und 13-16 Uhr, Fr von 9-13 Uhr).

Viel läuft jetzt wohl über direkte Unterstützung

Diese freundschaftliche Ebene senke die Hemmschwelle, Hilfe anzunehmen: „Da fällt es manchem leichter zu sagen: Ich brauche doch noch ein Brot am Sonnabend.“ Sie schätzt, dass die Nachbarschaftshilfe noch etwa zehn Familien betreut und zusätzlich „viel über direkte Unterstützung läuft“. 

Die 39-Jährige hat dadurch weniger zu tun. Sie kontrolliert aber regelmäßig die E-Mails, bekommt ab und zu einen Anruf für einen Auftrag: „Wir machen es umsonst. Auch wenn wir die Menschen nicht kennen, ist es ein Freundschaftsdienst.“

Ehrenamtliche Hilfe sei „eines der schönsten Dinge“. Dass die Nachbarschaftshilfe in überschaubarem Rahmen genutzt wird, ist für sie auch ein Indiz dafür, „dass Dänischenhagen als Gemeinde ein gutes Netzwerk hat“. 

Auch den MTV Dänischenhagen schweißt das Projekt zusammen

Was ihr ebenfalls auffällt: In dem Dorf mit etwa 3900 Einwohnern sei der Einkauf in Corona-Zeiten sehr entspannt geworden: „Die Menschen nehmen Rücksicht.“ In großen Kieler Supermärkten hat sie andere Erfahrungen gemacht: Da denke jeder nur an sich.

Den Sportverein hat das Hilfsprojekt zusammengeschweißt, sagt Pernille Hinz: „Auch hier werden die Ängste und Sorgen deutlich.“ Jetzt in der Corona-Zeit hat der Verein deshalb bewusst ein Projekt umgesetzt, das schon im Januar entwickelt wurden: Fuß- und Handballer schafften sich „einheitliche Hoodies“ an.

Von diesem Zeichen des Zusammenhalts profitierte auch das beauftragte Sportgeschäft in Kiel-Friedrichsort.

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