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Eckernförde Kanal-Winzer muss sich noch gedulden
Lokales Eckernförde Kanal-Winzer muss sich noch gedulden
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17:15 18.07.2019
Von Cornelia Müller
Fernweh garantiert: Wer im Weinberg von Gut Warleberg in Neuwittenbek arbeitet, sieht auf dem Nord-Ostsee-Kanal Frachtschiffe und Kreuzfahrtriesen vorbeifahren. Quelle: Cornelia D. Mueller
Neuwittenbek

Solaris heißt die Rebsorte. Das klingt nach Sonne. Henrik Buchenau, dessen Gut Warleberg für Obstanbau, Selbstpflücken und Freiluftcafé bekannt ist, hat es "einfach mal gewagt". Er hat auf einen halben Hektar Hang mit traumhaftem Kanalblick Weinstöcke gesetzt. Schon 2018. "Jetzt kommen die Pflänzchen langsam in Gang" sagt er.

Die Verniedlichungsform hat er bewusst gewählt. Sein kleiner Weinberg, an dem auf der meistbefahrenen Schifffahrtsstraße der Welt Containerfrachter und Kreuzfahrtschiffe vorüberziehen, ist von Bord sicher noch nicht klar auszumachen.

Hier sehen Sie mehr Bilder vom Weinbau auf Gut Warleberg am Nord-Ostsee-Kanal.

Gerade mal hüfthoch sind die meisten der zarten Triebe erst. "Und das Wild hat sich gütlich dran getan", klärt er auf. "Überall Verbiss. Als nächstes kommt ein Zaun um den Südhang." Den Sommer 2018 fristeten die winzigen Weinstöcke sogar noch ein fast völlig verborgenes Dasein.

Auf 5000 Quadratmetern verwirklicht der Gutsherr von Warleberg den Traum vom Wein

Buchenau ist ein Liebhaber edler Topfen. Er musste einen Teil der überalterten Kirschbäume seiner Plantage entfernen lassen. Auf diesen 5000 Quadratmetern wollte er einen Traum verwirklichen: einen kleinen, feinen Weinberg, der einen süffigen trockenen Weißwein liefert. Also kamen Rebstöcke der Sorte Solaris, die sich auf Gut Deutsch Nienhof am Westensee bewährt hat, in den Boden.

Der echte Norden: Weinbau im Kleinformat

Schleswig-Holstein ist inzwischen ein Weinbauland im Mini-Format. Binnen zehn Jahren wuchs die Anbaufläche um das Dreifache. Allerdings beträgt sie trotzdem nur rund 32 Hektar. Der „echte Norden“ weist gerade mal 0,03 Prozent Anbaufläche des deutschen Weins auf. Jährlich rechnet man beim zuständigen Ministerium für Verbraucherschutz in Kiel, das auch für Genussmittel wie Wein zuständig ist, mit bis zu vier Hektar Zuwachs. Urheber des „Wein-Booms“ ist der frühere Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Er hatte seinem rheinland-pfälzischen Kollegen Kurt Beck (SP) ein kleines Kontingent der Anbaufläche, das gerade frei wurde, abgeschnackt. Famila-Chef Hermann Langness hatte die Aktion vor gut zehn Jahren unterstützt.

"Die Hitze der Saison 2018, die Ernte auf den Feldern und das überall gleichzeitig reifende Obst hielten mich sehr auf Trab. Da habe ich noch nicht viel Zeit investiert", räumt er ein. Ergebnis: Die Reihen der jungen Pflanzen verschwanden optisch im Wildkraut. Jetzt aber zeichnet sich für die Besucher des Obstcafés schon allmählich ab, was hier heranwächst.

Vom Hang dringt leises Klicken herauf. Carmen Petino und Ehemann Constantin Racalto widmen sich Reihe für Reihe dem Wein. Mit einer Art Zange umfasst sie jeweils den Haupttrieb, kneift zu. Klick. Schon ist er am stützenden Stab befestigt. Er schneidet indessen die Nebentriebe ab. Entfernt von Hand Bewuchs, der sich dicht an den Stock herangearbeitet hat.

Streng geregelt: das Rebpflanzrecht

Wer wo anbauen darf, ist im bundesdeutschen Rebrecht streng geregelt. Auch Henrik Buchenaus Weinberg durchlief das komplette Verfahren. Bei der Genehmigungsbehörde wäre er fast gescheitert. Die Neigung des kleinen Hangs stimmte zwar. Doch der Mitarbeiter konnte sich kaum vorstellen, dass die Anbaufläche so gering sein sollte. Er wollte zunächst die durchschnittliche Neigung des gesamten riesigen Flurstücks zugrunde legen – und die passte im flachen Dänischen Wohld natürlich nicht zum Weinbau.

Buchenau: "In diesem Jahr ziehen wir die Haupttriebe hoch. Wenn sie verholzen, bauen wir die Querdrähte für je zwei Seitentriebe auf. Dann sieht es wirklich nach Weinberg aus, dann dürften die Trauben wachsen. Momentan stecken die jungen Pflanzen kaum Energie in die Früchte." Nur winzige Ansätze sind bisher zu erkennen.

Die erste Flasche vom Weinberg in Neuwittenbek gibt es noch lange nicht

Die erste Flasche mit Arbeitstitel "Solaris NOK Südhang" ist 2019/20 noch nicht zu erwarten? "Auf keinen Fall", bestätigt er. "Vor 2021/22 geht nichts, vielleicht ja auch erst viel später. Ich muss erst einmal Erfahrungen sammeln." Buchenau macht keinen Hehl daraus, dass er sich zunächst als Hobby-Winzer betrachtet, der sich mit Kollegen berät, "und das Ganze zunächst kein Geschäftsmodell ist".

Gleichwohl möchte er den ernsthaften Weinanbau im Norden, den Winzer wie Steffen James Montigny in Grebin und Sven von Hedemann-Heespen vom Westensee entgegen aller Erwartungen der süddeutschen Weinbauern erfolgreich betreiben, langfristig um ein weiteres positives Beispiel bereichern.

"Der Solaris des Kollegen hat mich fasziniert", berichtet er. "Ein schöner Wein, den ich mag. Trocken, säurearm, frisch. Unser Hang hier besteht aus Kanalaushub, ist karg, hat kaum Humus. Aber Sonne haben wir. Und die Solaris ist robust bei unseren Wetterverhältnissen. Ich bin höchst gespannt auf das Ergebnis."

Weinstöcke vom Südhang des Nord-Ostsee-Kanals wachsen ganz natürlich auf

Zunächst will der Gutsherr die Arbeit im Weinberg auf das mechanische Mähen und die Pflege der Weinstöcke von Hand beschränken. "Mir schwebt vor, dass wir keine Chemie einsetzen. Ob wir düngen müssen, wird sich zeigen. Ein schöner Tafelwein, der praktisch bio ist und den man im Obstcafé kaufen und kosten kann, wäre das Optimum."

Doch bis zum ersten Jahrgang wird Zeit vergehen. Carmen Petino weiß das. "Macht nichts. Geduld", sagt sie in gebrochenem Deutsch und blickt versonnen hinunter zum Kanal. "Sehr, sehr schön hier." Gerade passiert ein Frachtschiff mit Ladebäumen. Fernweh und Träume vom Reisen bekommen sie und ihr Mann gratis bei der Arbeit.

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