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Eckernförde Freisprüche im Schlägerei-Prozess
Lokales Eckernförde Freisprüche im Schlägerei-Prozess
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17:46 26.03.2019
Von Tilmann Post
Von dieser Balustrade vor der Holstenbox in Altenholz stürzte im Dezember 2015 ein Mann aus Kropp. Wer die Verantwortung dafür trägt, konnte im Strafprozess vor dem Schöffengericht in Eckernförde nicht geklärt werden. Die Angeklagten wurden freigesprochen.
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Eckernförde/Altenholz

"Wenn wir Zweifel haben, müssen wir freisprechen", sagte Richter Holger Tiedemann nach der Urteilsverkündung am Dienstag durch das Schöffengericht Eckernförde. Das bedeute nicht, dass nicht jemand verantwortlich ist. "Aber mit unseren strafrechtlichen Mitteln sind wir hier am Ende."

Angeklagt waren ein 29-Jähriger aus Altenholz und ein 37-Jähriger, der heute in Dithmarschen lebt. Sie sollen in einer Dezembernacht des Jahres 2015 vor der Kneipe Holstenbox in Altenholz einen Mann verprügelt haben. Als dem ein anderer Gast des Lokals zur Hilfe kommen wollte, habe ihn der Jüngere der beiden Angeklagten über eine Balustrade gedrängt. Das Opfer stürzte kopfüber 2,50 Meter in die Tiefe auf einen Gehweg aus Betonplatten und bleibt durch die Folgen der Verletzungen ein Leben lang ein Pflegefall.

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Alle waren betrunken

Doch der Vorfall hat sich offenbar nicht so zugetragen, wie in der Anklage beschrieben. Alle Zeugen waren in der Dezembernacht betrunken und machten nun im Prozess gegensätzliche Angaben darüber, wer wen im Vorfeld der Auseinandersetzung provoziert hat.

Lediglich die Aussage eines Zeugen belastete die beiden Angeklagten direkt. Doch der gehörte zu der Gruppe, mit der auch das spätere Opfer in der Holstenbox war. Alle anderen der gut ein Dutzend Zeugen bestätigten das nicht oder konnten sich nicht erinnern. Auch die damals herbeigerufene Polizei konnte bei den späteren Angeklagten keine Aggressivität feststellen.

Es ging um mehr als drei Jahre Haft

Für den 29-Jährigen aus Altenholz stand viel auf dem Spiel. Die Staatsanwaltschaft forderte für schwere Köperverletzung mehr als drei Jahre Haft. Im Fall des zweiten Angeklagten ging es um ein halbes Jahr auf Bewährung wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung. Beide sind zuvor strafrechtlich nie in Erscheinung getreten.

Dem Freispruch war ein langer und aufwendiger Prozess vor dem Schöffengericht Eckernförde mit vielen Zeugen vorausgegangen. Nach einer unzulässigen Fristüberschreitung musste die Verhandlung sogar noch einmal neu aufgerollt werden.

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