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Eckernförde Herr Große, wie wichtig ist Reformation?
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20:44 27.10.2019
Von Tilmann Post
Im Eivind-Berggrav-Zentrum in Altenholz wird am Donnerstag, 31. Oktober 2019, um 19 Uhr der Reformationsgottesdienst gefeiert. Die Gemeinde lädt im Anschluss zu einem Glas Wein ein. Außerdem wird ein Geburtstagsgeschenk zum 50. Jubiläum der Gemeinde versteigert. Pastor Dirk Große sagt: "Reformation heißt, dass sich die Kirche immer verändern muss." Quelle: Tilmann Post
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Altenholz

Herr Große, mit Ihren Worten: Was genau wird gefeiert am Reformationstag?

Dirk Große: Wir feiern, dass sich die Kirche wieder an ihre Wurzeln erinnert. Vor 502 Jahren – wenn man 1517 als Geburtsstunde der Reformation ansieht – hat Martin Luther aufgrund seines sehr intensiven Bibelstudiums gemerkt, dass vieles in der Kirche, mit der er sich selbst bis dahin identifiziert hat, nicht in Übereinstimmung mit dem Evangelium zu bringen ist. Wir feiern also das Fundament der Kirche, wir besinnen uns darauf, was uns trägt: Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus unser Herr. Das ist ein klassischer Satz aus den paulinischen Briefen, den Luther stark in den Vordergrund stellt. Er bedeutet, dass sich alles an dem verifiziert, was in der Bibel steht. Kein Mensch, keine Kirche, keine Dogmen können daran etwas ändern. Das ist das Unaufgebbare in der Kirche.

Dann muss es für Sie eine große Bedeutung haben, dass es inzwischen ein gesetzlicher Feiertag ist.

Jein. Die Besinnung auf das Fundament der Kirche ist auch möglich, ohne dass es ein Feiertag ist. Aber dadurch, dass es jetzt so ist, ist das Bewusstsein und die Verankerung in der Gesellschaft klarer. Deshalb freut es mich.

Was halten Sie von der Diskussion darüber, ob die nördlichen Bundesländer einen weiteren Feiertag bekommen sollen?

Das sehe ich ambivalent. Als der Buß- und Bettag kein Feiertag mehr war, hat es die interessante Entwicklung gegeben, dass die Kirchen plötzlich viel mehr dafür getan haben, diesem Tag ein Gewicht zu geben. Das sage ich durchaus selbstkritisch. Faktisch waren die Gottesdienste am Buß- und Bettag besser besucht als vorher. Deshalb sage ich: Es geht immer um das innere Engagement, nicht um den äußeren Rahmen. Aber wenn ein neuer Feiertag zu einer Belebung führt, dann ist es auch gut.

Hat der Reformations-Feiertag belebt?

Ja. Das hat aber auch mit dem 500. Jubiläum 2017 zu tun, denn es hat nicht nur im kirchlichen, sondern auch im politischen und gesellschaftlichen Kontext eine große Resonanz gefunden. Zum Reformationsgottesdienst war die Kirche so voll, dass wir Stühle dazustellen mussten – und das mitten in der Woche. Im vergangenen Jahr war das auch so. Das hat damit zu tun, dass wir diesen Reformationstag ein neues Profil gegeben haben und viel engagierter und liebevoller vorbereitet haben. Das wollen wir auch bewahren, indem wir an diesem Tag immer andere Wege gehen.

Weshalb?

Reformation heißt, dass sich die Kirche immer verändern muss. Das Unaufgebbare muss so transportiert werden, dass es die Menschen erreicht. Also durch verständliche Sprache, wechselnde Methoden, lebendige Musik und die Beteiligung der Gemeinde. Das wünschen sich übrigens auch unsere Konfirmanden, ich habe sie danach gefragt. Am Donnerstag kommen sie im Gottesdienst vor, und zwar mit ihren eigenen Ideen. Zum Beispiel singen wir moderne Lieder.

Ihre Kirche ist häufig voll, zuletzt war der Andrang beim Gottesdienst für Toleranz am 20. Oktober groß. Gibt es einen neuen Zusammenhalt im Glauben?

So weit würde ich nicht gehen. An dem Tag waren viele da, die nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle ein Zeichen setzen wollten, sonst aber keine Gottesdienstbesucher sind. In manchen Fällen mag es gelingen, dass diese Menschen ein positives Bild von Kirche mitnehmen, das eben nicht mittelalterlich und weltfremd ist. Aber auch in unserer Gemeinde nimmt die Zahl der Kirchgänger ab. Das sehen wir bei den Konfirmanden: Davon haben wir nicht einmal halb so viele wie vor fünf Jahren. Für immer weniger Eltern hat die Kirche eine Relevanz im Leben, deshalb melden sie ihre Kinder nicht an. Die Kirche entwickelt sich zum Nischendasein. Das hindert uns aber nicht daran, inhaltlich gute Arbeit zu machen und die Reformation ernst zu nehmen.

Im Kirchenkreis werden Regionen gebildet, weil Pastoren in der Zukunft fehlen werden. Altenholz gehört dann mit sechs weiteren Gemeinden zur Region Dänischer Wohld, die bis Sehestedt reicht. Müssen Sie auch auf eine Pfarrstelle verzichten?

Garantiert. Wir wissen, dass ein Drittel der Pfarrstellen in der Nordkirche künftig nicht mehr besetzt werden kann. Das bedeutet für die Region Dänischer Wohld, dass es 2030 höchstens sechs oder sechseinhalb Pfarrstellen geben wird. Wenn ich ehrlich bin, finde ich das ziemlich bescheuert, denn was Kirche wertvoll macht, ist die Präsenz der Pastoren, gerade in der Seelsorge. Durch diese Entwicklung geht soziale Wärme verloren. Und wir kommen in einen Teufelskreis, weil sich noch weniger Menschen der Kirche zuwenden, wenn dieser Zuspruch fehlt.

Mit welcher Strategie begegnen Sie dem?

Wir schaffen eine zusätzliche Diakonen-Stelle, das ist eine Art kirchlicher Sozialarbeiter. Wenn Pastor Breckling-Jensen und ich in fünf, sechs Jahren in den Ruhestand gehen, wird es nur noch eine Pfarrstelle geben. Das kompensieren wir mit einer Diakonin oder einem Diakon, damit das Angebot nicht auf die Hälfte herunterbricht. Die Ausschreibung läuft gerade. Die Kirchengemeinde Altenholz ist aufgrund einer erfreulichen Spendenbereitschaft ihrer einkommensstärkeren Bevölkerung sowie dem freiwilligen Kirchgeld in der Lage, diese Stelle aus eigenen Mitteln zu finanzieren. In der Gemeinde fühlen sich viele verantwortlich und machen mit, das macht sie lebendig.

Zur Person: Dirk Große, Pastor in der Kirchengemeinde Altenholz

Dirk Große (60) ist in Hamburg geboren und in Ahrensburg aufgewachsen. Seine Vikarszeit verbrachte er in Flensburg. Anschließend wirkte Große für zwölf Jahre als Pastor im nordfriesischen Leck, bevor er im Februar 2003 nach Altenholz kam. Im gleichen Jahr trat sein Kollege Okke Breckling-Jensen ebenfalls seine Stelle dort an. Seitdem bilden die beiden das Pastoren-Tandem in der Gemeinde. „Das ist ein echter Segen, wir verstehen uns großartig“, sagt Große. Dirk Große ist verheiratet und hat vier Kinder.

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