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Eckernförde Voller Hingabe an Mozarts Tiefe
Lokales Eckernförde Voller Hingabe an Mozarts Tiefe
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17:55 11.11.2019
Von Cornelia Müller
Fast 70 Sängerinnen und Sänger der Gettrofer Kirchenchöre, dazu Orchester und vier professionelle Solisten, öffnen in der St.-Jürgen-Kirche mit Mozarts „Requiem“ ein Universum. Das faszinierte Publikum ist spendet später stehend Beifall. Quelle: Cornelia D. Mueller
Gettorf

Es strömt von allen Seiten. Die Konzertkirche St. Jürgen in Gettorf wird proppenvoll, die Eintrittskarten sind ausverkauft. Das Requiem ist das anspruchsvollste und zugleich aufwändigste Werk, das Kantorin Julia Uhlenwinkel mit fast 70 Sängerinnen und Sängern, die Singen in der Freizeit praktizieren, einstudiert hat.

Als Profis sind vier junge Projektsänger, hochkarätig ausgebildet, und 24 Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters Kiel mit von der Partie. Das lässt man sich nicht entgehen.

„Das Beeindruckendste, was ich je in dieser Kirche gehört habe“, wird später ein Besucher sagen, der selbst aktiv Kirchenmusik macht. Er wird noch lange davon schwärmen. Andere werden ihm beipflichten. Auch sie haben begeistert stehend applaudiert und gestaunt, wo zu „ihre“ Kirchenmusik fähig ist.

100 Sänger und Musiker machen die Gettorfer Kirche zum musikalischen Universum

Doch von vorn. Knapp 100 Akteure im Altarraum der historischen Kirche unterzubringen, wo diese doch gar nicht als klein gilt, ist an sich schon Kunst. Da rückt zwangsläufig alles zusammen, steht wohlgeordnet dicht an dicht auf Stufen unter dem Kreuzgewölbe, begrenzt von Kanzel, Altarbildbild, Taufbecken.

Mit den vier Solisten Marie Sophie Richter (Sopran), Franziska Buchner (Alt), David Szigetvar (Tenor) und Christian Wagner (Bariton), die sich mit dem Orchester vor der ersten Bankreihe fast ins Publikum schieben, verschmilzt der vielköpfige Chor schon optisch zur Einheit.

Julia Uhlenwinkel hebt den Taktstock in die Mucksmäuschenstille. Ihre charmante wie informative Einführung in Mozarts einzige große Kirchenmusik und letzte Komposition überhaupt hat gut vorbereitet. Die ersten Orchestertakte leiten strikt auf den Chor, der das Wesentlich ist in dieser Seelenmesse in d-Moll bleiben wird. Die Posaunen leiten auf diesen Einsatz hin: „Requiem aeternam dona eis Domine. Ewige Ruhe schenken ihnen, Herr.“

Um Mozarts Requiem und dessen Vollendung ranken sich Mythen

So ernste Musik muss junge Chorsänger zuerst ganz erfassen, bevor sie sich in sie hinein vertiefen mögen. Die dramatischen Umstände der Komposition, inmitten derer Mozart am 5. Dezember 1791 erst 35-jährig starb, öffnen wohl die Pforte. Es ranken sich genügend Mythen um das „Requiem“.

Da war doch der „graue Bote“, der den für den Komponisten finanziell lukrativen Auftrag von Graf Franz von Walsegg überbracht haben soll. Ahnte Mozart da schon, dass er bald sterben würde? Schrieb er womöglich an einer Messe für sich? Noch verworren scheinen die Fäden, wenn es um die Vollendung des Werks geht. Fakt ist immerhin: Mozart-Schüler Franz Xaver Süßmayr brachte es in wesentlich Teilen im Sinnes seines Meisters zu Ende.

Auf diese Fassung hat sich die Kantorin eingelassen, haben sich die 100 Mitstreiter eingespielt und eingesungen, mit aller Seele. Herausgekommen ist ein wirkliches Kunstwerk: Junge und Erfahrene haben Grenzen überwunden, Raum für Zartes und Kraftvolles ausgelotet, sind in den Proben und erst Recht in der Aufführung zu einem wohlklingenden Universum gewachsen. Bravo.

Die Kantorin verneigt sich kurz, als die Welle überschwänglichen Beifalls heranrollt, lächelt und setzt bescheiden in die Bank. Dabei hätte Mozart ohne die Leiterin des herausfordernden Projekts ganz sicher nicht so viele Herzen erreicht.

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