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Eckernförde Landwirtschaft geht auch klimafreundlich
Lokales Eckernförde Landwirtschaft geht auch klimafreundlich
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18:23 10.11.2019
Von Cornelia Müller
Sabine Mues ist Betriebsleiterin des ökologischen Versuchsguts Lindhof im Noerer Ortsteil Lindhöft. In puncto Milchwirtschaft und Klimaschutz wird die Haltung von Jersey-Rindern erforscht. Die acht Monate alten Kälber der zierlichen Rasse sind extrem zutraulich. Quelle: Cornelia D. Mueller
Noer

Frau Mues, ist der Umstieg auf Öko-Landwirtschaft unverzichtbar, um das Klima zu retten? Wissenschaftler der Royal Agricultural University in Gloucestershire haben eine Studie veröffentlicht, die stark differenziert. Es heißt unter anderem: Der sofortige Umstieg würde die heimische Umwelt stark entlasten, doch er zöge klimaschädlichere Importe nach sich. Die Klimabilanz fiele, global betrachtet, schlechter aus.

Sabine Mues: Verkürzt dargestellte Zusammenhänge werden schnell Totschlag-Argumente. Eines heißt auch: Wenn alles ökologisch erzeugt würde, wäre die Ernährung nicht mehr sichergestellt. Da setzt man voraus, dass sich auf der Verbraucherseite nichts ändert.

Es gibt auch andere Studien: Wenn wir weltweit nicht so viel Fläche für die Produktion von Tierfutter verbrauchen und stattdessen Pflanzen für die menschliche Ernährung anbauen würden, könnten wir die ganze Welt ernähren. Zum Beispiel der Blick nach Südamerika, wo riesige Flächen für den Anbau von Soja für Tierfutter verbraucht werden, verdeutlicht das. Man muss also genau hingucken.

Auch besagte Studie kommt zu dem Schluss, dass der Fleischkonsum sinken muss. Nur im Gesamtpaket sei die Umsteuerung sinnvoll. Aber die Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln steigt weltweit.

Das verwundert nicht. In vielen Ländern ist noch die Entwicklung von Wohlstand beherrschend, wie bei uns in den 1960er-Jahren. Fleisch galt auch hier als Zeichen von Wohlstand. In Schwellen- und Entwicklungsländern ist also zuerst viel, viel Aufklärung nötig.

Schrittweise Ökologisierung der Landwirtschaft nötig

Wie kommen wir zu Lösungen?

Das Schwarz-Weiß-Denken muss aufhören. Die Lösungen, an denen wir auf dem Lindhof arbeiten, unterteilen nicht in rein ökologisch und rein konventionell. Das Ziel muss die Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft sein. Die höchste Stufe wäre dann wohl der ökologische Landbau. Doch auch im konventionellen Landbau gibt es Möglichkeiten, viel für die Umwelt zu erreichen.

Sie haben Kontakt mit Landwirten des ganzen Spektrums. Wie offen sind sie für die schrittweise Ökologisierung?

Kein Landwirt und keine Landwirtin will seine Produktionsgrundlagen schädigen. Alle wollen, dass Boden, Wasser, Tiere gesund sind. Man denkt in Generationen, man will nachhaltig wirtschaften. Aber der wirtschaftliche Druck ist hoch. Wenn man Forderungen nach mehr Gewässerschutz, Artenschutz und so weiter erfüllt und das Einkommen dadurch sinkt, muss das Geld woanders herkommen.

Wie soll das funktionieren?

Ansätze gibt es. So kann man für sich eine weitere Fruchtfolge, die mehr Diversität bringt, entlohnen lassen, die Prämie wird aufgestockt. Es steht die Änderung der EU-Agrarförderung an.

Die erste Säule der Prämie bemisst sich nach Fläche. Für jeden bewirtschafteten Hektar bekommt man einen festen Betrag. Die zweite Säule ist die Prämie für wirkungsvolle Umweltmaßnahmen. Das ist der richtige Weg.

Aber die Bauern protestieren gerade massenhaft, sie fühlen sich alleingelassen.

Für viele Landwirte ist das alles noch zu diffus. Wir auf dem Lindhof arbeiten gezielt an praktischen und wirkungsvollen Möglichkeiten. Wir weisen wissenschaftlich nach, dass bestimmte Maßnahmen effektiv sind. Hier kommt auch die Gemeinwohlprämie ins Spiel, die man sich nach einem Punktesystem erarbeitet.

Lindhof in Noer erforscht praktische Maßnahmen für Klimaschutz

Haben wir schon Instrumente, die Bauern nutzen können, um Punkte dafür zu sammeln?

Noch nicht genug, das macht es so schwierig. Man muss doch nachweisen, dass das, was man tut, auch etwas bringt. Noch steht man wirtschaftlich oft besser da, wenn man intensiv mit hohem Ertrag wirtschaftet und auf die Flächenprämie setzt.

Sie verstehen also, dass Landwirte auf der Zinne sind?

Ja. Und alle Pauschalurteile, dass sie Umweltsünder und Tierquäler sind, heizen die Emotionalisierung noch an.

Kann die Digitalisierung der Landwirtschaft helfen, die Umwelt zu schonen?

Auf jeden Fall. Aber nur sehr große Betriebe können sich die neueste Technik in der Regel auch leisten. Die Mehrheit der Höfe wird zerrieben zwischen den Forderungen der Agrarindustrie, den Nicht-Regierungsorganisationen, die eigne, oft auch wirtschaftliche Interessen verfolgen sowie dem Handel, der die Preise diktiert.

Welchen Weg sehen Sie für diese Betriebe in Deutschland, in Schleswig-Holstein?

Bei uns wird der größte Teil des Bruttoinlandsprodukts nun einmal nicht auf dem Bauernhof erwirtschaftet. Unsere Landwirtschaft muss zunehmend dafür entlohnt werden, wie sie produziert und nicht was sie produziert. Wenn die Ökologisierung erfolgen soll, muss aber auch der Verbraucher bereit sein, dafür zu bezahlen, bewusster einzukaufen, Lebensmittel wertzuschätzen.

Welche Projekte auf dem Lindhof legen Grundlagen für eine Umsteuerung?

Alle. Wir erforschen aktuell: Wie speichert ein Acker mehr Kohlendioxid? Die Kleegras-Rotation ist da ein Weg. Zweijährige Grasbestände haben viel höheres Speicherpotential als Flächen, die oft umgebrochen werden, beispielsweise für den Maisanbau.

Seit einem Jahr läuft das Projekt Biodiversität: die Förderung bestäubender Insekten, die für die Landwirtschaft wichtig sind. Es macht wenig Sinn, irgendeinen Blühstreifen anzulegen, er muss auch etwas bringen. Wir untersuchen aktuell Kleegras-Kräuter-Streifen.

Darunter ist die gleiche Mischung, die Kühen helfen soll, weniger Methan auszugasen. Erste Berechnungen legen nahe, dass Rinder, die dieses Futter fressen, tatsächlich weniger Methan ausgasen. Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Super wäre natürlich, wenn sich da ein Synergieeffekt ergibt. Es gibt auch andere Fragen: Wo legt man Blühstreifen an? Vernetzt, am Knick, am Wald, in der Feldmark?

Mehr Forschung wie auf dem Öko-Versuchsgut in Noer ist nötig

Der Lindhof hält Jerseyrinder. Auch die Tierrasse scheint bedeutend.

Ja. Aber man kann nicht pauschal sagen, ökologisches Wirtschaften mit Jersey-Kühen auf Vollweide sei das Beste. Das ist vielleicht ein Weg. Aber wichtig ist: Man muss nachweisen, wieviel Methan pro Liter Milch die Kuh ausscheidet. Diese Klimabilanz muss man auch für konventionell gehaltene Schwarzbunte erheben, die mehr Milch liefern. Man muss beides miteinander vergleichen.

Brauchen wir mehr Forschung?

Ja. Wir sind hier auf dem Hof alle begeistert dabei. Um es mit Prof. Friedhelm Taube zu sagen, der die wissenschaftliche Leitung auf dem Lindhof hat: Wir müssen jetzt die Fragen der Zukunft stellen und beantworten, damit die Landwirtschaft rechtzeitig Lösungen vorfindet.

Facettenreicher Öko-Bauernhof mit Forschungsauftrag

Der Lindhof im Noerer Ortsteil Lindhöft ist Versuchsgut der Universität Kiel. Ökologischer Landbau und extensive Landnutzungssysteme ist hier Forschungsschwerpunkt der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät. Die Wissenschaftliche Leitung hat Prof. Friedhelm Taube.

Diplom-Agrar-Ingenieurin Mues ist seit 28 Jahren Betriebsleiterin auf dem Hof mit 186 Hektar Betriebsfläche. Gewirtschaftet wird nach Richtlinien von Bioland und Naturland. Der Lindhof beschäftigt außerdem einen Herdenmanager, mehrere Versuchstechniker, mehrere Aushilfen, Mitarbeiterinnen im Bio-Hofladen und in der Bauernhofpädagogik. Außerdem ist immer ein junger Landwirt oder eine Landwirtin in Ausbildung.

Angebaut werden Kartoffeln, Ackerbohnen, Hafer, Winterdinkel und -weizen, Kleegras als Schnittgut. Auch auf den Weiden fressen 94 Jersey-Milchkühe und Tiere der Irischen Milchrindkreuzung mit Nachzucht sowie Mastrinder Kleegras. Fünf Angler Sattelschweinsauen mit Eber stützen den Erhalt der alten Hausschweinrasse. Das Schweinefleisch geht ebenfalls in die Direktvermarktung auf dem Hof. 200 Hennen picken auf der Wiese und legen ihre Eier im Mobilstall. Auch eine private Imkerei gibt es auf dem Lindhof.

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