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Eckernförde Warum Fische sterben und Wasser grün ist
Lokales Eckernförde Warum Fische sterben und Wasser grün ist
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20:14 30.09.2019
Von Christoph Rohde
Dr. Tobias Boehme misst mit einer Algen-Sonde den Gehalt im Eckernförder Hafen. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

Grünes Wasser gab es auch in der Flensburger Förde und in dänischen Gewässern. Spekulationen reichten von Algen bis hin zu Sedimenten, die die Ostsee getrübt haben könnten. Wissenschaftler gingen dem Phänomen in Eckernförde jetzt genauer auf den Grund. Der Physiker und Ozeanograf Dr. Tobias Boehme arbeitet bei der Firma bbe Moldaenke (Schwentinental) an hochpräszisen Algen-Messgeräten. Da er bei Eckernförde wohnt, ließ er am Wochenende aus Neugier eine Sonde ins Wasser, die den Gesamtchlorophyll-Gehalt aber auch das Vorkommen einzelner Algenarten messen kann.

Und plötzlich sah alles aus wie in der Karibik

Das Ergebnis: 0,1 Mykrogramm Cyanobakterien und 0,3 Mykrogramm Totalchlorophyll. Das heißt übersetzt, das Algen-Vorkommen lag an diesem Tag fast bei Null. „Es befanden sich so gut wie keine Algen im Wasser“, sagt Böhme. Seine Schlussfolgerung: Die türkis-grüne Färbung muss von etwas anderem verursacht worden sein. Besitzer eines Motorbootes, die gerade im Innenhafen in einer Box festmachten, berichteten: „Am Vortag war noch alles klar, und dann sah plötzlich alles aus wie Karibik“.

Durch Messungen ließen sich keine Algen nachweisen

Zufällig untersuchte zur gleichen Zeit wie Böhme der Geomar-Wissenschaftler Dr. Ivo Bobsien das Wasser im Eckernförder Hafen. Seine Sonde, die er zu Wasser ließ, ermittelte neben Salzgehalt und Temperatur auch den Sauerstoffgehalt. Weiter nahm er zwei Wasserproben, um Algen nachzuweisen. Das Proben-Ergebnis bestätigte Böhmes Messung: Trotz des milchig-trüben Wassers waren keine Algen vorhanden.

Ein Bakterium könnte für die Grünfärbung verantwortlich sein

Dass Algen oder Sedimente für die Verfärbung ausschlaggebend waren, schließt Bobsien deshalb aus. Seine Vermutung geht in Richtung Bakterien. Die sogenannten Beggiatoa-Bakterien beispielsweise bilden in sauerstoffarmen Tiefen weiße Teppiche. Sie leben hier von der Chemosynthese, setzen Schwefel um und lagern diesen in ihren Zellen ab. „Dadurch erscheinen sie weißlich“, sagt der Meeresbiologe. Gemeinsam mit dem im Sonnenlicht bläulich wirkenden Wasser lässt sich so die türkis-grüne Färbung im Innenhafen erklären.

Sauerstoffarmes Tiefenwasser gelangte an die Oberfläche

Dass diese Bodenbakterien an die Oberfläche getragen wurden, ist ein Zeichen für das sogenannte Upwelling. Das heißt: Sauerstoffarmes Tiefenwasser kommt bei speziellen Wind- und Wasserbedingungen an die Oberfläche und verursacht dadurch nicht selten ein Fischsterben. Bobsien untersucht in einem gemeinsamen Projekt von Geomar und Landesamt für Umwelt (LLUR) diesen Prozess speziell in der Eckernförder Bucht. Nach einem großen Fischsterben in 2017 kam es nach seinen Angaben bereits zu zwei weiteren kleineren Fischsterben in diesem Jahr nach starken westlichen, südwestlichen Winden.

Zweites akutes Fischsterben in der Bucht

Am 13. September waren viele tote Fische im Uferbereich der Eckernförder Bucht vor dem Ostseebad beobachtet worden. Ein zweites akutes Fischsterben hat es nach Beobachtung von Bobsien am Wochenende in der Bucht gegeben. Tausende von Fischen, vor allem kleine Grundeln und Plattfische, hätten auf dem Meeresgrund gelegen, so der Wissenschaftler. Der Hauptteil sei nicht am Eckernförder Strand, sondern bei Kiekut angeschwemmt worden.

Sauerstofflage entspannt sich langsam wieder

Inzwischen scheint sich die Sauerstofflage in der Eckernförder Bucht langsam wieder zu entspannen. Nach nur noch sechs Prozent Sauerstoff Minimum am Wochenende, liegt die Sättigung, die am Ostsee-Info-Center gemessen wird, derzeit bei 20 Prozent. Normal im Winterhalbjahr sind nach Angaben von OIC-Mitarbeiter Till Holsten 75 bis 80 Prozent. 

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