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Eckernförde Agrarfrust: Landwirt in Stohl sattelt um
Lokales Eckernförde Agrarfrust: Landwirt in Stohl sattelt um
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10:18 02.11.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Jeannine Wittern begrüßt beim Hofrundgang eines der Norweger-Pferde. Sie brachte die Pferdehaltung, die nun als weiteres Standbein ausgebaut wird, auf die Heidberg-Farm.  Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Schwedeneck

Die Heidberg-Farm ist ein konventionell bewirtschafteter Hof im Schwedenecker Ortsteil Stohl, unweit der Ostsee. Landwirt Nis-Hinrich Wittern (41) übernahm ihn 2005 von seinem Vater Fritz.

Kleiner Familienbetrieb

Seine Frau Jeannine Wittern (39), gelernte Bankkauffrau, lebt seit 2006 hier. Der Familienbetrieb ist klein, hat einen Mitarbeiter. Auf 140 Hektar Land werden Raps, Weizen, Gerste und Hafer angebaut. In den letzten Jahren verzichtete Landwirt Wittern fast immer auf Insektizide, erklärt er. Schon immer habe er nützlingschonende Mittel verwendet. Seit fünf Jahren gibt es auch Blühstreifen und -wiesen auf seinem Land.

Zum Ackerbau kommt die Tierhaltung: Bis zu 420 Muttersauen lebten bisher hier, dazu um die 2500 Ferkel, erklärt Nis-Hinrich Wittern. Er hielt seine Tiere auf Stroh, in Gruppen. Gruppenhaltung gilt als Form, die Sauen die größte Bewegungsfreiheit bietet und soziale Kontakte ermöglicht. Ein Nachteil seien allerdings zum Beispiel Rangkämpfe, die zu Verletzungen führen können, erklärt der Landwirt.

Kritik an "irrsinnigen Vorgaben"

Schon vorher hätten andere „irrsinnige Vorgaben“ dazu beigetragen, dass er zunehmend die Lust am Beruf verlor. Dieser wurde zudem immer mehr zum Bürojob. „Die Arbeit am Tier geht verloren“, findet auch Jeannine Wittern. Im November 2018 kam dann ein Schreiben mit Vorgaben für die Ferkelwirtschaft, das bei ihrem Mann „das Fass zum Überlaufen“ brachte.

Aus der Sicht des Praktikers gab es viele Punkte, die nichts mit Tierwohl zu tun hätten. „Wenn ich von meinen Tieren eine Leistung erwarte, müssen sie sich doch wohlfühlen“, betont Nis-Hinrich Wittern. Es sei wie bei einem Sportler: Der könne auch nur Höchstleistungen vollbringen, wenn er gesund ist. Dieser Anspruch leite ihm im Umgang mit den Tieren.

Keine Planungssicherheit beim Bau von Tierställen

Hinzu kam: In absehbarer Zeit hätte der 41-Jährige auf dem Hof investieren müssen – ohne zu wissen, ob das nachhaltig wäre. Denn schon jahrelang angekündigte Gesetzesänderungen wurden immer noch nicht umgesetzt: „Niemand weiß, wie die zukünftige Tierhaltung aussehen soll.“

Der Landwirt sagt, bei ihm habe stets jeder auf den Hof kommen dürfen, um sich über die Arbeit dort zu informieren. Man könne beim Thema Landwirtschaft ja unterschiedlicher Ansicht sein, aber Offenheit sei ihm wichtig. Das Angebot habe nur selten jemand wahrgenommen. „Aber die, die kamen, gingen oft weg und sagten: ,Das habe ich so nicht erwartet’“, erinnert sich seine Frau Jeannine.

Den „politischen und gesellschaftlichen Druck“ als konventioneller Landwirt müsse man schon aushalten können, erklärt Nis-Hinrich Wittern. „Wir wurden auch viel kritisiert als Sauenhalter“, ergänzt Jeannine (39).

Hof setzt künftig auf Rentnerpferde

Nun will das Paar, das vier Kinder hat, umsatteln – im wahrsten Sinne des Wortes. Jeannine Wittern brachte einst ihr Pferd mit auf die Heidberg-Farm. Weil es Gesellschaft und Weideland am Stall gewohnt war, kamen zwei Rentnerpferde dazu.

Und weil es eine Nachfrage nach Unterkünften für betagte oder nur bedingt reitbare Pferde gibt, baute das Paar in einer alten Scheune noch zehn weitere Pferdeboxen als Seniorenresidenz aus. Das Angebot spielte wirtschaftlich keine große Rolle, lief aber gut. „Bisher hatten wir immer drei bis fünf Pferde auf der Warteliste.“

Viele Sauenhalter gaben schon auf

Im November, als der Frust so groß waren, fiel dann die Entscheidung, künftig konsequenter auf betagte Pferde zu setzen. Und die Sauenhaltung aufzugeben. „Ach, du auch?“, hörte er damals oft, erinnert sich Nis-Hinrich Wittern. Gerade bei Sauenhaltern war die Stimmung zu jener Zeit „ganz schlimm“. Das habe ihm auch zu schaffen gemacht, erklärt der 41-Jährige. Doch nun blickt er zuversichtlich auf das Neue.

Künftig mehr Zeit für Familienarbeit

Derzeit entstehen in einer einst für die Sauenhaltung genutzten Halle neue Pferdeboxen. 26 hat der Hof nun schon, um die 50 sind das Ziel. Hinter der Halle gibt es Weideland für die Pferde. „Um ihnen die Möglichkeit zu geben, in Ruhe alt zu werden“, sagt Jeannine Wittern. Für die Tiere gibt es zum Beispiel Bewegungsangebote, denn das sei schließlich genau wie bei alternden Menschen: „Die brauchen Bewegung für die Knochen.“

Und damit Nis-Hinrich Wittern noch ein bisschen das Gefühl hat, „Bauer zu sein“, steigt er auf die Masthaltung mit Schweinen um. 1000 Plätze, auch dafür wird gerade ein Stall umgebaut. Der Arbeitsaufwand für ihn als Landwirt wird dadurch deutlich geringer: Nis-Hinrich Wittern bekommt so auch mehr Zeit für Familienarbeit.

Factbox: Sauenhaltung- Viele geben auf

Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein erlebt die Schweinehaltung im Land einen Strukturwandel. Es kommt zu einer Spezialisierung: Immer weniger Betriebe halten immer mehr Tiere – wobei der Schweinebestand insgesamt sinkt. Schlechte Erlöse in vielen Jahren und zunehmende Auflagen führten dazu, dass immer mehr Höfe diesen Betriebszweig aufgeben. Zudem fehlten oft Nachfolger.

Das betreffe vor allem die Sauenhaltung: Von 12500 landwirtschaftlichen Betrieben im Land befassen sich laut Landwirtschaftskammer nur noch etwa 300 mit der Ferkelerzeugung. Dabei seien die Erlöse in diesem Jahr wieder ganz gut. Grund sind die Exporte nach China wegen der Afrikanischen Schweinepest. Im Bereich Ferkel-Erzeugung könne der Bedarf der hiesigen Mäster nur durch Importe gedeckt werden; die Tiere kommen dann vor allem aus Dänemark.

Im November 2018 gab es in Schleswig-Holstein 700 Betriebe mit Mastschweinen. Diese kamen zusammen auf etwa 670000 Plätze – das sind im Schnitt gut 950 pro Betrieb. 2004 gab es in Schleswig-Holstein noch 1700 Mastschwein-Betriebe mit 590000 Plätzen (347 pro Betrieb).

Vor einem Jahr gab es im Norden zudem rund 300 Sauenbetriebe, die etwa 86000 Sauen hielten (etwa 286 pro Betrieb). Im Jahr 2000 gab es noch 1400 Sauenbetriebe mit insgesamt etwa 116000 Sauen (82 pro Betrieb).

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