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Eckernförde Kräuter auf Spaziergang entdecken
Lokales Eckernförde Kräuter auf Spaziergang entdecken
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15:57 12.05.2019
Von Jan Torben Budde
Essbar oder giftig? Naturfreund Arno Ketelsen gab bei der Wanderung Tipps, welche Kräuter genießbar sind. Knoblauchrauke röstet der Entspannungspädagoge bei 50 Grad im Ofen. Quelle: Jan Torben Budde
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Schwedeneck

25 Erwachsene und Kinder ließen sich über die Vorzüge von Löwenzahn, Giersch und Goldnessel aufklären.

Als die wissbegierigen Naturfreunde auf dem Parkplatz vorm Tante-Emma-Laden eintrudeln, scheint die Sonne. „Ich möchte gern erfahren, was man noch alles unter den Salat mischen kann“, freut sich Sonja Vogel (38) aus Felm auf die Wanderung. Für die Kräutersuche haben ihre Töchter Sia (9) und Sylvie (7) eigens Korb und Schere mitgenommen.

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Nur so viel nehmen, wie in den Mund passt

Gleich zu Beginn des etwa zweistündigen Spaziergangs aus dem Programmangebot der Volkshochschule Küste Dänischer Wohld sagt Ketelsen in die Runde: „Man sollte nie zu viele Pflanzen abrupfen, sondern immer nur so viel nehmen, wie in den Mund passt.“ Danach stiefelt die Gruppe bei Vogelgezwitscher im Gänsemarsch durch den Wald. Nach wenigen Metern stoßen sie auf Giersch. Was Hobbygärtner oft als „Alptraum“ betrachten, bezeichnet Ketelsen als Geschenk der Natur mit reichlich Vitamin C: „Giersch kann man als Salat essen.“ Gekocht tauge die Pflanze ebenso als Spinat-Ersatz – gern mit Kartoffeln.

Einige Ausflügler führen ihr frisch gepflücktes Blatt eher zögerlich zum Mund. Die Pflanzen vor dem Verzehr abwaschen? „Unsinn“, winkt Ketelsen ab, die Furcht vor Wurmerkrankungen sei unbegründet.

Unterdessen probiert Greta (8) ein Buchenblatt. „Schmeckt bitter“, stellt die Surendorferin fest. Ketelsen nickt zustimmend und weist noch auf die leicht „nussige“ Geschmacksnote hin. Erhielten Salziges und Süßes auf dem heimischen Sofa heutzutage meist den Vorzug, regten Bitterstoffe allerdings die Verdauung an.

Der Wald ist ein XL-Wildgemüsegarten

Doch der Wald eignet sich nach Ansicht des 59-Jährigen nicht nur als gesunder XL-Wildgemüsegarten, sondern sogar als Trostspender: „Wenn ihr Sorgen hat, umarmt einfach einen Baum. Man kommt zur Ruhe, schaut nicht auf die Uhr oder aufs Handy, das man am besten erst gar nicht mitnimmt.“ Auf den Vorschlag reagieren die Naturfreunde mit einer Mischung aus zustimmenden und skeptischen Blicken.

Weiter geht es zum Scharbockskraut, das früher bei Seeleuten beliebt war. „Es wurde gegen Skorbut eingenommen, damit bei Mangelerscheinungen nicht die Zähne ausfallen“, so Ketelsen. Sonja Vogel und ihre Töchter probieren ein Blatt. Fazit: „Relativ bitter.“

Die Goldnessel gilt ebenfalls als Wildgemüse. „Ist gut für unsere innere Reinigung“, so Ketelsen. Bei einem liegenden Baumstamm entdecken die Teilnehmer noch Knoblauchrauke. Der Tipp vom Kräuter-Fan: Deren Blüten bei 50 Grad auf Pergamentpapier im Backofen rösten. „Man hat dann einen Pfefferersatz, der ganz milde ist“, verrät Ketelsen, „die Natur bietet hier so viel, man muss nicht alles von weit her herankarren.“ Klimaschutz-Demos finde er sinnvoll, doch wenn es in den Ferien um Fernreisen im Flieger gehe, müsse jeder mal sein Verhalten überprüfen.

Bärlauch zählt zu beliebten Wildkräutern

Deshalb zurück in den Wald: Bärlauch zählt hierzulande zu den beliebten Wildkräutern. Um eine Verwechslung mit dem giftigen Maiglöckchen zu vermeiden, zerreiben die Spaziergänger das Gewächs zwischen ihren Fingern – und schon steigt ihnen feiner Knoblauchgeruch in die Nase. Und wenn es doch zu einer Verwechslung kommt? „Ruhe bewahren, weiter atmen und Wasser trinken“, rät Ketelsen. Das Taubheitsgefühl in der Zunge lasse nach.

Dass Löwenzahn geschmacklich Rucola ähnelt, ist in der Runde bekannt. „Er wächst relativ früh im Frühjahr, dann braucht der Körper nach dem Winter einen Energieschub“, so der Kieler. Er brühe sich dann gern einen Kräutertee aus Löwenzahn, Birkenblättern und Brennnesseln.

Nach der Tour klang der Nachmittag dann bei einer Kartoffelsuppe aus – garniert mit selbst gesammelten Kräutern.

Karina Dreyer 11.05.2019
Jan Torben Budde 11.05.2019
Jan Torben Budde 11.05.2019