Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Eckernförde Skaterpark-Verkauf verspricht Geldsegen
Lokales Eckernförde Skaterpark-Verkauf verspricht Geldsegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:17 25.07.2019
Von Tilmann Post
Die derzeit noch als Skaterpark mit markanter, ovaler Schnelllaufbahn und Hindernis-Parcours genutzte Fläche am Schulweg gilt zwar nicht als Filetstück in Eckernförde, dennoch ist das Interesse von Investoren groß. Das Grundstück nahe der Innenstadt verspricht mehr als einen warmen Regen für die Stadtkasse. Quelle: Ulf Dahl
Anzeige
Eckernförde

Der Exer hat es gezeigt: Als es vor anderthalb Jahren darum ging, einen Preis für den Parkplatz mit Meerblick für potenzielle Hotel-Investoren aufzurufen, kam eine schwindelerregende Summe dabei heraus: zehn Millionen Euro für die 6750 Quadratmeter.

Die Stadt musste sich an den Bodenrichtwerten des Gutachterausschusses orientieren – und der legte in der Lage 1500 Euro pro Quadratmeter fest: einsame Spitze im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde. Inzwischen ist das Exer-Hotel-Projekt auf Eis gelegt.

Anzeige

Doch die gleiche Frage kommt für den Skaterpark auf. Die 10.000-Quadratmeter-Fläche hatte die Ratsversammlung im Mai mit denkbar knapper Mehrheit als künftigen Standort für ein Kino auserkoren – in Kombination mit Einzelhandel.

Keine Bodenrichtwerte am Schulweg

Das Problem: Für das Grundstück am Schulweg liegen keine Bodenrichtwerte vor, denn die orientieren sich an Kaufabschlüssen der Vergangenheit. Die sind aber nicht vorhanden.

„In dem Fall gibt es zwei Möglichkeiten“, sagt Bürgermeister Jörg Sibbel (CDU). „Man schaut sich die Bodenrichtwerte der Nachbarschaft an oder man legt eine konkrete, zukünftige Nutzung zugrunde, in diesem Fall Einzelhandel plus Kino.“

Welches Verfahren der Gutachter wählt, der nach dem Ratsbeschluss von der Verwaltung mit der Kaufpreisermittlung beauftragt wurde, ist noch nicht bekannt. Aber in beiden Fällen wird wohl ein ordentlicher einstelliger Millionenbetrag herauskommen.

Quadratmeterpreise in Eckernförde bis zu 1500 Euro

Denn für die Grundstücke in der Umgebung liegen durchaus Bodenrichtwerte vor. Bereits östlich der Bahnlinie hat der Gutachterausschuss des Kreises 550 Euro pro Quadratmeter für Grundstücke ohne Wasserblick ermittelt. Im Fall des Skaterparks hieße das, dass der Kaufpreis 5,5 Millionen Euro betragen würde.

Möglicherweise auch mehr: „Man könnte auch argumentieren, dass die Fläche für Einzelhandel durch die Nähe zur B76 besser erschlossen ist als Grundstücke hinter dem Bahnübergang“, sagte der Bürgermeister.

Der Wert könnte bei der zweiten Ermittlungsvariante vielleicht noch übertroffen werden. Einzelhandel und Kino kommen Sibbel zufolge für gewöhnlich im Kernbereich vor, wo höhere Ansätze gelten.

Kaufpreis nicht frei verhandelbar

„Legt man die konkrete Nutzung zugrunde, würde das zu höheren Werten führen“, sagte er. In Eckernförde steigen die Bodenrichtwerte auf bis zu 1500 Euro, je näher die Grundstücke am Hafen liegen.

Diese Erfahrung habe die Stadt gemacht, als es um den Kauf des Bahnhofsgebäudes ging. Während die Deutsche Bahn 2007 noch einen Kaufpreis von 600.000 Euro aufrief, legte sie später die damals geplante Nutzung als Kino zugrunde – damit schnellte das Angebot 2013 auf 1,6 Millionen Euro in die Höhe.

Jörg Sibbel will sich jedoch nicht konkreter äußern, bevor das Gutachten vorliegt. Mit einem Ergebnis rechnet er nach der Sommerpause. Klar ist, dass die Stadt sich daran halten muss. „Hier greift das EU-Beihilferecht, deshalb können wir nicht frei verhandeln.“

Vier Unternehmen haben Interesse am Skaterpark

Hintergrund: Mit Einzelhandel und Kino würde Gewerbe entstehen, das in Konkurrenz zu bestehenden Betrieben steht. „Mit einem Kaufpreis, der das nicht berücksichtigt, würden wir in diesen Wettbewerb eingreifen. Das wäre nicht zulässig“, sagte Sibbel.

Er bestätigte, dass vier große Einzelhandelsunternehmen Interesse angemeldet haben. „Außerdem gibt es allgemeine Anfragen weiterer Projektentwickler.“ Die Stadt wolle aber direkt mit den späteren Bauherren zu tun haben.

So weit sei es aber noch nicht. „Wir führen derzeit keine Verkaufsgespräche, Voraussetzung ist das Wertgutachten“, sagte Jörg Sibbel.

Bodenrichtwerte geben Käufern Orientierung

Die jüngsten Bodenrichtwerte beziehen sich auf die Jahre 2017 und 2018. Die Immobiliengeschäfte dieses Zeitraums im Kreis Rendsburg-Eckernförde wurden für die statistische Auswertung vom Gutachterausschuss analysiert. Dabei handelt es sich um ein unabhängiges Gremium aus Fachleuten. An den ermittelten Durchschnittspreisen können sich vor allem Käufer orientieren. Die Werte sind auf der Internetseite des Kreises zu finden. Die Geschäftsstelle bittet Immobilienkäufer um Unterstützung: Wer ein Haus oder Grundstück erwirbt, kann einen Datenbogen ausfüllen. Auf diese Weise verbreitert sich die Datenbasis, und die Bodenrichtwerte werden verlässlicher.

Mehr Nachrichten aus Eckernförde und Umgebung finden Sie hier.

Christoph Rohde 24.07.2019
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 24.07.2019
Christoph Rohde 24.07.2019