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Eckernförde Solidaritätsparty am Ufer
Lokales Eckernförde Solidaritätsparty am Ufer
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14:46 03.07.2018
Von Cornelia Müller
Die Naturkostbar von Simone Schmidt (Mitte) im denkmalgeschützten Reetdachkiosk am Borbyer Ufer ist eine Brandruine. Ihr Team ist traurig und fassungslos. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Eckernförde

Simone Schmidt steht der Schock noch ins Gesicht geschrieben. "Das ist der erste Tag, an dem ich wieder richtig denken kann", sagt sie.

Gleichzeitig ist sie gerührt von der großen Anteilnahme. "Und ich fühle mich gestärkt durch die Solidarität. Von jetzt an blicke ich nur nach vorn."

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Alle nehmen die Inhaberin der Naturkostbar gleich in den Arm

Auch alle Mitarbeiterinnen aus ihrem Team sind gekommen. In Partylaune ist keine, auch wenn jeder die Chefin in den Arm nimmt und alle bekunden: "Es muss weitergehen, wir unterstützen dich."

Anwohner aus Borby hatten den Solidaritätsabend organisiert. "Wir wollen zeigen, dass sich keiner von diesen oder von irgendwelchen geistigen Brandstiftern das Leben verderben lässt", sagt Initiatorin Claudia Dethlefsen.

Der Reetdachkiosk hatte Kultstatus in Eckernförde

Eine Nachbarin des denkmalgeschützten Häuschens, die vom Blaulicht der Feuerwehr wach geworden war, hat vor der Absperrung ein Buch für gute Wünsche an Simone Schmidt ausgelegt.

Die Naturkostbar war in der Nacht zum Freitag niedergebrannt. Das besondere Biobistro mit handgemachten Speisen hatte binnen eines Jahres zum Kultstatus erlangt. Es galt als Symbol der Sommerfrische "mit dem schönsten Blick auf Eckernförde".

Ein junges Paar aus Eckernförde, 19 und 20 Jahre alt, hatte insgesamt drei Brände in dieser Nacht gelegt. Zuletzt zündete das Duo einen der Strandkörbe vor dem historischen Kiosk an.

Kripo sah nach der Vernehmung keine Kriterien für U-Haft-Antrag

Die Flammen griffen auf das Reetdach über. Die Polizei konnte schnell Verdächtige ermitteln. Die polizeibekannten jungen Leute gestand diese und weitere Taten vor dieser Serie.

Haftbefehl hatte die Kripo nach Aussage der zuständigen Polizeidirektion Neumünster aufgrund des Vernehmungsergebnisses nicht beantragt. Die beiden stehen laut Polizei unter intensiver sozialer Betreuung.

Wie es mit der Naturkostbar Borby weitergeht, ist unklar

Um Untersuchungshaft zu erwirken, wird der Staatsanwalt eingeschaltet. Er stellt den Antrag stellt - oder nicht. Erlassen kann ihn nur der Haftrichter. In jedem Fall müssen klare rechtliche Kriterien erfüllt sein.

Die Ermittlungen dauern noch an. Erst danach kann die Anklage erfolgen. Wie es mit dem Kiosk weitergeht, ist noch unklar.

Der Kiosk gehört der Stadt Eckernförde. Noch steht nicht einmal fest, ob die angegriffenen Mauern noch zu halten sind.

Die Inhaberin möchte gern weitermachen

Die Pächterin hatte das Häuschen auf eigene Kosten mit einer Küche ausgerüstet und teures Outdoor-Mobiliar angeschafft. Sie möchte am liebsten wieder eröffnen.

Schmidt: "Ich wünscht mir jetzt eine unbürokratische Zwischenlösung, vielleicht mit einem Gastrowagen. Unsere Gäste wollen uns treu bleiben." Bürgermeister Jörg Sibbelt bestätigt, "dass wir darüber schon im Gespräch sind".

Hier sehen Sie mehr Bilder von der Klappstuhlparty vor der Brandruine in Borby.
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 03.07.2018
Tilmann Post 02.07.2018
Rainer Krüger 02.07.2018