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Eckernförde Rad der Geschichte nicht zurückdrehen
Lokales Eckernförde Rad der Geschichte nicht zurückdrehen
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16:24 24.01.2020
Von Christoph Rohde
Das Wandbild „Nordischer Schwertertanz“ von Käte Lassen ziert eine Front der Aula der Pestalozzischule. Noch ist unklar, wie mit dem in nationalsozialistischer Zeit in Auftrag gegebenen Kunstwerk umgegangen werden soll. Quelle: Christoph Rohde
Eckernförde

1938 hatte der Schulleiter der früheren Jungmannschule, Georg Schaub, das Wandbild in Auftrag gegeben. Er galt als überzeugter Anhänger der nationalsozialistischen Ideologie. Die Flensburger Malerin Käte Lassen (1880-1956) nahm den Auftrag an, der Teil einer gesamten Umgestaltung der Aula war. Als Motiv griff sie ein Thema aus der Germania von Tacitus auf: den Schwertertanz. Diesen verlegte sie an den Strand. Ein nordisches Thema, wie Lassen laut Bieske später immer wieder betonte. Die Nationalsozialisten interpretierten das Bild hingegen aus ihrer Sicht: junge Männer mit Schwertern – ein Anschauungsbeispiel für Wehrertüchtigung.

Blass wirken heute die Schwertertänzer

War es also Nazi-Kunst? Oder ist das Bild Interpretationssache? Die Engländer hatten nach Kriegsende dazu ihre eigene Meinung: Sie ließen das Wandbild übermalen. In den 1980er-Jahren wurde es bei Renovierungsarbeiten wieder freigelegt. Die ursprünglich leuchtende Farbigkeit war inzwischen verloren gegangen. Blass wirken heute die Schwertertänzer. „Von den Schülern werden sie gar nicht wirklich wahrgenommen“, sagt der Leiter der Pestalozzischule, Holger Bohrmann. Bis vor drei Jahren war es immer verhüllt. Seit einer Ausstellung über die Künstlerin Käte Lassen im Eckernförder Museum liegt es offen. „Wichtig ist jetzt eine Entscheidung“, sagt Bohrmann. Denn die Aula muss renoviert werden.

Den Zustand konservieren und kommentieren

Die alte Jungmannschule mit den Innenräumen steht zwar unter Denkmalschutz. Ob das Wandbild dazu gehört, muss noch geklärt werden. Klar hingegen ist, dass der Schwertertanz eines der wenigen herausragenden Wandbilder der Flensburger Malerin ist. Also restaurieren? Nein, sagt Museumsleiterin Bieske. Man solle das Bild nicht wieder „schön machen“ und das Rad der Geschichte zurückdrehen. Sie plädiert dafür, den aktuellen Zustand zu konservieren, die Löcher in der Wand zu schließen und mit einer kommentierenden Texttafel die Historie des Werks zu erzählen.

Ausschuss will am 26. März entscheiden

Ihre Eindrücke vom Ortstermin wollen die Ausschussmitglieder jetzt mit in die Fraktionen nehmen. Auf der nächsten Sitzung am 26. März soll über die Zukunft des Wandbildes entschieden werden. Dann, so Bürgermeister Jörg Sibbel, könne man gemeinsam mit der Schulleitung auch das Sanierungskonzept für die Aula erarbeiten und Mittel in den Haushalt einstellen.

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