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Eckernförde Stephanie Abel schließt ihr Törtchenmobil
Lokales Eckernförde Stephanie Abel schließt ihr Törtchenmobil
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19:00 12.11.2019
Von Cornelia Müller
Ein letztes Mal feinste Törtchen: Stephanie Abel schließt auf Gut Wulfshagen ihre Manufaktur. Die Coffinis und Calamellus werden wohl alle auf den Wochenmärkten in Kiel und Eckernförde vermissen. Quelle: Cornelia Müller
Tüttendorf

Der Morgennebel lichtet sich über den historischen Gebäuden, die blaue Dämmerung geht in Rosa über. „Heute bin ich spät dran“, sagt Stephanie Abel. Es ist kurz nach 7 Uhr.

Nach ein, zwei Stunden Arbeit liegen jetzt die vorletzten Apfel-Zimt-Croissants auf dem Blech, die der Backofen unter ihrer Regie freigeben wird. Sonst begann der Arbeitstag „spätestens um 4 Uhr, meist aber um 3 Uhr oder noch früher“. Die Rösterei Loppokaffee in Kiel öffnet heute erst später, denn es ist Feiertag.

Die duftenden Croissants in vier Variationen und feinste Törtchen mit Namen wie „Coffini“ oder „Calamellus“, denen Stammkunden verzückt entgegenfiebern, gibt sie heute auf dem Heimweg nach Kiel ab. „Dann am Sonnabend noch einmal. Und das war’s“, setzt sie mit Seelenruhe hinzu.

Keine Wehmut, keine Tränen darüber, dass sie ihre kleine, feine Manufaktur gerade auflöst? Dass ein Käufer den kleinen roten Retro-Wohnwagen mit Barista-Ausstattung schon abgeholt hat, um ihn für seine Zwecke umzurüsten? Allen wird das Mobil auf den Wochenmärkten in Kiel und Eckernförde doch fehlen. Nein, sie lächelt.

Das Törtchemobil der Konditorin aus Tüttendorf ist schon verkauft

„Das komische Gefühl, als das Törtchenmobil wegfuhr, hielt zum Glück nicht an. Ich bin dankbar für fünf spannende Jahre, tolle Mitarbeiterinnen, wunderbare Kunden. Gleichzeitig bin ich sehr erleichtert über meine Entscheidung“, räumt sie ein und strahlt dabei. „Die 80-Stunden-Wochen liegen nämlich hinter mir!“ Jetzt wird sie „richtig viel Zeit“ für Töchterchen Erna (2) haben, das Mutter Stephanie und Vater Arne Clasen nur selten gemeinsam für sich hatte. „Endlich auch ein Familienleben haben, mal zusammen Urlaub machen. Ich möchte zwar ab Frühjahr 2020 wieder als Konditorin arbeiten, aber angestellt, nur noch 40 Stunden. Das kommt mir sehr entspannt vor.“

Hier sehen Sie mehr Bilder aus der Törtchen-Manufaktur von Stephanie Abel.

Vor fünf Jahren wagte sich die heute 33-Jährige, die auf Gut Birkenmoor in Schwedeneck aufwuchs, in die berufliche Selbstständigkeit. Ihren Traumberuf Konditorin erlernte sie in Stuttgart, die Patisserie kam ergänzend hinzu. Unter anderem im Mercedes-Benz-Museum kredenzte sie ihre Kreationen.

Eigene Törtchen-Manufaktur in der Alten Schule auf Gut Wulfshagen eingerichtet

Dann zog es sie zurück nach Schleswig-Holstein, nach Kiel. In den Räumen der Alten Schule Wulfshagen konnte sie schließlich ihre Backstube einrichten. Nur hochwertige Zutaten, regional und teils in Bioqualität, hat sie verarbeitet. „Und ich würde es auch heute nicht anders machen“, betont sie.

Allerdings gehört noch mehr dazu, um so erlesenes Gebäck zu erschaffen: sehr viel Arbeitszeit. „Alles ist Handarbeit. Zum Glück habe ich eine angestellte Konditorin und eine weitere fest angestellte Mitarbeiterin, die daran genauso viel Spaß haben. Meine zweite Konditorin ist in Elternzeit. Eine Vertretung war nicht zu finden. So haben wir das in Kleinstbesetzung gewuppt. Zu unserem Team gehören auch noch zwei Aushilfen im Verkauf.“

Dass allein die Chefin für zwei schuften muss, stand für sie nie außer Frage. „Hätte ich eine weitere Fachkraft gehabt, wäre es leichter gewesen“, vermutet sie. „Allerdings hatten wir so viele Kundenanfragen, dass wir ohnehin nicht hinterherkamen.“

Existenzgründerinnen mit Kind brauchen andere Unterstützung

Die Frage der Wirtschaftlichkeit angesichts der eigenen Arbeitszeit durfte sich „Törtchen-Steffi“, wie alle sagen, nicht stellen. „Jedenfalls nicht, wenn man nach seiner Überzeugung arbeitet.“ Aber sie hinterfragt die Förderstrukturen für Jungunternehmerinnen.

„Als Existenzgründerin habe ich ein solches Pensum in den ersten zwei, drei Jahren erwartet. Aber auch wenn der Betrieb gut läuft, bleibt Frauen mit Familienwunsch nur die Wahl zwischen Selbstausbeutung oder Aufhören. Solange ich gestillt habe, musste Erna zum Beispiel mit in den Betrieb.

Die Chance, mit finanzieller Förderung eine Zusatzkraft für einen gewissen Zeitraum einzustellen, wünsche ich mir für selbstständige Mütter. Das würde der Geschlechtergerechtigkeit dienen.“

Ihre Bilanz der fünf Jahre fällt trotzdem positiv und selbstbewusst aus: „Ich würde mir diesen Traum wieder erfüllen. Schade ist, dass er nicht länger dauern konnte. Schön ist, dass ich weiter unbändige Lust auf meinen Beruf habe.“

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