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Eckernförde Stillstand für Wohnungsbau in Altenholz
Lokales Eckernförde Stillstand für Wohnungsbau in Altenholz
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20:30 04.09.2019
Von Cornelia Müller
Noch sind hier nur Stoppelfelder. Doch alle Bauplätze sind schon reserviert, wenngleich noch gar keine genaue Planung und Aufteilung des Gebiets zwischen dem Freesenberg und Postkamp möglich ist. Quelle: Cornelia D. Mueller
Altenholz

So voll ist der Ratssaal selten. Zu Sitzungsbeginn gibt es keine freien Stühle mehr im Zuschauerraum, einige Besucher müssen stehen. Auch die Empore ist besetzt.

Eines von zwei heiß diskutierten Themen des Abends ist die erwartete Entscheidung über den SPD-Antrag, den noch nicht einmal sehr konkreten Planungen für das 16 Hektar große Gelände am Ortsrand bei Postkamp eine Pause zu verordnen.

Hier möchte Investor May und Co. ein Neubaugebiet errichten, das bis zu 270 Wohneinheiten hat. Überwiegend sollen es nach seiner Vorstellung Einfamilienhäuser werden.

Politik in Altenholz hat sich noch nicht auf Details festgelegt

Die Politik will hier aber auch Mehrfamilienhäuser und barrierefreies Wohnen. Auf neue Wohnformen und klimafreundliche Ausgestaltung zielten von Anbeginn die Grünen. Auch die Zahl der Wohneinheiten ist keineswegs unstrittig.

Das Pikante: Obwohl Altenholz 2017 nur einen grundsätzlichen Aufstellungsbeschluss für eine F-Planänderung und einen möglichen B-Plan fasste, hatte der Investor die Grundstücke bereits indirekt vermarktet.

Die Politik schien sich ja grundsätzlich einig, dass gebaut werden soll. May und Co., der auch die Ladenzeile Stift realisiert hat, bekam ein positives Signal. Das Unternehmen legte Bürgern in einer Info-Veranstaltung im Juni 2019 schon konkret wirkende Pläne vor.

Dass diese nur Entwurfscharakter haben, so lange kein Bebauungsplan etwas festschreibt, wurde zwar wiederholt gesagt. Das betonte in dieser Sitzung auch Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD).

Die Bauwilligen in Altenholz haben sich längst um Grundstücke beworben

Eine bindende Planung und Aufteilung des Gebiets hinter dem Freesenberg im Ortsteil Klausdorf, das zunächst unter Kapenhof und jetzt unter Brammerkamp firmiert, existiert nicht.

Dennoch hatten sich die Interessenten längst um die hypothetischen Grundstücke beworben und nahmen die Eckwerte als real an. Der Investor selbst betonte, er könne jeden Bauplatz theoretisch mehrfach vermarkten, so groß sei die Nachfrage.

Mancher berichtete an dem besagten Abend, die Familie sei schon Jahre erfolglos und verzweifelt auf der Suche nach Bauland in der Nähe von Kiel.

SPD, Grüne und die AWG wollen jetzt mit dem Stopp erwirken, dass zuerst ausgelotet wird, welche Auswirkung ein Wachstum der Gemeinde um rund 600 neue Bürger auf die Infrastruktur – Versorgung, Schule, Kindergärten, Verkehr – hätte.

Lesen Sie auch den Kommentar: Cornelia Müller zum Baugebiet Altenholz  

Der Ortsentwicklungsplan Altenholz hinkt hinterher

Der Ortsentwicklungsplan, der seit 2010 nicht mehr fortgeschrieben wurde, müsse zunächst festlegen, „wo wir überhaupt hin wollen“, unterstreicht Fraktionschef Ingo Baasch (SPD) mit Nachdruck. „Heute kann ehrlicherweise ohnehin keiner wirklich sagen, ob und wie das Baugebiet realisiert wird.“

Die Bauwilligen im Saal haben ihrem Ärger und ihrer Verzweiflung schon in der Fragestunde Luft gemacht. Sie haben eindringlich versucht, ihre Situation den Politikern klar zu machen.

Im Sitzungsverlauf versucht CDU-Fraktionschef Mike Buchau noch, Überzeugungsarbeit für eine Abänderung des Antrags zu leisten.

Wenn die Aussetzung des B-Planverfahrens aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht abzuwenden sei, „dann lassen Sie doch die Frist fallen“, bittet er.

Keine Kompromissbereitschaft beim Planungsstopp fürs Baugebiet in Altenholz

Auch die CDU wolle vor detaillierten Entscheidungen über den Brammerkamp Auswirkungen und Erfordernisse für ganz Altenholz prüfen und den Ortsentwicklungsplan vorantreiben. „Das kann man aber parallel machen“, betont er.

Sein Fraktionskollege Andreas Piltz echauffiert sich: „Es sind Lippenbekenntnisse, wenn wir ständig von Wohnungsbau in Altenholz reden, jetzt aber nichts tun.“

Es bleibt aber dabei: Die Vertreter der anderen zwei Parteien und der Wählergemeinschaft nehmen den SPD-Antrag an. Die Zuhörer verlassen den Saal später in maßloser Enttäuschung. Kaum einer will das Votum noch kommentieren.

Dass der Ausschuss danach die Verwaltungsvorlage durchwinkt, die Ortsentwicklungsplanung sofort wieder aufzunehmen und den Auftrag für 40.000 Euro an die AC-Planergruppe zu vergeben, tröstet sie nicht.

Den Kommentar zum Thema finden Sie hier.

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