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Eckernförde Nicht jedes Motiv ist für die Ewigkeit
Lokales Eckernförde Nicht jedes Motiv ist für die Ewigkeit
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06:00 29.12.2018
Von Sebastian Ernst
Tätowierer Marcel Mascon (l.) und Mikel Loges beim Stechen im Tattoostudio Mascon in Eckernförde. Loges wünscht sich einen Mercedes-Stern auf dem rechten Unterarm. Quelle: Sebastian Ernst
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Eckernförde

Mikel Loges möchte sich im Eckernförder Tattoostudio Mascon eine Erinnerung an seinen verstorbenen Großvater stechen lassen. "Mein rechter Unterarm ist meinem Opa gewidmet", sagt er. Dort prangt bereits ein Kreuz mit dem Porträt des Großvaters. Heute soll ein Mercedes-Stern dazukommen. "Mein Opa ist immer Mercedes gefahren", erklärt Loges. "Deswegen erinnert mich der Stern an ihn." Für einen späteren Termin ist außerdem ein Husky geplant. "Opa hatte immer Huskies", so Loges.

Tätowieren ist ein kreativer Prozess

Tattoo-Artist Marcel Mascon hat bereits eine Idee, wie sich die einzelnen Motive miteinander verbinden lassen. "Wir platzieren den Husky später so, dass es aussieht, als würde er den Mercedes-Stern wie den Mond anheulen." Das Entwickeln von Tattoo-Ideen liegt dem Tätowierer am Herzen. „Jeder hat seine eigene Geschichte, die er auf seiner Haut verewigen möchte. Der kreative Prozess von der Idee zum Motiv ist dabei ganz wichtig. Schließlich sollen die Kunden ja im Idealfall für immer Freude an dem Tattoo haben."

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Tattooentfernung beim Augenarzt

Katrin hingegen, eine blonde Frau Ende 20, die eigentlich anders heißt, sitzt nur wenige Häuser weiter in der Eckernförder Innenstadt und möchte ein Tattoo loswerden. Sie trägt ein Motiv, das ihr nicht mehr gefällt. Am rechten Handgelenk sind noch blasse Schatten einer Tätowierung zu erkennen. Seit einigen Monaten lässt sie das Tattoo bei Thomas Merkel mit einem Laser behandeln. Vier Sitzungen hat sie bereits hinter sich. "Das Tattoo zeigt den Namen und den Geburtstag meines Kindes", sagt Katrin. "Allerdings ist das Tattoo so schlecht gestochen, dass es jetzt weg muss." Thomas Merkel ist Augenarzt in Eckernförde, bietet aber auch Tattooentfernung an.

"Die Vorgehensweise bei der Tattooentfernung ist relativ ähnlich wie in der Augenheilkunde. Auch dort wird viel mit Lasern gearbeitet", erklärt der Arzt. Mit seinem Speziallaser bestrahlt er die ungeliebten Tätowierungen seiner Kunden. "Durch die Energie des Lasers zerplatzen die Farbpigmente in der Haut", erklärt Merkel. Während die vollständigen Farbpartikel nicht vom Körper abgebaut werden können, transportiert das Immunsystem die Bruchstücke über Lymphe oder Blutbahn ab. Schließlich werden sie über Niere oder Darm ausgeschieden.

"Das klassische Arschgeweih haben wir kaum"

Nach mehreren Sitzungen ist man peinliche Jugendsünden los. "Schwarze und rote Pigmente lassen sich besser entfernen als zum Beispiel grüne oder gelbe", so Merkel. Schmerzhaft sei das nicht, sagt Katrin. "Wer sich tätowieren lassen kann, hält die Laserbehandlung locker aus." Sie beschreibt das Gefühl als leichtes Zwicken. "Während der Behandlung kann es zu Schwellungen und Blutungen kommen", sagt Merkel. "Langfristig kann es passieren, dass sich Narben bilden oder dass die Haut an der behandelten Stelle heller wird."

Doch was für Motive fallen besonders oft in Ungnade? "Das klassische Arschgeweih haben wir eigentlich kaum", sagt Merkel. "Natürlich gibt es aber immer wieder Kunden, die etwa die Initialen der ehemaligen Freundin oder des Ex-Mannes gestochen haben."

Dass Mikel Loges sein Tattoo irgendwann nicht mehr gefallen könnte, schließt er aus. "Ich habe noch mehr Tattoos und bis jetzt noch keins davon bereut", sagt er. Auch Katrin will sich von ihrem missglückten Tattoo nicht abschrecken lassen. "Ich würde mich trotzdem gerne wieder tätowieren lassen", sagt sie. "Dann aber auf jeden Fall überlegter."

Ein Besuch im Tattoostudio von Marcel Mascon.
Jan Torben Budde 28.12.2018
Cornelia Müller 28.12.2018
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 28.12.2018