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Eckernförde Archäologen finden Reste von Tieren
Lokales Eckernförde Archäologen finden Reste von Tieren
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19:30 21.08.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Strande: Ein Forschungstaucher bei der Grabung unter Wasser. Quelle: Jonas Enzmann
Strande

Traumhafter können Archäologen doch kaum arbeiten als hier, etwa ein Kilometer vor der heutigen Küstenlinie von Strande und Schwedeneck? Der Kieler Jonas Enzmann lacht zustimmend bei dieser Frage: Ja, jetzt an diesem Sommertag stimmt das.

Dreijähriges Forschungsprojekt

„Aber im März haben wir bei vier bis sechs Grad Wassertemperatur schon geflucht“, erzählt der 32-jährige Forschungstaucher und Doktorand auf dem Fördewanderweg. Über diesen führt der Weg zu einer Hintertür des Bülker Klärwerks: Dort steht ein Bauwagen, als Basis für die Arbeiten der Forscher an Land.

Die Ende 2011 entdeckte Steinzeitsiedlung in der Bucht wird noch bis 2021 in einem dreijährigen Forschungsprojekt untersucht, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Die Funde gehen auf die sogenannte Ertebølle-Kultur in Dänemark und Norddeutschland zurück – benannt nach einem der Fundorte.

Letzte Tauchphase für die Untersuchung

Projektleiter ist Dr. Martin Segschneider vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK). Weil unsere Vorfahren dort siedelten, wo heute das Meer schwappt, sind neben Jonas Enzmann noch vier weitere Forschungstaucher in der versunkenen Siedlung im Einsatz. Jetzt läuft die vierte und letzte Tauchphase für das Projekt.

Wann überflutete die Ostsee die Siedlung?

Im Bauwagen zeigt der 32-Jährige das Foto eines Sedimentschnitts, mit Schichten unterschiedlicher Ablagerungen. Sie sollen Aufschluss über eine wichtige Frage geben, erklärt der Doktorand des Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung: „Wann kommt hier eigentlich die Ostsee an?“

Die Bodenstruktur des Schnitts zeigt unten eine eiszeitliche Mergelschicht. Darüber ist Holztorf zu erkennen: Das bedeutet, dass dort mal ein Wald mit feuchten Senken war, erklärt Jonas Enzmann. Ein ähnliches Wäldchen gibt heute übrigens unweit des Bauwagens der Forscher.

Viele Reste von Tieren

In der Schicht darüber muss es eine Überflutung gegeben haben – aber wann? Kam sie vor oder nach jener Zeit, aus der die steinzeitlichen Siedlungsfunde stammen? Jonas Enzmann vermutet, dass der Torf älter ist als die Funde. Das würde bedeuten, dass die Siedler an einer schilfbestandenen Lagune gejagt und gefischt hätten.

Die Wissenschaftler haben hier auch viele Reste von Tieren gefunden. Dazu gehören Fische, aber auch Jagdwild. Jonas Enzmann zeigt den Kieferknochen eines wohl noch jugendlichen Wildschweins: mit einem Zahn, der noch nicht durch den Kiefer gewachsen war.

Siedlung wurde etwa 4700 v.Chr. aufgegeben

Die nächste Schicht des Sedimentschnitts enthält viele zerstörte Muscheln mit Ton – normalerweise würde man nach einer Überflutung allerdings Sand finden, erklärt der 32-Jährige. Er weiß noch nicht so recht, was er von dieser Sedimentschicht halten soll: „Darüber muss ich mit einem Küstengeologen sprechen.“ Aber vielleicht steht diese Schicht für die endgültige Überflutung. Etwa 4700 vor Christus wurde die Strander Siedlung aufgegeben.

Ort füllt eine Forschungslücke

Über die teilsesshaften Sammler und Jäger, die dort lebten, ist nicht viel bekannt: Der Ort vor Strande füllt eine Forschungslücke. Man weiß aber, dass sie mit vielfältigem Material gejagt haben. Die Steinzeitmenschen lebten wohl in größeren Gruppen und wechselten zwischen Sommer- und Winterlager.

Doch wie leben Menschen in einem Bereich, der von Überflutung bedroht ist, in dem das Wasser immer näher kommt? Das sei eine weitere zentrale Frage des Forschungsprojekts, erklärt Doktorand Enzmann.

Knochen von drei Menschen

Bislang wurden vor Strande die Knochen von drei Individuen gefunden, allerdings nicht an ihrem Bestattungsort – so viel weiß man: „Alle wurden weggespült, das ist klar.“ Die Bestattungsriten im Flachwasserbereich waren vor 7000 Jahren vielfältig, erläutert der 32-Jährige: So fand man in Dänemark zum Beispiel Bestattete in einem Einbaum.

Rekonstruktion der Landschaft

Ein weiteres Ziel des Projektes ist eine Landschaftsrekonstruktion. Die Küstensituation sei ungewöhnlich, erklärt Jonas Enzmann. Vor 7000 Jahren gab es dort eine Lagune oder einen Ausläufer einer eiszeitlichen Rinne. Eigentlich müsste das Meeresufer nach Nordost abfallen: Tatsächlich verläuft das Gefälle im Grabungsbereich aber nach Südwest. In dieser Frage arbeitet das Projekt mit Geophysikern der Uni Kiel zusammen.

Wenige Klingen, viele Kerngeräte

Auffällig bei der Strander Steinzeitsiedlung: Die Forschungstaucher haben bei ihrer Unterwasserarbeit relativ wenige Klingen gefunden: „Obwohl die in der Zeit von 5000 vor Christus sehr häufig waren“, erklärt Jonas Enzmann. Dafür entdeckten sie viele sogenannte Kerngeräte: Kernbeile oder -bohrer.

Vielleicht war die untergegangene Siedlung ein Ort, an dem viel Holz bearbeitet wurde. Jonas Enzmann zeigt zwei Aalstechersprossen aus Holz: An Land wären sie verrottet, doch unter Wasser blieb das Material erhalten. Nun sollen die Funde helfen, mehr über die Menschen zu erfahren, die früher hier lebten.

Freitag öffentliche Führung

Öffentliche Führung: Am Freitag, 23. August, berichtet Doktorand Jonas Enzmann über erste Ergebnisse des Forschungsprojekts. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Bülker Leuchtturm.

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