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Eckernförde Nicht nur Frauen spinnen
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19:28 08.01.2017
Von Burkhard Kitzelmann
Jörg Sedl (56) aus Rostock arbeitet an einem rund 100 Jahre alten Spinnrad aus Schweden. Quelle: Burkhard Kitzelmann
Gettorf

Auch eine Handvoll Männer fand sich im evangelischen Gemeindehaus am Pastorengang ein – im Gepäck reichlich Wolle und Spinnräder der unterschiedlichsten Bauarten. „Wir haben heute etwa 70 bis 80 Leute aus ganz Norddeutschland hier“, sagte Organisatorin Benita Davidoff (65). Einen deutlich weiteren Anreiseweg als die Großkönigsförderin hatten Jörg und Birgit Sedl aus Rostock, die mit einigen Freunden vom Spinnkreis Retschow und der Handwerkerei Kessin nach Gettorf gekommen waren. Die mitgebrachte Wolle vom Pommerschen Landschaf verarbeiteten der 56 Jahre alte Maler und Grafiker und die 50 Jahre alte Vermessungsingenieurin auf zwei hübsch verzierten und besonders großen Spinnrädern. „Die sind rund 100 Jahre alt und stammen aus Schweden“, erläuterte Birgit Sedl.

 Die Handspinnerei ist nach Auskunft von Benita Davidoff stark im Kommen. „Das boomt ohne Ende“, sagte die Ruheständlerin, die zum Beispiel im Tierpark Arche Warder und im Textilmuseum Neumünster Spinnkurse anbietet. Die Wolle, die die Schafe liefern, wächst immer wieder nach. Für historische Spinnräder gilt dies zum Leidwesen von Jörg Sedl leider nicht. „Die sind mittlerweile sehr schwer zu finden.“ Spinnen hat Birgit Sedls Worten zufolge „durchaus etwas Meditatives“. Was passiert eigentlich beim Spinnen? Nach kurzem Überlegen hatte Jörg Sedl für den Zeitungsreporter eine druckreife Erklärung parat: „Es wird Wolle zu einem Faden verdreht und aufgewickelt, der dann mit einem weiteren Faden zu einem Garn verzwirnt wird.“

 Wolle ist aber nicht gleich Wolle. „Jede ist anders“, war von Frauke Wechselberg zu erfahren. Die 66-Jährige aus dem Dörfchen Neutestorf am Bungsberg hat eigene, vierbeinige Wolllieferanten – eine Herde Coburger Fuchsschafe. Diese Tiere, die einer alten, anspruchslosen und widerstandsfähigen Landschafrasse entstammen, liefern eine Wolle, die sich nach Auskunft von Frauke Wechselberg nicht nur wunderbar zum Stricken von Oberbekleidung wie zum Beispiel Pullovern eignet, sondern aus der in einer bayerischen Manufaktur auch schöne und besonders strapazierfähige Teppiche hergestellt werden.

 Nicht nur das Vorbereiten der Wolle – das Waschen, das Zupfen und das Kardieren –, das Spinnen und das spätere Stricken, Häkeln oder Weben sind Künste für sich. Auch das Färben will gelernt sein. Ines Jung verzichtet dabei gänzlich auf Chemie. Die 51-Jährige färbt ihre Wolle ausschließlich mit Naturfarbe. „Aus der Krapp-Wurzel bekomme ich Rot und aus den Blättern der Blutpflaume ein wunderschönes Grün“, erläuterte sie. Auch aus Efeuperlen, Walnüssen, Zwiebelschalen und Pilzen gewinnt die Betriebswirtin natürliche Färbemittel. Die Grundlagen ihre Wissens sammelte sie noch zu DDR-Zeiten bei einem Textilingenieur-Studium mit Schwerpunkt Färben und Drucken.

 Natürliche Rohstoffe statt Chemie, Handarbeit statt Massenproduktion: Für Birgit Sedl hat die Handspinnerei auch etwas mit Wertschätzung zu tun. Sie und ihre Mitstreiterinnen wollen mit ihrem Hobby ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft setzen. Und das ist kein Spinnkram.

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