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Eckernförde Musikalische Meditation zu Weihnachten
Lokales Eckernförde Musikalische Meditation zu Weihnachten
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17:17 22.12.2018
Von Cornelia Müller
Das Trio Soulsound (Nicole Greggersen, Julia und Bernhard Uhlenwinkel, oben von links) sowie Annalisa Biehl und Louise Hinzmann (unten von links) berühren die Seelen mit ihrer musikalischen Meditation zu Weihnachten in der St.-Jürgen-Kirche Gettorf. Quelle: Cornelia D. Mueller
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Gettorf

"Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?" Das klingt zunächst trostlos. Hunger nach Gerechtigkeit, nach Frieden, nach dem Ende von Gewalt, Terror, Hass machen die drei Musiker und zwei jungen Frauen, die Texte dazu vortragen, zum Thema des Abends.

Die Eingangsfrage, die auch Titel der Aufführung ist, bleibt so nicht im Raum stehen. Es geht um das Warten auf Christi Geburt, um das Warten auf Weihnachten als Zeichen der Hoffnung.

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Das Gefühl der Ohnmacht gegenüber Gewalt und Krieg ist Thema

Und es geht um das Gefühl der Ohnmacht, das vor allem junge Menschen beim Blick über das eigene Zuhause, über Deutschland, über Europa hinaus umtreibt.

Soulsound - das sind Kantorin Julia Uhlenwinkel am Keyboard und mit Gesang, Sängerin Nicole Greggersen und Bernhard Uhlenwinkel mit Percussion und Gitarre. Für die Aktion "Gitarren statt Gewehre" der Organisation Brot für die Welt haben sie diesen Abend erarbeitet.

Die Weihnachtsbotschaft begegnet der Aussichtslosigkeit

Die Spenden der Besucher fließen in die Arbeit im Kongo, wo zehntausende Kinder zum Dienst an der Waffe gezwungen wurden. Ihnen soll das Projekt Perspektive geben, eine Ausbildung und einen Neustart im zivilen Leben ermöglichen.

Was verloren scheint zum Guten zu wenden – dafür steht Weihnachten. Die Verknüpfung der aktuellen Realität mit der Weihnachtsbotschaft gelingt den Musikern einfühlsam und brillant.

Gleich das Intro mit Joni Mitchells "Both Sides Now" ergreift die Herzen im nur von Kerzen und Dämmerlicht ausgeleuchteten Raum. Die Farbspiele der Aquarelle, die parallel an eine der Wände projiziert werden, entfalten ihre Symbolwirkung punktgenau.

Gesprochene Worte, Gesang und Instrumentenklang fließen zusammen

Bachs Arie "Bereite dich Zion" gleitet in der eigenen Bearbeitung sanft zwischen südamerikanischen Rhythmen und Barock hin und her, deckt Ähnlichkeiten aus, lässt sie verschmelzen.

Die Texte von Susanne Niemeyer, Hellmut Gollwitzer und anderen, die Annalise Biehl und Louise Hinzmann zwischen den Stücken rezitieren, gehen unter die Haut. Besonders schön: Die Musiker flechten behutsam Klänge in den Hintergrund. Gesprochenes Wort, Gesang, Instrumentalklang fließen ineinander.

Langer Beifall und Bravorufe für einen meditativen Abend, der über nichts beschönigt und trotzdem über die Ohnmacht hinaus weist, sind verdient.

Sebastian Ernst 22.12.2018
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 22.12.2018
Reinhard Gusner 21.12.2018