Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Eckernförde Verletzter Uhu fliegt in die Freiheit
Lokales Eckernförde Verletzter Uhu fliegt in die Freiheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:08 15.08.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Zurück in die Freiheit: Gleich wird Johann Böhling den wieder aufgepäppelten Uhu im Gehege Lehmrott in Schwedeneck wieder in die Freiheit entlassen. Er hatte sich an Stacheldraht schwer verletzt und wurde in der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt aufgepäppelt.  Quelle: Kerstin v. Schmidt-Phiseldeck
Eckernförde

Der Uhu faucht in seiner großen Box, die nun, nach einem gut 70 Kilometer langen Transport, im Wald des Hegelehrreviers Grönwohld steht. Tierärztin Dr. Elvira v. Schenck vom Tierpark Eekholt kriecht weit in den Transportbehälter hinein, holt das widerstrebende Tier vorsichtig heraus.

Zunächst wird der Uhu beringt

Noch bedeckt ein blaues Handtuch den Kopf des Uhus. Und das bleibt auch erst mal so: Vor dem Flug in die Freiheit beringt Hans Dieter Martens vom Landesverband Eulenschutz das Tier erst noch. Eine Frage bleibt am Mittwoch allerdings noch ungeklärt: Handelt es sich um ein kleines Weibchen oder ein großes Männchen? Aufschluss darüber soll nun eine Feder-Untersuchung liefern.

Elektrischer Stacheldraht wurde zur Falle

Warum der Uhu ausgerechnet hier ausgesetzt wird? „Wir nehmen an, dass er hier gelebt hat“, erklärt Johann Böhling, Vorsitzender des Landesverbandes Eulenschutz in Schleswig-Holstein. Der verletzte Vogel hing Ende Februar wohl eine ganze Nacht nur drei Kilometer entfernt in einem einzelnen gespannten Stacheldraht, „der auch noch unter Strom stand“, erklärt der Eulenschützer.

Der Grundstücksbesitzer entdeckte das Tier bei der Feldarbeit, informierte gleich den Verein. In einer auf Vögel spezialisierten Praxis in Wasbek wurde der Vogel „umfangreich operiert“, sagt Johann Böhling. Der rechte Flügel des Tiers war regelrecht zerfetzt, die Flughaut kaputt. 

Aufgepäppelt in der Vogelpflegestation Eekholt

„Ein Wunder, dass er überlebt hat“, sagt Johann Böhling. Das sieht Elvira v. Schenck ähnlich. Ihr Mann Wolf v. Schenck, Geschäftsführer des Wildparks Eekholt, sagt: „Mit so einer Verletzung ist das der erste Uhu, der ausgewildert wird.“ Dafür wurde das Tier zunächst in der Vogelpflegestation des Tierparks aufgepäppelt. „Er hat sich das alles brav gefallen lassen“, erinnert sich Elvira v. Schenck: „Er hatte großes Vertrauen zu uns, ist sehr ruhig.“ 

Uhu lernte wieder fliegen

Mittlerweile hat sich seine Wunde auch ohne große Narbenbildung geschlossen. Die Flughaut ist zwar nicht mehr intakt, bietet aber immer noch genug Auftrieb. Doch der 2,5 Kilogramm schwere Uhu musste noch mal neu lernen, mit dem leicht veränderten Flügel zu fliegen. Mit Erfolg: Im Wald des Hegelehrreviers von Revierjagdmeister Christopher von Dollen entschwindet der in die Freiheit entlassene Uhu rasch in die schützende Sicherheit hoher Bäume.

Appell an Landwirte: Verzicht auf Stacheldraht

Der Uhu hat zwar bei uns zwar keine natürlichen Feinde. Doch der Mensch setzt ihm zu. Normalerweise jagt diese größte Eulenart, wissenschaftlich Bubo bubo, nämlich im Tiefflug. Drähte in Bodennähe werden ihr deshalb oft zum Verhängnis. Zudem wird der Uhu, der sich auch von toten Tieren auf der Straße ernährt, dort selbst oft zum Verkehrsopfer. Elvira v. Schenck hofft auf ein Umdenken bei den Landwirten: „Der glatte Draht mit Strom ist absolut hütesicher“, sagt sie. Und wünscht sich, dass der Stacheldraht in der Tierhaltung abgeschafft wird.

Uhu war in Schleswig-Holstein ausgerottet

Der Uhu ist die größte Eulenart und wurde im Norden Deutschlands im 19. Jahrhundert von den Menschen ausgerottet, erklärt Johann Böhling. Er ist Vorsitzender des Landesverbandes Eulenschutz in Schleswig-Holstein. Dieser wurde gegründet, um den Uhu ab 1981 wieder im Norden anzusiedeln. Das Auswilderungsprogramm lief bis 2004. Seither gilt der Uhu-Bestand als selbsttragend.

Der Dänische Wohld zwischen Kiel und Eckernförde ist mit etwa einem Dutzend Paare dicht besiedelt. Die Vielfalt der Ausgangstiere habe zu einer Population „mit hoher Widerstandskraft geführt“, so Hans Dieter Martens, früherer Vorsitzender der Eulenschützer. Uhus brüten in Horsten, die sie von Greifvögeln übernehmen, sowie in Bodenmulden. In Schleswig-Holstein leben etwa 400 bis 450 Uhu-Paare.

Vogelpflegestation für verletzte oder verwaiste Tiere

In der Vogelpflegestation des Wildparks Eekholt werden pro Jahr etwa 150 bis 250 verletzte oder verwaiste Tiere medizinisch betreut und gepflegt. Ziel ist stets, die Tiere wieder ihrem natürlichen Lebensraum zuzuführen. Etwa die Hälfte der aufgepäppelten Tiere sind Jungvögel, deren Überlebensprognose in der Regel sehr gut ist.

Die andere Hälfte sind entkräftete Alttiere oder Verletzte wie der jetzt ausgewilderte Uhu. Die Vogelpflegestation dient zudem als zentrale Auffangstation für Seeadler. Vögel, die zwar behandelbar sind, aber nicht mehr ausgewildert werden können, werden in den Kreis der Wildparktiere integriert. Dazu gehören zum Beispiel Störche, die nach einer ausgeheilten Verletzung nicht mehr flugfähig sind.

Auch durch Spenden finanziert

Finanziert wird die Einrichtung durch den Förderungsverein Wildpark Eekholt und die Heinz-Sielmann-Stiftung. Zudem tragen private Einzelspenden, Firmenspenden und Tierpatenschaften zur Finanzierung bei.

Weitere Nachrichten aus der Region Eckernförde finden Sie hier.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Sportbuzzer-User haben gewählt: Lars Mischak vom MTV Dänischenhagen aus der Verbandsliga Ost setzt sich mit 41,0% der Stimmen in der Abstimmung zum "Helden der Woche" durch. Neben dem Titel wartet auf die Gewinner außerdem eine Kiste Bier zum Teilen mit dem Team.

Christopher Hahn 15.08.2019

Alexandra und Thomas Wallentin wollen ihren Kindern ein behütetes Zuhause bieten. Das Ehepaar aus Groß Wittensee hat außer drei leiblichen auch drei Pflegekinder. Seit 2012 sind sie Pflegeeltern. Ein Alltag wie in Bullerbü. Aber es gibt auch Probleme.

Jan Torben Budde 15.08.2019

Vom konventionellen Schweinemastbetrieb zum Ökobetrieb für Menschen mit Behinderung: Der Hof Kubitzberg in Altenholz hat schon manchen Wandel erlebt. Nun steht ein großes Bauprojekt an. Doch zunächst feiert die Einrichtung am Sonntag das 30-jährige Bestehen mit einem Tag des offenen Hofes.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 15.08.2019