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Eckernförde Schreibmaschinen müssen aus Mühle raus
Lokales Eckernförde Schreibmaschinen müssen aus Mühle raus
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08:18 24.08.2019
Von Jan Torben Budde
Hat als Polizist in den 1970er Jahren auf solch einer Schreibmaschine seine Ermittlungsberichte getippt: Burckhard Kasten. Quelle: Jan Torben Budde
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Gettorf

Wer einen Blick ins historische Archiv in der Mühle werfen möchte, muss vorher steile, enge Holztreppen erklimmen. Dort liegen besagte Schmuckstücke - von denen manche Schreibmaschine in den 1930er oder 1940er Jahren hergestellt wurde - noch im Dornröschenschlaf.
„Die stammen aus Amtsstuben, von Firmen oder auch Privatleuten“, berichtet Vereinsmitglied Burckhard Kasten über deren Herkunft. Der 75-Jährige zeigt auf eine angestaubte Schreibmaschine im Regal: „Auf solch einer habe ich in den 70er Jahren Strafanzeigen und Ermittlungsberichte getippt“, denkt der Polizist im Ruhestand zurück, der in der Gettorfer Dienststelle tätig war.
Laut seinem Vereinskollegen Martin Winkelbach (67), der von 1968 bis 1971 Büromaschinenmechaniker gelernt hat, lagen die Preise damals bei etwa 600 bis 700 Mark für eine mechanische und 1200 Mark für eine elektrische Schreibmaschine. Das war eine Stange Geld. „Deshalb stand uns bei der Polizei wohl nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung“, sagt Kasten augenzwinkernd.
 

Leerstehende Container als Zwischenlager

Bevor die Sanierung der Mühle beginnt – laut Bürgermeister Hans-Ulrich Frank (CDU) ist der Startschuss für das Frühjahr 2020 vorgesehen – müssen die Geräte vom ehemaligen Aufzugsboden verschwinden. „Wir wollen damit zeitnah loslegen“, kündigt Kasten an. Einen Plan gibt es auch schon. Als Zwischenlager für die historischen Schreib-, Rechen- und Kopiermaschinen solle ein leer stehender Container an der Isarnwohld-Schule dienen. Vorher ist allerdings Muskelkraft gefragt. „Die Maschinen sind ganz schön schwer“, sagt Dammann. Um die Geräte mit möglichst wenig Kraftaufwand über die schmalen und steilen Treppen aus der Mühle zu befördern, hat die Archivgruppe eine Vorrichtung mit einem Kasten und Tampen ausgeklügelt. „Wir hoffen aber noch auf tatkräftige Unterstützung“, sagt Kasten.
Ist alles im Container verstaut, sollen Schreibmaschine & Co. gereinigt werden. „Wir wollen dann noch testen, welche Geräte wieder betriebsfähig gemacht werden können“, erklärt Winkelbach. „Wir möchte sie gern Kindern zeigen, die sie ausprobieren dürfen.“ Es solle kein Gerät entsorgt werden, versichert Kasten.

Reinhard Gusner 23.08.2019
23.08.2019
Christoph Rohde 23.08.2019