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Eckernförde Internet bedroht örtlichen Handel
Lokales Eckernförde Internet bedroht örtlichen Handel
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11:15 27.12.2018
Von Christoph Rohde
Endspurt am letzten verkaufsoffenen Sonntag vor Weihnachten. Er gab dem Einzelhandel noch einmal einen Schub. Quelle: Christoph Rohde
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Eckernförde

Das Weihnachtsgeschäft ist für viele Geschäfte der wichtigste Umsatzbringer im Jahr. Durch den Internethandel verliert es allerdings einen Teil seiner Bedeutung für die lokalen Betriebe. „Wir hoffen dann auf einen Ausgleich über den Rest des Jahres“, sagt Dirk Schreiber vom Spielzeuggeschäft Carstensen in Eckernförde. Seine Beobachtung: „Die umsatzstärksten Tage vor Weihnachten kommen immer später“. Viele Einkäufe erfolgten spontaner und weniger geplant.

Digitale Kabelumstellung als "kleine Sonderkonjunktur"

Der Elektronikfachmarkt Expert Jöhnk freute sich dieses Jahr über eine „kleine Sonderkonjunktur“ durch die digitale Kabelumstellung. „Wir haben uns gewundert, wie viele alte Röhrengeräte noch im Einsatz waren“, sagt Geschäftsführer Uwe Jöhnk. Doch auch er bekommt die Internet-Konkurrenz zu spüren. Bereinigt, ohne TV-Umstellung, gebe es durchgängig leichte Umsatzrückgänge, berichtet er aus der Branche. Jöhnk versucht mit den Stärken des stationären Handels gegenzusteuern: Dazu gehörten Beratung, Service vor Ort sowie eine eigene Werkstatt. 

Weihnachtsgeschäft geht immer später los

Schleppend war für Uwe Jacobsen vom gleichnamigen Juwelier-Geschäft der Handel vor dem Fest angelaufen. „Es geht im Dezember immer später los“, stellt er fest. Und noch etwas: Gerade bei Uhren ließen sich Kunden gerne fachlich beraten, bestellten dann aber online. „Vielen ist nicht bewusst, was sie damit beim örtlichen Handeln anrichten“, sagt Jacobsen. So richtet sich der Juwelier vor allem auf wertigen Schmuck aus. Auch der Buchhandel bekam eine wachsende Last-Minute-Mentalität zu spüren. „Erst die letzten drei bis vier Tage sind eng getaktet“, weiß Gerd Kieckbusch von der Buchhandlung Am Gänsemarkt.

Parkplatz-Situation ist zum Problem geworden

Schneller als Amazon kann der Buchhandel von einem Tag auf den anderen bestellte Bücher besorgen. Doch die müssen vor Ort abgeholt werden. Deshalb sorgt sich auch Kieckbusch um die Parkplatz-Situation in Eckernförde. „Das ist ein Riesenproblem geworden, hören wir von den Kunden“, sagt der Buchhändler. Und das in Zeiten des boomenden Internethandels. Auch Jacobsen kritisiert die Parkplatz-Problematik. „Da muss die Stadt etwas tun“, ist er überzeugt. Zudem sei die weihnachtliche Schmückung der Innenstadt ausbaufähig. „Um gegen das Internet bestehen zu können, brauchen wir Atmosphäre und ein Einkaufserlebnis.“ Spielzeug-Händler Schreiber weist ferner darauf hin, dass durch zunehmende Ferienwohnungen in Eckernförde in den schwachen Wintermonaten Kunden wegbrächen.

Christoph Rohde 26.12.2018
Tilmann Post 25.12.2018
Katharina Köhler 25.12.2018