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Eckernförde Weil die Digitalisierung lahmt: Schulleiterinnen platzt der Kragen
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Weil die Digitalisierung lahmt: Schulleiterinnen platzt der Kragen

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14:47 19.02.2021
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Mithilfe des Digitalpaktes sollen Schulen bundesweit zeitgemäß ausgestattet werden. Doch die Umsetzung läuft stockend in Altenholz.
Mithilfe des Digitalpaktes sollen Schulen bundesweit zeitgemäß ausgestattet werden. Doch die Umsetzung läuft stockend in Altenholz. Quelle: Britta Pedersen
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Altenholz

Der Konflikt beschäftigt die Gemeinde Altenholz schon länger: Anfang Dezember hatte der Finanzausschuss im Haushalt beim Digitalpakt einen Sperrvermerk empfohlen, den die Gemeindevertretung Altenholz im Januar auch beschloss. Das sorgte für Kritik seitens der Schulen.

Politik in Altenholz drängte auf Informationen zum IT-Konzept

Die Fraktionen von CDU, AWG, Grünen sowie der FDP-Vertreter verwiesen wiederum darauf, dass man ein IT-Konzept für Altenholz zur sinnvollen Einbindung und Wartung benötigt. Schließlich gehe es um Investitionen in Höhe von etwa 712.000 Euro. Davon sollen 85 Prozent als Fördermittel aus dem Digitalpakt fließen. Altenholz bleibt ein Eigenanteil von etwa 93.000 Euro.

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Mittlerweile hat die Verwaltung Altenholz der Politik ihr Konzept, das „laufend überprüft und angepasst wird“, in einer Videokonferenz vorgestellt. Um die Wartung zu erleichtern, werden die Schulen in Altenholz „relativ“ einheitlich ausgestattet. Mittlerweile soll es überall ein leistungsfähiges WLAN geben. Für alle Klassenräume sollen Beamer angeschafft werden. Die Lehrenden nutzen einheitliche Notebooks. 

Schulen in Altenholz setzen auf Digitalität

Für den IT-Support wird es klare Regeln mit Reaktionszeiten geben, erklärte der Altenholzer Systemkoordinator. Ideal wäre es, wenn jemand direkt vor Ort bei Problemen helfen kann. Die Schulen forderten die Digitalität auch ein, sagte er. 

AWG-Fraktionschef Jörgen Danielsen erklärte, er sei mit dem Konzept „sehr zufrieden“, man sei „einen großen Schritt weiter“. Einige würden sich allerdings fragen, ob in Sachen IT-Support mehr Stellen als die zwei vorhandenen erforderlich sind: „Vieles muss sich erst einspielen. Wir sollten im Gespräch bleiben.“

Kontroverse Debatte in Altenholz über Aufhebung des Sperrvermerks 

Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD) warb dafür, gleich im Schulausschuss „pragmatisch“ den Sperrvermerk aufzuheben, statt dazu auf die Gemeindevertretung zu warten, die erst am 24. März tagt: Dann könnte die Verwaltung die Ausschreibung vorantreiben.

CDU-Fraktionschef Mike Buchau entgegnete: „Ich will kein Spielverderber sein, aber dieser Ausschuss kann den Sperrvermerk nicht aufheben.“ 

Auch Jörgen Danielsen zweifelte, ob das Gremium einen Beschluss der Gemeindevertretung Altenholz kippen kann, „der deutlich über das Pädagogische hinausgeht“. Zudem gebe es noch finanzielle Fragen.

Er betonte, dass niemand das Verfahren aufhalten wolle. Auch Norbert Worth (Grüne) erklärte, der Ausschuss könne den Sperrvermerk nicht aufheben. Das sahen auch die CDU-Vertreter Mike Buchau und Jürgen Schlüter so.

Frust bei den Schulleiterinnen in Altenholz

Woraufhin sich Cornelia Hörsting, Schulleiterin des Gymnasiums Altenholz, „total frustriert“ zu Wort meldete: „Wir haben die Infrastruktur. Und jetzt vergeht vielleicht ein weiteres Jahr, bis wir die Beamer nutzen können. Das macht unsere pädagogische Arbeit so schwer!“ Sie regte eine zusätzliche Gemeindevertretung an, „damit wir wenigstens ein bisschen weiter kommen“.

Aussagen, die Schulleiterin Andrea Eick von der Claus-Rixen-Schule Altenholz voll unterstützte. Die Schulen hätten täglich das Problem, wie man die Kinder erreicht. Im Präsenzunterricht ab „Montag werden Kinder fehlen, deren Eltern Angst haben“. Sie dankte ausdrücklich dem Verwaltungsteam und appellierte an die Politik: „Denken Sie an die Schüler.“ 

Politik in Altenholz weist Blockade-Vorwurf zurück 

Jörgen Danielsen konnte den Frust der Schulen verstehen, betonte aber: „Wir sind nicht die Blockierer.“ Die Politik habe Unterlagen, die seit Oktober vorlagen, nicht bekommen. Man könne nicht hohe Investitionen ohne Informationen dazu bewilligen. „Zudem werden Online-Sitzungen nicht so vorangetrieben, wie es sich gehört“, warf er der Verwaltung vor. 

Der Altenholzer Bürgermeister wiederum erklärte, die Gemeindevertretung habe einen Sperrvermerk beschlossen, ohne zu regeln, wer ihn aufhebt. Doch auch die Ausschussvorsitzende Sina Marie Rooswinkel-Weiß (SPD) hatte Bedenken, „einen Beschluss zu fassen, der hinterher angezweifelt werden könnte“.

Einstimmig empfahl der Ausschuss daher der Gemeindevertretung Altenholz die Aufhebung und regte „möglichst schnell“ eine Sondersitzung dazu an. 

So können Sperrvermerke aufgehoben werden

Nach Angaben des Kreises Rendsburg-Eckernförde kann eine Gemeindevertretung grundsätzlich eine Sperrung von Gelde aufheben, ebenso ein Ausschuss, dem das übertragen wurden. In der Praxis werde bereits bei der Erstellung festgehalten, wer den Vermerk aufheben kann. 

Rainer Krüger 19.02.2021
Christoph Rohde 19.02.2021
Christoph Rohde 19.02.2021