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Eckernförde Amtsgericht spricht Angeklagte frei
Lokales Eckernförde Amtsgericht spricht Angeklagte frei
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15:56 19.12.2018
Von Sebastian Ernst
Das Amtsgericht Eckernförde sprach die beiden Angeklagten im Altenholzer Wucher-Prozess frei. Quelle: tilmann Post
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Eckernförde

Dem 25-Jährigen und dem 52-Jährigen wurde vorgeworfen, im Februar 2017 die Leichtgläubigkeit einer 78-Jährigen Altenholzerin ausgenutzt und ihr ein deutlich überhöhtes Angebot für die Reinigung ihrer Einfahrt und der Terrasse aufgeschwatzt zu haben. Die Angeklagten sowie zwei weitere Täter, gegen die in gesonderten Verfahren ermittelt wird, sollen außerdem in zwei anderen Fällen, unter anderem in Norderstedt, Senioren an der Haustür und ohne Auftrag unangemessene Angebote für Gartenarbeiten gemacht haben.

Nachbar rief die Polizei

Im Fall der geschädigten Altenholzerin veranschlagten die Angeklagten für die Hochdruck-Reinigung einer Fläche von 45 Quadratmetern ein Honorar von 1200 Euro. Ein Fachunternehmen berechne der Staatsanwaltschaft zufolge 56 Euro für einen solchen Auftrag, der mit einem Arbeitsaufwand von etwa einer Stunde zu bemessen sei. Ihnen sei der Bewusstseinszustand der Seniorin aus vorherigen Gesprächen bekannt gewesen, sagte die Staatsanwältin. Die 78-Jährige zahlte 1000 Euro an, weil sie nicht mehr Bargeld im Haus hatte. Während der Arbeiten rief ein Nachbar die Polizei, die die Reinigung abbrach und das Geld später beschlagnahmte.

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Die Seniorin habe auf ihn den Eindruck gemacht, altersbedingt in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt gewesen zu sein, sagte der Polizist aus, der zum Tatort gerufen worden war. "Sie wirkte aufgeregt, hat mehrfach ihr Alter nicht richtig angeben können", so der Beamte.

"Geschäftstüchtig ist geschäftstüchtig"

Weil die Beamten keine weiteren Belege für eine mögliche Demenzerkrankung der Seniorin geliefert hätten, müsse man davon ausgehen, dass sie sich aus freien Stücken für den Auftrag entschieden habe, hieß es von der Verteidigung. "Die für den Tatbestand des Wuchers notwendige Willensschwäche konnte nicht ermittelt werden", sagte einer der Verteidiger. "Geschäftstüchtig ist geschäftstüchtig. Da können Sie tun und lassen, was Sie wollen."

"Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack"

Weil die Zeugin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vernommen werden konnte und die Beweise in den anderen beiden Fällen nicht für eine Verurteilung reichte, sprach Richterin Maria Sönnichsen die Angeklagten schließlich frei."Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack", so Sönnichsen während der Urteilsverkündung. "Seniorendelikte sind immer schwer nachzuweisen. Das wissen auch die Täter."

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