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Eckernförde Zeitzeugen sprechen vor Schülern
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14:01 27.04.2018
Schilderten im Gymnasium Altenholz ihre Erlebnisse nach den Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima: Oleg Geraschenko aus der Ukraine (links) und Shun Kirishima (rechts) aus Japan mit ihren Übersetzerinnen Iryna Panchenko und Yoko Kawasaki. Quelle: Jan Torben Budde
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Altenholz

Die Schüler hingen Oleg Geraschenko aus der Ukraine und Shun Kirishima aus Japan, deren Vorträge übersetzt wurden, an den Lippen. Beide Referenten sind gerade während der Aktionswoche „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung in Deutschland zu Gast. Passend dazu hat das Altenholzer Gymnasium momentan Besuch von der Partnerschule in Kiew.

Menschen leiden unter vielen Spätfolgen

Geraschenko gab den Jugendlichen einen gut gemeinten Rat: „Glaubt nichts 100prozentig, behaltet stets Zweifel.“ Vor dem Unglück in Tschernobyl habe die Regierung beteuert, dass das Kernkraftwerk so sicher sei – es könne quasi auf dem Roten Platz stehen. „Wir haben es geglaubt“, blickte der 67-Jährige zurück, der heute einer Organisation für Opfer angehört. Kurz nach der Katastrophe war Geraschenko im Sperrgebiet im Einsatz, leitete als Major eine Einheit mit 205 Mann. Ein Viertel der Menschen sei mittlerweile gestorben. Als Folgen zählte der Rentner Herz-Kreislauf-Störungen und Magen-Darm-Erkrankungen auf. Er selbst leide unter Bluthochdruck, Diabetes und Hautkrebs.

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25 Jahre Ukraine-Austausch mit Altenholz

„Wir wollten das Thema ins Bewusstsein rücken“, erklärte Lehrer Henning Schröder, zuständig für den Ukraine-Austausch am Gymnasium Altenholz. Der Kontakt bestehe seit 25 Jahren. Die Schulen wechselten sich seit mehr als 20 Jahren mit den Besuchen ab. Die 13 Jugendlichen, die am Freitag wieder abreisen, waren eineinhalb Wochen in Gastfamilien untergebracht. Vor dem Austausch hätten sich sowohl die Altenholzer als auch die Kiewer Schüler auf das Thema vorbereitet, so der 43-Jährige. Die Jugendlichen hakten bei Eltern oder Großeltern nach.

Viktor (14) aus Kiew hatte von seiner Mutter erfahren, dass die Schulkinder damals nach Odessa in ein Sanatorium kamen. Seine Mitschülerin Olena (15) wusste von ihrer Großmutter, dass nach dem Unglück alle von der Arbeit gleich nach Hause gehen sollten. Laut Lehrer Aleksandr Gnatiuk gibt es in der Ukraine einen Gedenktag, zudem stehe in Kiew ein Tschernobyl-Museum.

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl liegt 32 Jahre zurück. Vor dem Austausch wusste sie darüber wenig, sagte Svea (14). Als sich aber das große Unglück in Fukushima ereignete, war die Achtklässlerin schon geboren – ebenso wie ihre Mitschülerin Paula (15) aus der neunten Klasse.

Als verdeckter Reporter recherchiert

Nach der Katastrophe in Japan recherchierte Journalist Shun Kirishima dort als verdeckter Reporter, um sich selbst ein Bild von den Aufräumarbeiten zu machen. Er schilderte die Zustände auf dem verstrahlten Gelände. Die Arbeiter mussten Schutzmasken tragen. Es war ein heißer Sommer, so dass die Arbeiter stark schwitzen. „Es war schwierig einzuatmen, aber niemand traute sich, die Maske abzunehmen“, so Kirishima. Er trank in den Pausen literweise Wasser, um Schadstoffe auszuschwitzen. Nach der Arbeit wurde die Strahlung am Körper gemessen. Er übernachtete dann im Auto, weil es keine Unterkünfte gab. Ein Kollege schlief vor einem Schuhschrank.

Seien nach der Katastrophe zunächst alle Atomkraftwerke abgestellt worden, liefen einige Reaktoren nun wieder, berichtete Kirishima. Die Endlager-Frage sei noch ungelöst. Vor dem Unglück habe der Atomkraftbetreiber noch erwägt, einen Schutz gegen Tsunamis zu bauen, so Kirishima. Dieser Plan sei jedoch aus Kostengründen fallen gelassen worden. Vor der Nuklearkatastrophe von Fukushima hatte ein Erdbeben die Küste Japans erschüttert, wodurch ein Tsunami erzeugt wurde.

Von Jan Torben Budde

27.04.2018
Rainer Krüger 27.04.2018
Rainer Krüger 27.04.2018