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Eckernförde Sie lassen ihren Beruf nicht untergehen
Lokales Eckernförde Sie lassen ihren Beruf nicht untergehen
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07:01 28.03.2018
Von Tilmann Post
Die einzigen Berufsfischer in Strande: Randy Repenning (25, links) und Mike Hamann (22). Quelle: tilmann Post
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Strande

Vor gut einem Jahr hat sich der 22-Jährige nach der Ausbildung zum Fischwirt selbstständig gemacht und den Zehn-Meter-Kutter „Milan II“ gekauft. Damit sind Mike Hamann und sein Kollege Randy Repenning (25) die einzigen Berufsfischer in Strande. Die zwei jungen Kerle lassen eine seit Jahrzehnten tot geglaubte Tradition wieder aufleben.

Fast nur noch Nebenerwerbsfischer in Strande

Während der Strander Hafen vor 50 Jahren noch voller Kutter lag und das Dorf weitgehend von dem lebte, was die Männer aus dem Meer holten, gibt es dort heute nicht einmal ein Dutzend Fischer mehr. Wenn überhaupt, fährt ein Handvoll davon noch regelmäßig hinaus – und das lediglich im Nebenerwerb.

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Junge Berufskollegen sind die Ausnahme

Sinkende Fangmengen, staatliche Vorgaben und starke Konkurrenz aus dem Ausland haben den Spielraum eng gemacht, nicht nur in Strande. „Von hier bis Flensburg gibt es vielleicht noch 20 Berufsfischer“, schätzt Randy Repenning. Mike Hamann ergänzt: „Von denen kenne ich keinen, der jünger ist.“

Seit Kindesbeinen auf Fangfahrt

Trotz der Widrigkeiten wollte Hamann immer in die Fußstapfen seines Vaters treten, mit dem er seit Kindesbeinen auf Fang gegangen ist. „Als Fünfjähriger wusste ich schon, dass ich Fischer werde“, sagt der Strander. Er ist sich sicher, dass dieser Wunsch von Generation zu Generation weitergegeben wird, „Quereinsteiger sind die Ausnahme“. Etwa in einem Büro zu arbeiten, könne er sich gar nicht vorstellen.

15-Stunden-Arbeitstag

„Auf dem Kutter bin ich mein eigener Chef. Ich kann selbst entscheiden, ob ich hinausfahre und zu welcher Zeit. Nur der Feierabend ist nicht sicher“, so Mike Hamann. So ein Arbeitstag könne schon einmal 15 Stunden dauern. Doch den Abwechslungsreichtum will er nicht missen. „Sonnenaufgänge wie wir sieht sonst keiner“, sagt Randy Repenning, der seinen Elf-Meter-Kutter „Strande II“ seit 2015 hat.

Dorschquote stark gekürzt

Die Fischer bestätigen aber auch, dass es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden ist. Vor allem wegen der Fangquoten, die weiter gekürzt wurden. Für 2017 beim Dorsch um 56 Prozent. Dabei handelt es sich um den Brotfisch der beiden, wegen dem sich die Schleppnetzfischerei überhaupt noch lohne.

Keine Ausgleichszahlungen

Deshalb ist das Verständnis für immer neue Reglementierungen gering. Mike Hamann etwa erhält im Gegensatz zu anderen Berufsfischern keine Ausgleichszahlungen für die Fangquote. Der Grund: Sein Kutter war drei Jahre lang nicht im Fischfang eingesetzt, bevor er ihn gekauft hat. Diese Regel sei aber erst nach dem Erwerb eingeführt worden. Auch an Fördergelder sei nicht zu denken gewesen, „keiner von uns hat Neufahrzeuge angeschafft“, erzählt Randy Repenning.

Hoffnung auf bessere Zeiten nach der Durststrecke

Hamanns Bilanz nach etwas mehr als einem Jahr im Haupterwerb: „Bis jetzt läuft es gut. Solange man seine Rechnungen bezahlen kann und es zum Leben reicht, kann man zufrieden sein“, sagt er. Entmutigen lassen wollen sich beide nicht. „Mit der Fangquote gibt es jetzt eine Durststrecke, aber es kommen auch wieder bessere Zeiten“, so die Fischer.

Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 27.03.2018
Kerstin von Schmidt-Phiseldeck 27.03.2018
Tilmann Post 27.03.2018