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Neumünster "Paula" ist auch ein politisches Buch
Lokales Neumünster "Paula" ist auch ein politisches Buch
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14:15 21.03.2018
Von Sabine Nitschke
Der Fallada-Preis und die Blumen sind überreicht: strahlende Gesichter bei Sandra Hoffmann (rechts) und Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger. Quelle: Sabine Nitschke
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Neumünster

"Man muss sein Herz an etwas hängen, was sich lohnt", hatte in seiner Begrüßung Kulturstadtrat Carsten Hillgruber den Schriftsteller Hans Fallada alias Rudolf Ditzen zitiert, dessen Leben Ende der 1920 Jahre in Neumünster nach einem Gefängnisaufenthalt eine Wende nahm. "Man muss Bücher schreiben, weil man sie schreiben muss", ergänzte die Preisträgerin mit einem weiteren Zitat. "Fiktives Schreiben hat viel mit der Wahrheit zu tun, mit dem Herzen. Manchmal weiß ich selbst nicht, welche Intention mein Herz bewegt - mein schreibendes Ich schon", gestand sie dem Auditorium.

Der Preis war Hoffmann für die Familien biografische Erzählung "Paula" zuerkannt worden: Das konsequente Schweigen der Großmutter über den Vater der während des 2. Weltkriegs gezeugten Tochter belastet ganze Familiengenerationen. Den "Text von schmerzhafter Intensität" (so die Jury in ihrer Begründung) wertete Laudatorin Julia Schröder, Literaturwissenschaftlerin und Journalistin aus Stuttgart, als sprachlich fundierte Erinnerungsprosa. "Er kratzt den Schorf von bis heute nicht verheilten Wunden." Während Falladas naturalistischer Stil eher geprägt sei von "gröblichen Dialogen" und er das "Unheil, das sich gerade vollzieht" erzähle, sei Hoffmann eine Meisterin der Einnerungsvariationen und der zarten Andeutung. Auch Hoffmann habe ein großes Bild der Zeit vermittelt: "Womit wir wieder bei Fallada wären."

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Eine andere Seite der Autorin Hoffmann hatte zuvor Katharina Büll vom statt-Theater Neumünsters ins Licht gerückt mit ihrer Lesung aus "schwimmen gegen blond: erzählung in 52 tagen". Musikalisch begleitete auf Wunsch der Preisträgerin der Pianist Stefan Danhof durch den Abend, der ausdrucksstark ausgewählte Stücke aus Werken von Erik Satie interpretierte.

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