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Neumünster Behinderte Pauline ist voll integriert
Lokales Neumünster Behinderte Pauline ist voll integriert
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16:19 28.07.2014
Von Gunda Meyer
Gelebte Inklusion: Lisa-Marie Hagenmüller (20, von links), Nicole Stepien (18), Florian Heeschen (21), Pauline Büker (22), Franziska Heeschen (18) und Victoria Schütt (16) von der Stadtgarde Neumünster. Quelle: gme
Neumünster

Soweit ihr Handicap es erlaubt, tanzt sie alle Figuren, die die aktive Jugend tanzt, mit. Für diese gelebte Inklusion ist die Gruppe für den Bürgerpreis in der Kategorie „U 21“ nominiert

Die 22-Jährige tanzt für ihr Leben gern. Auf der Holstenköste hat sie die Stadtgarde-Jugend tanzen sehen, und für sie war sofort klar: Da will ich mitmachen. Die Trainerin und die Gardetänzer waren zunächst ziemlich skeptisch. „Wir wussten nicht, wie wir mit ihr umgehen sollen, was wir ihr zumuten können und was nicht“, beschreibt Tänzer Florian Heeschen das Gefühl, das bei Paulines Probetraining aufkam.

 Das war 2010. Heute, vier Jahre später, ist Pauline nicht mehr aus der Karnevalisten-Gruppe wegzudenken. „Wir haben die Tänze und Choreographien so umgestellt, dass Pauline problemlos mittanzen kann“, berichtet Heeschen. Und die junge Frau ist mit Feuereifer dabei.

 Koordination, Gleichgewicht, Kraft und Akrobatik sind die Elemente des Karneval-Tanzes, der hauptsächlich aus Marsch- und Hebeelementen besteht. „Das ist Hochleistung“, erläutert Paulines Mutter Christina Büker. Wenn Tanzelemente wie Spagat oder komplizierte Hebefiguren kommen, die selbst für so manchen nicht Gehandicapten unvorstellbar sind, tanzt Pauline einfach ihren Part, der zum Gesamttanzbild passt.

 Mit behinderten Menschen hatte die Jugendgruppe vorher keine Berührungspunkte. Einfach fragen, lautet die Devise. Zu Beginn waren die Tänzer noch zögerlich, jetzt wird sie behandelt wie jedes andere Gruppenmitglied. „Wir lernen von einander“, sagt Heeschen. Pauline selbst lässt mehr Nähe zu, seitdem sie in der Stadtgarde tanzt. „Vorher durfte sie niemand anfassen, heute wird sie von den anderen geschminkt und frisiert“, so Mutter Christina.

 Die Karnevalskostüme gefallen ihr sehr. „Neue Kleider, die wir dringend benötigen, würden wir von dem Geld kaufen, falls wir den Bürgerpreis bekommen“, so Leiterin Nicole Stepien. In der Kategorie „U 21“ gibt es drei weitere Nominierungen. Unter dem Motto „Vielfalt fördern, Gemeinschaft leben“ sind insgesamt neun Personen und Projekte nominiert. Verliehen wird der Preis vom schleswig-holsteinischen Landessozialausschuss und den Sparkassen am 5. November.