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Neumünster „Wir hatten das Flüstern satt“
Lokales Neumünster „Wir hatten das Flüstern satt“
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11:52 31.07.2019
Von Thorsten Geil
Johannes war zwölf Wochen alt, als seine Eltern Susanne und Frank Reding mit ihm 2000 Kilometer im Trabi bis nach Ungarn fuhren und über die Grenze nach Österreich "rübermachten". Quelle: Thorsten Geil
Neumünster

Frank Mesik und seine hochschwangere Frau Ira aus Wismar hatten sich mit ihren beiden Kindern in die Botschaft der Bundesrepublik in Warschau geflüchtet. Dort wurde Ira von ihrer Tochter Charlott entbunden, einem Siebenmonatskind. Als alle 640 DDR-Bürger in der Botschaft ausreisen durften, war Charlott noch zu schwach.

Erst als der Bonner Staatssekretär Jürgen Sudhoff ihnen persönlich riet, ohne das Kind zu fahren, ließen sich die Eltern überzeugen. Nach wenigen Tagen konnten sie ihre Tochter in Neumünster in die Arme schließen.

„Mein Bruder ist Soldat, er fährt den Panzerwagen.“

Als Tina Berger (6) aus der Schule kam und ihr neu gelerntes Lied vorsang, entschieden ihre Eltern Heidi und Karl-Heinz Berger: „Wir hauen ab, so sollen unsere Kinder nicht aufwachsen.“ Das Lied ging so: „Mein Bruder ist Soldat, er fährt den Panzerwagen.“

Die vierköpfige Familie wartete bis zu den Schulferien und verabschiedete sich in den Urlaub nach Ungarn. Verabschieden konnten sie sich nicht, weil sie hätten verraten werden können: „Wir hatten es satt, in der Wohnung flüstern zu müssen, weil die Wände so dünn waren und unter uns ein Spitzel von der Stasi wohnte.“

Der Zöllner wünschte nur "Gute Fahrt!"

Bettina und Rudi Seebahn aus Rostock trennten zu Hause die dicken Seiten eines Kinderbuches ihrer Tochter ("Der Zirkus kommt") auf und versteckten darin ihre Diplome, Zeugnisse und 120 D-Mark. Wären sie damit an der Grenze erwischt worden, wären sie aufgeflogen. Der Zöllner wünschte nur "Gute Fahrt!"

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