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Neumünster Gedenken an verfolgte Arbeiter
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07:15 03.02.2020
Von Beate König
An den 1945 im Konzentrationslager Neuengamme getöteten Neumünsteraner Konrad Matzke erinnert ein Stolperstein am Großflecken. Quelle: Beate König
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Neumünster

Die im Neuen Rathaus Neumünster gezeigte Ausstellung ...gerade Dich, Arbeiter, wollen wir.“ wurde vor zehn Jahren von der gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung erarbeitet. Stadtführerin Heide Winkler bot zur Ausstellung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und des Runden Tischs für Toleranz und Demokratie eine Stolperstein-Führung an.

33 Stolpersteine

Der DGB und der Runde Tisch für Toleranz und Demokratie organisieren seit sieben Jahren Stolperstein-Führungen, um an unterschiedliche Opfergruppen der Nationalsozialisten zu erinnern, berichtete Christof Ostheimer vom DGB. Führungen gab es bereits zu den Gedenksteinen für Widerstandskämpfer, Homosexuelle, Euthanasieopfer und sogenannte Berufskriminelle. Neun Steine, die an von den Nationalsozialisten verfolgte Arbeiter, Gewerkschafter, Aktivisten aus der Arbeiterbewegung erinnern, waren in diesem Jahr das Ziel.

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Schreckensherrschaft

Sie gehören zu 33 im Pflaster der Stadt eingebaute Messingquader, die mit Lebensdaten und Namen an Neumünsteraner gedenken, die aus weltanschaulichen, religiösen, rassistischen oder politischen Gründen ermordet wurden, Willkür, Unverhältnismäßigkeit von Strafen, Greueltaten - beim Stein für Ludwig Tamm, der am 23. September 1941 im Konzentrationslager Sachsenhausen starb, wurde das Ausmaß der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft klar. Der Sozialdemokrat wurde wegen Verstoß gegen das Heimtückegesetz angeklagt.

Politische Witze

Er hatte politische Witze erzählt, berichtete Stadtführerin Heide Winkler der 20-köpfigen Teilnehmergruppe. Sie gab wieder, wie ein Enkel die letzten Minuten seines Großvaters in der Familie erlebte: „Die Polizei holte ihn ab, als wir beim Sonntagskaffee saßen.“ Der Großvater habe noch auf Plattdeutsch gesagt, wenn es nur einmal über die Straße ins Revier im Haart gehe, ließe er seine Pantoffeln an. Dass sein Weg aus der Wohnung direkt ins Konzentrationslager führte, ahnte niemand.

Lebensgeschichten von Walter Zahlmann, Christian Muschkogel, Rudolf Timm, Ernst Stichert, Rudolf Henning, Walter Hohnsbehn, Max Richter und Konrad Matzke machten die Teilnehmer betroffen.

Künstler Gunter Demnig

„Die Recherche ist mühsam,“ berichtete Heide Winkler. Sie forscht seit Jahrzehnten in den Archiven der Stadt und des Landes. Nach neueren Erkenntnissen sind einige Angaben auf den Stolpersteinen ungenau, ein Stein wurde vor einem falschen Haus verlegt. „Die Hausnummern wurde nach 1945 verändert.“

Die Stolpersteine setzte 2005, 2006, 2007, 2008, zuletzt 2014 Künstler Gunter Demnig in Neumünster. Er begann das Erinnerungsprojekt, bei dem stellvertretend aller Opfer der Nazi-Herrschaft gedacht werden soll, 1996 anfangs ohne Genehmigung in Berlin-Kreuzberg.

75.000 Stolpersteine

Die schlichten Gedenkorte mitten in der Stadt machten Furore. 2019 wurden in Deutschland, Europa und Übersee 75000 Stolpersteine gezählt.

Klicken Sie hier, um Bilder zu sehen, die die neuen Stolpersteine und ihre Verlegung in Neumünster zeigen.

Mehr Infos

Begleitprogramm zur Ausstellung „...gerade Dich, Arbeiter, meinen wir.“: Montag, 5. Februar, 19 Uhr Film „Nackt unter Wölfen“, KDW, Waschpohl 20, Eintritt 5 Euro (für Mittellose frei); Mittwoch, 5. Februar, 19 Uhr: „Eine Frage der Ehre – Widerstand gegen den Nationalsozialismus“, Alexandra Mallon, Hans Pries und Siegbert Schwab lesen Texte aus und über den antifaschistischen Arbeiterwiderstand; Sonntag, 9. Februar, 14.30 Uhr, „Arbeiter im Widerstand“ Stolpersteineführung mit Heide Winkler, Treffpunkt: Eingang Neues Rathaus Neumünster, Großflecken 63; Montag, 10. Februar, 19 Uhr, Film „Stärker als die Nacht“, KDW, Waschpohl 20, Eintritt 5 Euro (für Mittellose frei), Mittwoch, 12. Februar, 19 Uhr „Gewerkschaften gegen rechts – aktuelle Herausforderungen“, Vortrag von Prof. Bettina Kohlrausch, Gewerkschaftshaus Neumünster, Carlstraße 7.

Klicken Sie hier, um weitere Nachrichten aus Neumünster zu lesen.

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