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Neumünster So lief die Demonstration gegen das Tattoo-Studio
Lokales Neumünster So lief die Demonstration gegen das Tattoo-Studio
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14:39 20.10.2019
Von Beate König
150 Menschen, viele aus der Politik, nahmen an der friedlichen Demonstration auf dem Gänsemarkt teil. Quelle: Beate König
Neumünster

Die Antifaschistische Aktion Neumünster, das Bündnis gegen Rechts, die Ökumenische Arbeitsstelle Altholstein, die Gewerkschaft Ver.di, der Verein für Toleranz und Zivilcourage, dazu als Sympathisanten der Runde Tisch für Toleranz und Zivilcourage und die türkische Gemeinde hatten mit anderen zur Kundgebung „Kein Fame für Famous – schöner Leben ohne Naziläden“ vor der Holstengalerie aufgerufen. 150 Teilnehmer, viele aus der Politik, erklärten sich bei der friedlichen Demonstration auf dem Gänsemarkt solidarisch. Rund 20 Polizisten waren an beiden Eingängen des Einkaufszentrums im Einsatz.

Jonny Griese, Sprecher der gleichnamigen Kampagne „Kein Fame für Famous – schöner Leben ohne Naziläden“ kündigte den nächsten Schritt an: „Wir werden uns an die Otto-Group wenden,“ erklärte Jonny Griese. Das Einkaufszentrum sei von der Gruppe ECE gebaut worden, die zur Otto Familie gehöre.

Die Mitglieder der Kampagne ordnen den Tätowierladen „Famous“ der rechten Szene zu

Die Mitglieder der Kampagne ordnen den Tätowierladen der rechten Szene zu und sehen eine Verflechtung mit der verbotenen Neumünsteraner Rocker-Gruppe „Bandidos“. Vertreter der Kampagne hätten direkt mit den Ladenbesitzern über die vermutete Verbindung zu rechten Szene gesprochen. „Die Argumente haben uns nicht überzeugt“, sagt Jonny Griese. Er sah Parallelen  in der Argumentationsstrategie zu denen des vor verbotenen Club 88 in Gadeland. Dort hatten die Inhaber über Jahre eine Verbindung zur rechten Szene abgestritten.

Das 2016 in der Holstenstraße eröffnete Tätowierstudio war im Juni 2019 ins Einkaufszentrum umgezogen. Der Umzug wurde von Protesten aus dem politisch linken Spektrum begleitet. Pächter von Anrainerläden aus der Holstenstraße hatten berichtet, dass sie von Männern aus dem Umfeld der Studios bedroht worden seien. „Ein Ladenpächter erstattete damals Anzeige,“ berichtete Jonny Griese.

Klicken Sie hier, um weitere Bilder von der Demo gegen Rechts in Neumünster am 19.10.2019 zu sehen.

Die Kampagne überreichte Stadtrat Carsten Hillgruber ein Braunbuch

„Wir bestreiten nicht, dass nicht alle Mitarbeiter im Laden Nazis oder Rocker sind“, erklärte ein weiterer Sprecher der Kampagne. Aus seiner Sicht werde von der Stadt jedoch das Vohandensein einer rechten Szene verneint. „Es wird nicht kritisch hinterfragt.“ In der vergangenen Woche überreichte die Kampagnenvertreter Stadtrat Carsten Hillgruber ein „Braunbuch“, in dem Infos aus sozialen Medien über Vernetzungen von Studio-Mitarbeitern zur Rocker- und zur rechten Szene zusammengetragen wurden.

"Wir waren noch nie Rechts"

Matthias Stutz, Geschäftsführer des Famous-Tatoostudios, hatte sein Geschäft am Sonnabend zum Open House geöffnet. Zu Disco-Licht  und  -Musik trafen sich dort, am zweiten Eingang zum Einkaufszentrums, nach Stutz Angaben 100 Unterstützer. „Wir haben keinen mobilisiert.“

Der 38-Jährige erklärt: „Wir waren noch nie Rechts, das Geschäft ist in keiner Form Rechts, wir sind nicht mit einem Rockerclub verbunden“, sagt der 38-Jährige. Er vermutet ein konkurrierendes Tattoostudio als Anstifter für die aus seiner Sicht geschäftsschädigende Kampagne.

Über Peter Borchert, ehemaliger NPD-Vorsitzende, sagt Matthias Stutz: „Peter Borchert ist ein persönlicher Freund von mir. Wir haben ihm vor acht Monaten die tätowierten Hakenkreuze überdeckt.“ Studiobesitzer Christian Franz habe nie etwas mit der rechten Szene zu tun gehabt, sagt Matthias Stutz und verweist auf dessen polizeiliches Führungszeugnis. In die Holstengalerie sei das Geschäft umgezogen, weil von dort ein gutes Angebot gekommen sei.

Mailin Huljus (28), seit drei Jahren Centermanagerin der Holstengalerie, die vom Marktführer für innerstädtische Einkaufszentrum ECE 2015 gebaut wurde, hatte schon Tage vor der Kundgebung erklärt, dass Angaben der Kampagne überprüft werden. Sie sprach am Sonnabend nicht.

Bei einem Unfall auf der B205 in Neumünster sind am Sonnabend sechs Menschen schwer verletzt worden. Eine 82-Jährige schwebt in Lebensgefahr. Die Straße war in beide Richtungen voll gesperrt, ist aber mittlerweile wieder frei. Die Polizei hat am Abend Details zum Unfallhergang veröffentlicht.

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