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Neumünster Karstadt muss doch nicht schließen
Lokales Neumünster Karstadt muss doch nicht schließen
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17:09 04.12.2015
Von Anja Rüstmann
Karstadt am Großflecken in Neumünster wird nun doch nicht geschlossen. Quelle: Anja Rüstmann
Neumünster

 

Fanderl hatte zur Pressekonferenz gleich ein paar aktuelle Karstadt-Prospekte mitgebracht und rührte die Werbetrommel. Mit süddeutschem Einschlag in der Stimme erzählte er, dass die örtliche Betriebsratsvorsitzende Barbara May ihm noch zugeraunt hatte, „im Norden freut man sich eher still“. Stimmte nicht. Emotionen brandeten auf, es gab Freudenschreie, Tränen flossen, die Mitarbeiter lagen sich in den Armen.

„Ich könnte Platzen vor Freude!“, sagte auch Barbara May noch drei Stunden nach der Verkündung. Oberbürgermeister Olaf Tauras nannte es „einen großen und wichtigen Tag für die Stadt“ und stellte sich zusammen mit dem Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Andreas Fohrmann und Fanderl zum „Shake-Hands“ direkt unter den Sparkassen-Slogan „Gut für Neumünster“.

Zum Kaufpreis sagte Fohrmann gar nichts, nur dass es „für uns wirtschaftlich attraktiv“ ist. „Wir werden das gesamte Areal neu entwickeln und damit gleichzeitig die Wirtschaftskraft in der Region stärken“, erklärte er. Und damit meinte er, dass das Karstadt-Haus abgerissen und ein Neubau errichtet wird. Nicht sofort, „mehrere Jahre werden es sein“, sagt er. Der Mietvertrag mit Karstadt läuft zunächst über fünf Jahre. Der neue Gebäudekomplex soll dann von der Sparkasse selbst genutzt werden. „Attraktive Wohnungen“ sind auch geplant, und Einzelhandelsflächen, „die wir Karstadt anbieten werden“, so Fohrmann.

Städtebaulich ist es eine der exponiertesten Flächen in Neumünster, erste Überlegungen laufen, wie die Lage noch besser genutzt werden kann. Zum Beispiel mit Außengastronomie. Der neue Mietvertrag dürfte für das Warenhaus bessere Konditionen beinhalten, Fanderl warf aber auch einen realistischen Blick auf die Holsten-Galerie, die gar keine so große Konkurrenz ist wie beschworen. „Das Center ist auf junge und trendige Kundschaft aus“, sagte er. „Wir wissen sehr gut, wo unsere Stärken sind“, Karstadt habe ein anderes Warenangebot. Übrigens sehe man manchmal blaue Karstadt-Tüten in den Händen der Galerie-Kunden.

Das Karstadt-Sanierungsprogramm wird jetzt auch am Großflecken ausgerollt. Und im kommenden Jahr wird der 135. Geburtstag von Karstadt gefeiert. Auch in Neumünster.

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Um Karstadt muss es wirklich schlecht stehen. Die Ankündigung, Mitte 2016 die Filiale in Neumünster zu schließen, passt vor Ort derzeit so gar nicht ins Bild. Nur 100 Meter entfernt von dem Kaufhaus entsteht gerade die Holsten-Galerie. ECE investiert dort rund 140 Millionen Euro. Das Center mit 90 Geschäften soll vor allem neues Publikum in die kreisfreie Innenstadt locken. Den Karstadt-Machern fehlt wohl die Fantasie, dass ihre Filiale von dem potenten Nachbar profitieren könnte, oder es herrscht sogar nackte Angst vor drohender Konkurrenz.

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