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Neumünster Trinkwasser noch bis Freitag abkochen
Lokales Neumünster Trinkwasser noch bis Freitag abkochen
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21:41 04.08.2016
Von Sven Detlefsen
 Empfehlung der Stadtwerke Neumünster: Wer Wasser aus der Leitung trinken möchte, sollte es abkochen. Quelle: Jochen Eckel/dpa
Neumünster

Reinigen, Spülen, Proben ziehen: Nach diesem Muster suchen die Stadtwerke Neumünster (SWN) derzeit nach der Quelle für eine „leicht erhöhte Konzentration mit coliformen Keimen“ im Trinkwassernetz. Am Mittwoch um 15.15 Uhr wurden größere Einrichtungen wie das Friedrich-Ebert-Krankenhaus informiert. Ab 16 Uhr stand die Info auf den Internetseiten von Stadt und SWN. Verbrauchern wird geraten, das Trinkwasser mindestens noch bis zum heutigen Freitag abzukochen.

Auf den Bereich des Wasserwerks am Brüningsweg und die Stadtmitte hatten die Fachleute den Verursacher im Wassernetz am Donnerstagmittag eingegrenzt, berichtet Nikolaus Schmidt, SWN-Pressesprecher. Die Keimkonzentration sei sehr gering: „Eine akute Gesundheitsgefährdung besteht nicht.“ Vor allem immungeschwächte Menschen sollten das Leitungswasser für Getränke und Eiswürfel, zum Spülen von Geschirr, Abwaschen von Rohkost, Zähneputzen oder medizinische Zwecke „sprudelnd“ abkochen. Das sei allerdings nur eine vorsorgliche „Empfehlung“ und kein verbindliches Gebot oder Anordnung, so Schmidt.

Das Leitungswasser im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) ist nach Untersuchungen nicht mit Keimen belastet: „Wir tun aber so, als ob welche da wären“, erklärt Gerd Achtenberg von der Geschäftsführung der Klinik. Schließlich sei ein großer Teil der aktuell 600 Patienten immungeschwächt und damit besonders gefährdet. Vier Lkw mit 14000 Litern Mineralwasser in Flaschen hat sich das FEK noch am Mittwoch liefern lassen. „Vorsorgend für die Patienten“ hat die Klinik einen Krisenstab gebildet, der die Ergebnisse der laufenden Wasseruntersuchungen bewertet. Frische Salate und Obst, die mit Leitungswasser gereinigt werden, sind vom Speiseplan gestrichen. Alle Pflegekräfte und Patienten sind informiert.

„Das ist doch Panikmache, in jedem Speiseeis sind doch mehr Keime. Ich benutze das Wasser weiter“, meint ein Anwohner aus Padenstedt-Kamp, der nicht namentlich genannt werden will. So dürften es viele Neumünsteraner halten. In den sozialen Netzwerken im Internet wird allerdings lebhaft diskutiert. Der Versorger kassiere doppelt, einmal für das Wasser und für die Energie zum Abkochen, meinten einige User. Wie Birgit Lohse, die in ihrem Büro in der Innenstadt auch das Wasser für den Kaffee erhitzte, waren viele Menschen vorsichtig. Die Kaffeemaschine koche das Wasser ja nicht sprudelnd und damit keimtötend ab, erklärte die Sekretärin.

Zur Panik soll es jedenfalls keinen Anlass geben: „Wir haben keinen expliziten Krankheitserreger nachgewiesen“, erklärte Georg Pauls, beim städtischen Gesundheitsamt fürs Trinkwasser zuständig. Der coliforme Keim, der bei einer Routinekontrolle gefunden wurde, sei ein „Indikatorkeim“, wie er in der Umwelt vielfach vorkomme. Im Trinkwasser habe er jedoch nichts verloren. Für maximale Sicherheit setze aber auch so ein Keim den „Automatismus“ mit Untersuchungen und Warnungen in Gang. Wann Gesundheitsamt und Stadtwerke Entwarnung geben können, ist ungewiss. Es kämen laufend neue Ergebnisse von Untersuchungen herein, so Pauls. Die mikrobielle Analyse der Proben am UKSH in Kiel liefert ein vorläufiges Ergebnis nach zirka 36 Stunden, die endgültige Analyse der mit den Proben angelegten Keimkulturen kann bis zu vier Tage dauern.

Wenn Lukas Borgert im Wasserwerk der SWN eine der vielen Proben zieht, kann der Betriebstechniker nicht wissen, ob die Ursache für die Keime nicht schon beseitigt ist. In der Anlage am Brüningsweg haben Wassermeister Alexander Diertens und sein Team außer der Reihe bereits Teile und eine verdächtige Leitung ausgetauscht. Unter anderem wurden Luftfilter auf den zwei jeweils fünf Millionen Liter fassenden Wasserbehältern gewechselt.

Vier Kolonnen des Rohrnetzbetriebs der SWN waren am Donnerstag in der Innenstadt rund um die Färberstraße, wo es eine positive Probe gegeben hatte, im Einsatz. Dort wurden Leitungen gespült. Mit rund 10000 Litern in einer halben Stunden floss das Wasser in hohem Druck aus Hydranten auf die Straßen.

In Stunden lässt es sich gar nicht ausrechnen, wie viel die Neumünsteraner in den vergangenen Monaten investiert haben, um Fairtrade-Town zu werden. Schließlich ist das herausgekommen, was alle Beteiligten wollten: Am Freitag, 16. September, bekommt die Stadt Neumünster die Urkunde überreicht.

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