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Neumünster Mo Asumang las in der Vicelinkirche
Lokales Neumünster Mo Asumang las in der Vicelinkirche
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13:57 08.03.2020
Von Susanne Wittorf
Lesung in der Vicelinkirche. Die TV-Moderatorin, Filmemacherin und Buchautorin Mo Asumang liest aus ihrem Buch "Mo und die Arier" und berichtet von ihren Erfahrungen mit Rassisten und Neonazis. Quelle: Susanne Wittorf
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Neumünster

In ihrem 2016 veröffentlichten Buch „Mo und die Arier. Allein unter Rassisten und Neonazis“ beschreibt die 56-jährige Afrodeutsche wie sich Rassismus am eigenen Leib anfühlt. Den Anstoß für ihren autobiografischen Bericht gab eine Morddrohung der Neo-Naziband „White Aryan Rebels“, die in einem Lied sang: „Die Kugel ist für Dich, Mo Asumang“. Die Morddrohung habe sie in ein tiefes Loch der Angst geworfen, erzählte die Berlinerin am Sonnabendnachmittag in der Vicelinkirche. „Ich bin die Angst einfach nicht mehr losgeworden. Bei jedem Geräusch im Treppenhaus vermutete ich Mitglieder oder Fans der Band vor meiner Wohnungstür.“

Treffen mit Rassisten, Neonazis und Pegida-Anhängern

Anstatt sich dem lähmenden Gefühl hinzugeben, wurde Mo Asumang aktiv. Sie zog los und traf weltweit Rassisten, Neonazis, Pegida-Mitläufer und Angehörige des Ku-Klux-Klan, um mit ihnen zu sprechen. Von diesen Begegnungen erzählt ihr Buch. „Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht und einfache Fragen nach dem Warum ihrer rigiden Einstellung können Menschen zum Nachdenken bringen“, so ihre Erfahrung. „Rassisten gibt es in allen Teilen der Gesellschaft. Was passiert, wenn wir nicht mit ihnen reden? Die Leute verharren in ihrer Hassblase. Menschen, die in ihren Nazigedankengebäuden gefangen sind, brauchen uns!“, appellierte Mo Asumang an die 80 Besucher.

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Gespräche gegen Hass, Gewalt und Unverständnis

Ihr Ziel sei es, den Kreislauf aus Hass, Gewalt und Unverständnis mit Gesprächen zu unterbrechen. Und genau dieser Anspruch geriet am Sonnabend kurz ins Wanken, als sich ein Besucher zu Wort meldete und auf Gräueltaten im Namen der Kirche hinwies. „Wir müssen unsere Kinder darüber aufklären“, forderte er. „Dann tun Sie das doch“, erwiderte Asumang unwirsch, um zum Thema zurückzukommen.
In einer Großstadt wie Berlin sei es vielleicht möglich, Neonazis nach ihrer rassistischen Motivation zu befragen, in einer Kleinstadt wie Neumünster laufe man diesen Menschen ständig über den Weg. Davor habe sie Angst, wandte eine junge Besucherin ein. Diese Anmerkung blieb unkommentiert im Raum stehen.

Wenig Raum für Auseinandersetzung

Der Veranstaltung fehlte es an einem Moderator, der auf derlei Einwände vorbereitet war und sie parieren konnte. Den beiden Oberstufenschülern der Gemeinschaftsschule Faldera, wo Mo Asumang am Freitag einen Vortrag gehalten hatte, war lediglich die Anmoderation zugeteilt worden. Das war schade und ließ der wichtigen Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus nicht den Raum, der ihr gebührt.

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