Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Neumünster Mann gesteht Messerangriff in Neumünster
Lokales Neumünster Mann gesteht Messerangriff in Neumünster
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:16 01.04.2019
Der 59-Jährige soll am 25.04.2018 betrunken auf einem Supermarkt-Parkplatz in Neumünster mit einem Messer auf ihren Hals und Oberkörper eingestochen haben. Quelle: Angelika Warmuth/dpa
Anzeige
Kiel/Neumünster

Er kann nicht vom Alkohol lassen, sie seine Sucht nicht länger tolerieren. Doch als die 57-Jährige sich endgültig von ihrem damaligen Lebensgefährten trennt und ihm gerichtlich verbieten lässt, sich ihr zu nähern, passt er sie auf einem Parkplatz in Neumünster ab und sticht zu. Seit Mittwoch muss sich der 59-Jährige vor dem Kieler Landgericht wegen versuchten Mordes aus Eifersucht verantworten.

Laut Anklage verletzten die Messerstiche seine Ex-Partnerin an Hals und Oberkörper. Sie hat Riesenglück: Ein 18-jähriger Schüler eilt ihr zu Hilfe und verhindert wohl Schlimmeres.

Anzeige

Noch im Gerichtssaal lobt der Angeklagte den Schüler für dessen Verhalten: „Das war ein sehr couragiertes Eingreifen.“ Der junge Mann hatte zuvor geschildert, wie er auf dem Parkplatz plötzlich Zeuge der Messerattacke wird. Er zögert nicht, läuft hinzu und fordert den Angeklagten lautstark auf, aufzuhören und die Frau in Ruhe zu lassen. Der 59-jährige lässt daraufhin tatsächlich von seinem Opfer ab. Wenig später wird er festgenommen, bleibt gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Angeklagter aus Neumünster: Töten wollte ich sie nicht

In seiner mehrstündigen Aussage gesteht der Angeklagte die Messerattacke. Ein Tötungsabsicht bestreitet er aber entschieden. „Es ist klar, dass es wirklich schlimm ist, was ich machte. Töten wollte ich sie aber nicht“, sagt er. Als er sie am 25. April 2018 mit dem Messer angriff, habe er ihr vorgeworfen: „Du hast mein Leben zerstört. Du hast mich betrogen und belogen.“ Er habe sie „gepiekst“, sagt er. Er sei eifersüchtig, „stinksauer und verletzt“ gewesen.

Die Frau hatte 14 Tage zuvor nach dem Gewaltschutzgesetz eine gerichtliche Verfügung gegen ihn erwirkt. Er durfte sich ihr eigentlich nicht mehr nähern. Für den 26. April war eine mündliche Gerichtsverhandlung anberaumt. Die 57-Jährige - sie ist Nebenklägerin in dem Verfahren - erinnert sich vor Gericht unter Tränen deutlich an die Worte: „Du hast mein Leben ruiniert. Du bist tot.“ Darauf stützt sich auch die Anklage.

Angeklagter Opfer seiner Alkoholsucht?

Vor Gericht präsentiert sich der Angeklagte als Opfer seiner Alkoholsucht. Mehrfach habe er versucht, trocken zu werden, sei immer wieder rückfällig geworden, sagt er. Er schildert eine Kindheit unter einem gewalttätigen Vater. Beide Eltern seien alkoholsüchtig gewesen. Dennoch schafft er nach dem Realschulabschluss eine Berufskarriere: abgeschlossene Lehre zum Schiffsbauer, Begabtenprüfung für die Allgemeine Hochschulreife, Offizierslehrgänge und Studienabschluss als Diplomingenieur. Doch der Alkohol setzt ihm derart zu, dass er seine gut dotierte Arbeit verliert und mittlerweile längst Rentner ist.

Unter Alkoholeinfluss hat er mutmaßlich auch Halluzinationen, will kurz vor der Tat seine Partnerin mit einem anderen Mann im Bett gesehen haben - was sie vor Gericht entschieden bestreitet. Das Messer und eine Armbrust habe er immer bei sich, aus Angst, berichtet der Angeklagte dem Gericht. Nachts habe er die Waffen griffbereit unter seinem Bett verstaut. Um sich gegen den Vater zu wappnen, habe er früher auch jahrelang eine Kampfsportausbildung gemacht. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt. Das Urteil wird kommende Woche erwartet.

Von KN/dpa

Thorsten Geil 01.04.2019
Susanne Wittorf 01.04.2019
Neumünster Stromausfall-Konzept - Feuerwehren rüsten auf
Beate König 30.03.2019