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Neumünster Millionenprojekt nimmt langsam Form an
Lokales Neumünster Millionenprojekt nimmt langsam Form an
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19:09 06.03.2020
Von Thorsten Geil
Dr. Ivo Markus Heer arbeitet an dem großen Forschungs- und Präventionsprojekt, das beim Bundesgesundheitsminister persönlich angesiedelt ist. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

„Drehtür-Effekt“ heißt: Bei Patienten werden zwar Symptome behandelt, aber oft nicht die Ursachen der Beschwerden abgestellt - sie werden dann nicht nachhaltig gesund und tauchen bald wieder in der Klinik auf. „Wenn Ursachen nicht abgestellt werden, kommen die Patienten immer wieder zu uns“, sagt Dr. Ivo Markus Heer, Ärztlicher Direktor am FEK und Initiator des Projekts.

„In der täglichen Praxis fehlt oft die Zeit"

Das Sozialmedizinische Zentrum soll sich um Patienten mit speziellen Risiken kümmern, etwa Suchtkrankheiten, Adipositas, Asthma, Diabetes oder auch Sprachstörungen. Heer: „In der täglichen Praxis fehlt oft die Zeit, diese Patienten auf Prävention anzusprechen. Mehrere speziell ausgebildete Lotsen sollen diese Aufgabe übernehmen und gleich konkrete Hilfen anbieten.“

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Freiwillige Angaben der Patienten

In dem Zentrum sollen die Lotsen jeden neuen Patienten in der Klinik ansprechen. Auf einem Tablet-Computer kann er (freiwillig) seine Daten angeben und auch möglichst ehrliche Angaben zu seinen Risikofaktoren wie Übergewicht, Nikotin- oder Alkoholkonsum machen. Von ähnlichen Projekten weiß Ivo Heer, dass viele Patienten gern mitmachen, wenn man ihnen den Vorteil für die eigene Gesundheit erklärt.

Patienten bekommen gleich Vorschläge zur Vorbeugung

Das Zentrum soll möglichst in direkter Nachbarschaft zum FEK angesiedelt werden, damit es kurze Wege gibt. Dort sollen den Patienten dann auch gleich Vorschläge gemacht werden, wie sie ihr spezielles Risiko mindern können, etwa durch gezielte Gewichtsreduktion oder spezielle Therapien.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kennt das Projekt aus Neumünster

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat bereits im November 2018 beschlossen, den Aufbau des Zentrums in Neumünster mit bis zu zwei Millionen Euro zu fördern. Das läuft gerade. Dr. Heer: „Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat dieses Projekt persönlich auf dem Tisch und befürwortet es.“

Heer und seine wissenschaftlichen Kollegen schalten sich nun regelmäßig zusammen und treffen sich, um die Details zu planen. Beteiligt sind Fachleute vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung (Bremen), vom Institut für Arbeits- und Sozialmedizin (Dresden) und dem Center for Health Economics Research Hannover. Bis zum Spätsommer soll das Konzept fertig sein und inklusive Finanzierungsvorschlag in Berlin eingereicht werden.

Millionen sollen nach Neumünster fließen

Für Heer und seine Kollegen ist klar, dass das nur mit zusätzlichem Personal geht und nicht von der FEK-Stammbelegschaft geleistet werden kann. Darum wird das für den Bundesgesundheitsminister auch ein Millionenprojekt werden. Aber Heer ist sicher, dass diese Präventionsarbeit auch volkswirtschaftlich und für die Krankenkassen sinnvoll ist: „Wenn von drei chronisch kranken Patienten nur einer nicht wieder zum stationären Aufenthalt kommt, rechnet sich das schon.“

Den Nachweis muss das Sozialmedizinische Zentrum dann nach mehreren Jahren der begleitenden Forschung liefern. Ivo Heer hofft, dass er 2021 damit loslegen kann.

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