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Neumünster „Wir legen wieder richtig los“
Lokales Neumünster „Wir legen wieder richtig los“
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19:30 10.08.2019
Von Thorsten Geil
Michael Böddeker (56) hat am 1. Mai die Geschäftsführung der Stadtwerke Neumünster übernommen. Seit sich sein Co-Geschäftsführer Bernd Michaelis Ende Juni in den Ruhestand zurückgezogen hat, leitet er das Unternehmen allein. Quelle: SWN
Neumünster

Herr Böddeker, in der Stadt wird erzählt, die SWN-Mitarbeiter seien sehr verunsichert wegen der schlechten Lage des Unternehmens. Wie empfinden Sie das, seit Sie im Mai hier gestartet sind?

Michael Böddeker: Eine gewisse Verunsicherung habe ich zunächst auch festgestellt. Klar, wir haben zwei Jahre lang Millionenverluste geschrieben, das kannte man bei SWN nicht. Wir alle wollen jetzt die Schatten der Vergangenheit loswerden. Ich habe in der kurzen Zeit enorm viele fixe und konstruktiv denkende Mitarbeiter kennengelernt, die unbedingt helfen wollen, aus der unschönen Lage wieder herauszukommen.

Man hört, Sie säßen sehr lange im Büro, hätten aber immer ein offenes Ohr für Vorschläge Ihrer Mitarbeiter.

So sollte es doch auch sein. Ich bin tatsächlich offen dafür, denn die Mitarbeiter kennen das Unternehmen ja schon viel länger als ich. Ich bemühe mich, offen zu sein und möglichst viele mit einzubeziehen.

Steckbrief: Stadtwerke Neumünster

Die Stadtwerke sind 2017 in eine wirtschaftliche Schieflage geraten und machten zwei Jahre lang Millionenverluste. Die beiden Vorgänger von Böddeker, Tino Schmelzle und Thomas Junker, kamen im Januar 2017 und gingen, mehr oder weniger freiwillig, Anfang 2019.

Endet denn 2019 schon die Zeit der Verluste?

Das weiß ich noch nicht. Die Planung meiner Vorgänger sah ein Plus von 800.000 Euro vor, aber dass wir das erreichen werden, wage ich zu bezweifeln.

2018 hat der SWN-Konzern noch 4,4 Millionen Euro Verlust gemacht. Haben Sie schon eine Analyse gemacht?

Die Verluste kamen wie im Vorjahr in erster Linie weiterhin aus den Fehlern beim Stromeinkauf, wo wir uns schlicht verspekuliert haben und früher hätten reagieren müssen – und aus den enormen Kostensteigerungen im Bau der Glasfasernetze.

Und haben Sie diese Probleme in den Griff bekommen?

Die teuren Stromverträge sind gekündigt, wirken sich aber dieses Jahr und leider auch 2020 noch aus. Aber wir haben die Strategie komplett umgestellt und das Risiko rausgenommen.

Der Sanierer möchte Michael Böddeker nicht sein

Ende April hatte der Aufsichtsrat der Stadtwerke Neumünster den Juristen Michael Böddeker (56) zum neuen Geschäftsführer berufen. Zuletzt war er Alleingeschäftsführer der Stadtwerke Völklingen gewesen und hatte sie in schwierigen Zeiten neu ausgerichtet. Zuvor war Böddeker im Management verschiedener Firmen der Energiebranche tätig, unter anderem als Geschäftsführer der Energievertriebsgesellschaft Entega Energie und im Vorstand des Energiehändlers Citiworks. Daneben leitete er als Geschäftsführer die Entega Medianet, bei der er für den Ausbau und die Vermarktung der Glasfaserinfrastruktur in Südhessen verantwortlich war. Seit Co-Geschäftsführer Bernd Michaelis in den Ruhestand gegangen ist, leiter er das Unternehmen allein. Das ihm von den Medien angehängte Etikett „Sanierer“ mag er überhaupt nicht. Böddeker wohnt in der Innenstadt von Neumünster und pendelt zu seiner Familie (Ehefrau und zwei Kinder) nach Darmstadt.

Und der Tiefbau? Ihre beiden Vorgänger hatten angeblich überlegt, eine eigene Tiefbaufirma aufzubauen.

Wir planen keine eigene Tiefbau-Sparte. Stattdessen haben wir die Verlässlichkeit mit den jeweiligen Tiefbauunternehmen auch so wieder hergestellt, das läuft jetzt. Unsere Zusagen gegenüber den Gemeinden und Zweckverbänden, für die wir die Glasfaserleitungen verlegen, halten wir alle ein.

Ihre Vorgänger haben auch mal laut darüber nachgedacht, die Glasfaser-Sparte abzugeben.

Daran denkt bei SWN niemand. Auch ich bin felsenfest überzeugt, dass Glasfaser ein wesentlicher Teil unserer Zukunft ist. Hier haben wir einen großen Vorsprung, weil die SWN schon vor zehn Jahren die ersten Leerrohre in jeden Bürgersteig gelegt haben. Unser Glasfasernetz müssen und werden wir nutzen!

Dann machen Sie doch endlich nicht nur in Steinburg und Dithmarschen weiter, sondern bauen auch in Neumünster weiter aus.

In Neumünster legen wir jetzt auch wieder richtig los. Das ist schließlich unser Heimatmarkt. Wittorf und Padenstedt-Kamp starten am 15. August und sind die nächsten Bereiche, andere Stadtteile werden folgen.

Haben Sie weitere Ideen, wie Sie wieder näher an die Kunden kommen?

Derzeit stellt sich unser Vertrieb komplett neu auf. Dazu gehört nicht nur die Überarbeitung der internen Struktur, sondern auch die Überarbeitung und Weiterentwicklung der bestehenden Produktpalette. Klimaschutz spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Klimaschutz, schönes Schlagwort. Ein Beispiel?

Wir werden nicht anfangen, einen neuen Heizkessel oder eine Ladestation für Elektroautos für den Privathaushalt zu entwickeln, aber wir wollen den Kunden helfen, ihre Verbräuche zu senken. Bei uns soll man viele Pakete aus einer Hand zum vernünftigen Preis bekommen. Eine Ladestation und den dazu passenden Autostromtarif bieten die SWN übrigens schon lange an, aber das weiß leider kaum jemand. Technik und Vertrieb arbeiten künftig viel enger zusammen. Dadurch kommen Produkte schneller auf den Markt und sind kundengerechter gestaltet.

Was denken die Stadtwerke sich denn gerade noch so aus?

Es geht ganz einfach darum, den Neumünsteranern zukunftsfähige Dienstleistungen anzubieten. In der heutigen Zeit bedeutet das auch immer, in Richtung Klimaneutralität zu denken. Das muss vom ÖPNV bis hin zu lokalen Energieprodukten gedacht werden.

Noch ein letztes Thema, bitte: Es gab im Frühjahr erhebliche Verstimmung bei vielen Lieferanten, weil die SWN ihnen sehr ruppig neue Konditionen vorgeschrieben haben.

Das war vor meiner Zeit, aber ich habe davon gehört. Die Tonalität war definitiv nicht angebracht, die Maßnahme aber nachvollziehbar.

Das soll ein externer Berater ausgeheckt haben...

Wir haben kaum noch Berater im Haus, nur noch echte Spezialisten für Einzelthemen. Ich halte nicht viel von großen Consulting-Unternehmen.

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