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Neumünster Mit Dampf gegen das Unkraut
Lokales Neumünster Mit Dampf gegen das Unkraut
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15:29 18.07.2019
Von Thorsten Geil
Eine neue Maschine bekämpft in Neumünster das Unkraut mit Heißwasser. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Das neue Gerät, das für rund 50.000 Euro angeschafft wurde, heißt "Thermische Wildkrautbeseitigung" und kann auf verschiedenen TBZ-Fahrzeugen montiert werden. Eine Technik erhitzt darin Wasser auf mehr als 100 Grad Celsius und sprüht es auf Wege und Pflaster, wo das Kraut aus den Ritzen sprießt. Danach sieht man nichts außer der nassen Fläche.

Nach wenigen Tagen wird die Pflanze braun

"Der Prozess setzt erst danach ein. Das Heißwasser führt zum Gerinnen des Eiweißes in den Zellen, die dann platzen. Nach wenigen Tagen ist der Erfolg sichtbar, die Pflanzen sind braun und können jetzt in einem zweiten Arbeitsgang abgebürstet werden", sagte Frank Schawohl vom TBZ, der das Gerät zusammen mit Stadtrat Oliver Dörflinger und dem Mitarbeiter Dirk Burmeister vorstellte. Die Wurzeln werden so stark geschwächt, dass die Pflanze eingeht und die Reinigung nachhaltigen Erfolg hat.

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Bislang wurde oft das Pflaster beschädigt

Mit dem Abbürsten ist es zwar ein Arbeitsgang mehr als bislang, aber dafür soll es länger vorhalten. Bislang wurde das Kraut nur mechanisch durch so genannte Wildkrautbürsten beseitigt. Der Teil der Pflanze, der aus dem Pflaster herausragt, wurde abgescheuert. Da die Wurzel nicht angetastet wurde, wuchs das Kraut aber schnell wieder nach; der Erfolg war nur von kurzer Dauer.

Außerdem haben die Stahlbürsten das Pflaster stark angegriffen; mancher lockere Pflasterstein wurde herausgefegt.

"Ihr verspritzt ja Glyphosat!"

Bei den ersten Einsätzen gab es immer wieder Missverständnisse mit Anwohnern und Passanten. "Manche meckern, weil sie glauben, dass wir Glyphosat verspritzen. Aber das ist Quatsch, Chemie setzen wir seit vielen Jahren nicht mehr in der Straßenreinigung ein. Es ist auch längst verboten", sagte Oliver Dörflinger. Die Stadt Nortorf nutzt seit 2018 eine ähnliche Technik.

Am Hydranten wird nachgetankt

Mit dem Wassertank von 1000 Litern kommt Maschinenführer Dirk Burmeister je nach Geschwindigkeit etwa 1000 bis 1500 Meter weit; danach muss er an einem Hydranten nachzapfen.

Das Gerät wird jetzt ausführlich getestet. Der erste Eindruck im TBZ ist: Die Technik funktioniert nachhaltig, ist ökologischer und für die Mitarbeiter weniger anstrengend.

Das TBZ Neumünster bekämpft Unkraut auf Wegen und Plätzen jetzt mit einer neuen Technik, nämlich mit mehr als 100 Grad Celsius heißem Wasser.
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