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Neumünster „Auch Deutsche machen Blödsinn“
Lokales Neumünster „Auch Deutsche machen Blödsinn“
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18:41 09.08.2018
Von Thorsten Geil
Die Erstaufnahme für Flüchtlinge. Quelle: Thorsten Geil
Neumünster

Oberbürgermeister Olaf Tauras (CDU) war (wie berichtet) im Groben vorab unterrichtet worden, aber geplant war eine geordnete Information der Kommunalpolitiker und der Bürger. Der Plan ging schief, weil Informationen schon jetzt an die Öffentlichkeit kamen. Nun wollen Tauras und Staatssekretär Torsten Geerdts die Fraktionsvorsitzenden eingehender informieren.

Neumünster braucht dringend Wohnraum

„Das Thema ist einfach zu schwierig, um es mal eben im Sommerloch rauszulassen. Mir gefällt nicht, dass der Ministerpräsident uns das mal so eben aufs Auge drückt“, sagte Franka Dannheiser, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Rathausfraktion, zu den KN. Ihre Partei stehe zu der Erstaufnahme, die ja im Prinzip schon wie ein Ankerzentrum arbeite. Aber Neumünster brauche auch dringend Wohnraum. Da könne die Stadt das Kasernen-Grundstück „nicht mal so eben verhökern“. Man dürfe die Stimmung in der Bevölkerung nicht aus den Augen verlieren, so Dannheiser.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerd Kühl wohnt in der Nähe der Erstaufnahme und sieht keine Probleme mit einer Erweiterung. „Als dort damals Tausende lebten, war es nicht so schön. Aber das hat sich normalisiert“, sagte Kühl. Es mache Sinn, die Asylverfahren an einem Ort zu bündeln.

Radestock: Neumünster ist eine offene Stadt

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Sven Radestock, hat ebenfalls keine Bedenken. „Neumünster ist eine offene Stadt. Auch früher schon war hier die einzige Aufnahmeeinrichtung in ganz Schleswig-Holstein.“ Er ärgert sich aber über die Informationspolitik der Landesregierung. „Dieses Thema gehört auf einer Einwohnerversammlung in der Stadthalle diskutiert.“ Am Wichtigsten sei, dass sich die Situation der Flüchtlinge nicht verschlechtere. Mit Blick auf die Stimmung in Boostedt sagte Radestock: „Auch Deutsche machen Blödsinn, wenn sie keine Perspektive haben.“

Im Prinzip hat auch Reinhard Ruge von der FDP nichts gegen eine Erweiterung in Richtung Ankerzentrum. Es sei richtig, alle Beteiligten an einem Ort zu konzentrieren, um Asylverfahren schnell zu entscheiden. „Wenn die Pläne der Regierung dazu führen, dass in drei Monaten eine Entscheidung fällt und abgelehnte Menschen schnell abgeschoben werden, finde ich das nicht schlecht.“ Dann rechnet er auch mit Wohlwollen der Bevölkerung. Den Unmut in Boostedt könne er verstehen. „Aber in Neumünster haben sich die Leute an die Erstaufnahme gewöhnt“, sagte Ruge.

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