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Neumünster Neue Landsmannschaft fördert Integration
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15:53 02.11.2019
Von Clemens Behr
Natali Schnar, Vorsitzende der neuen Ortsgruppe Russlanddeutscher in Neumünster. Quelle: Clemens Behr
Neumünster

1996 kam Natali Schnar mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland. Acht Jahre hatte ihre Familie nach Einreichung der Unterlagen auf die Einreisegenehmigung gewartet und dann beinahe ihren gesamten Besitz verkaufen müssen. „Wir sind nur mit ein paar Koffern nach Deutschland gekommen, sonst hätten wir uns die Tickets nicht leisten können.“ Schnar und ihre Familie waren Spätaussiedler, also „deutsche Volkszugehörige, die die ehemalige Sowjetunion nach dem 31. Dezember 1992 verlassen und sich in Deutschland niedergelassen haben“, so die Definition des Bundesvertriebenengesetzes.

Zum zweiten Mal gründet sich eine Ortsgruppe in Neumünster

Jetzt, im Jahr 2019, ist Natali Schnar Vorsitzende des Forums der Vielfalt Neumünster, lehrt Deutsch in der türkischen Gemeinde und ist zudem seit gut zwei Monaten Vorsitzende der Landsmannschaft Russlanddeutscher in Neumünster. Am 18. August hat sich diese neue Ortsgruppe gegründet.

Schon vor Jahren habe es eine Landsmannschaft Russlanddeutscher in Neumünster gegeben, sei aber nach dem Tod des Vorsitzenden auseinandergefallen. Jetzt wird ein zweites Kapitel aufgeschlagen. „Wir wollen, dass auch die jüngere Generation etwas von der Kultur ihrer Eltern und Großeltern mitbekommt. Sie sind oder waren Deutsche, die in Russland zusätzlich andere kulturelle Einflüsse erfahren haben. So ist eine eigene Kultur entstanden.“

Landsmannschaft ist Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturverein

Die Angebote der Ortsgruppe sind vielfältig und richten sich nicht nur an Russlanddeutsche. Es wird gemeinsam gestrickt, Volleyball gespielt oder im Chor gesungen – deutsche und russische Lieder. Oberste Aufgabe sei die Integration. Dazu zähle auch Hilfestellung bei rechtlichen Fragen. „Viele wissen nicht, was sie beachten müssen – sei es bei der Anerkennung von Berufsqualifikation oder bei Rentenansprüchen“, erklärt Natali Schnar. Die Landsmannschaften seien Interessenvertretung, Hilfsorganisation und Kulturverein zugleich.

Seit 1950 existiert die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, wie ihr offizieller Name ist. Schleswig-Holstein ist eines der letzten Bundesländer, in dem sich noch kein Landesverband gegründet hat. Das soll aber am Sonntag, 3. November, in Lübeck nachgeholt werden. Die fünf Ortsgruppen aus Kiel, Wahlstedt, Lübeck, Flensburg und Neumünster treffen sich dort zur Gründungssitzung.

Landsmannschaft will Bund der Vertriebenen beitreten

Im September feierte der Bund der Vertriebenen (BvD) den 70. landesweiten Tag der Heimat in Neumünster und damit den Gedenktag aller deutschen Heimatvertriebenen. An der Feier nahmen auch die Russlanddeutschen teil. Willi Treetzen, Bundesvorsitzender des BvD und des Kreisverbands Neumünster, zeigte sich froh darüber. „Unsere Landsmannschaften sind alle 70 Jahre alt. Man muss es so sagen: Wir sterben langsam aus und würden uns daher sehr freuen, wenn unsere Arbeit dadurch Belebung findet.“

Einen Antrag auf Mitgliedschaft im Kreisverband der Vertriebenen hat die neue Ortsgruppe noch nicht gestellt, er ist laut Schnar aber in Vorbereitung. Willi Treetzen begrüßt das: „Natürlich zeigen wir uns mit ihnen solidarisch. In der Vergangenheit war es aber schwierig, ihre Wünsche und Ziele zu verfolgen, wenn sie kaum mit uns sprechen.“ Während der dreiwöchigen Ausstellung „Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart“ vergangenes Jahr im Neumünsteraner Rathaus hätte sich der Kreisverband der Vertriebenen auch über mehr Resonanz der Russlanddeutschen gefreut, sagte Treetzen.

Spätaussiedler in Deutschland

Zwölf Mitglieder waren bei der Gründung der Landsmannschaft in Neumünster dabei. Mittlerweile sind es 14 und die Gruppe kann weiter wachsen, denn in den vergangenen Jahren kommen wieder mehr Spätaussiedler nach Deutschland. Durch gesetzliche Erleichterungen bei der Aufnahme und Familienzusammenführung hat sich der Zuzug laut Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat seit 2013 wieder erhöht – von zwischenzeitlich weniger als 2000 im Jahr 2012 auf 7126 (2018). In den 1990er-Jahren, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, kehrten noch bis zu 400 000 Aussiedler pro Jahr nach Deutschland zurück. Auch in Schleswig-Holstein und Neumünster ist ein Anstieg zu verzeichnen. Das zumindest zeigen die Zahlen des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten für die Jahre 2016 bis 2019. Bis September kamen im laufenden Jahr 141 Spätaussiedler nach Schleswig-Holstein.

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