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Neumünster „Parteienproporz statt Sachverstand“
Lokales Neumünster „Parteienproporz statt Sachverstand“
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20:00 21.12.2018
Von Thorsten Geil
Seit 1. Januar 2017 sind Thomas Junker (links) und Tino Schmelzle Geschäftsführer bei den Stadtwerken Neumünster (SWN). Quelle: asr: Anja Rüstmann
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Neumünster

Die 750 Mitarbeiter der SWN haben von dem (mehrheitlich gefassten) Beschluss des Aufsichtsrats bislang nur aus der Zeitung und über eine Mitteilung der Geschäftsführer Tino Schmelzle und Thomas Junker erfahren.

"Vor dem 2. Januar werden wir wohl nichts erfahren"

Es ist darum auch nicht bekannt, ob es überhaupt schon eine fixe Vereinbarung mit Michaelis gibt. Die Verunsicherung im Unternehmen ist jedenfalls groß. „Ich schaue mal, ob am 2. Januar der Wagen von Herrn Michaelis vor dem Haus steht. Vorher werden wir wohl nichts erfahren“, sagte ein frustrierter Mitarbeiter. Auch Bernd Michaelis will sich nicht äußern.

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Politiker zeigen eine gewisse Skepsis

Ratsfraktionen, die nicht im Aufsichtsrat der Stadtwerke vertreten sind, zeigen eine gewisse Skepsis gegenüber dem Beschluss. Die FDP äußerte die Hoffnung, dass die Probleme der SWN „mit der Bestellung eines dritten Geschäftsführers gelöst und das Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser geführt werden kann“, so der Fraktionsvorsitzende Reinhard Ruge in einer Stellungnahme.

Auch die Rolle des vorherigen Aufsichtsrates, „der seinen Kontrollaufgaben nicht hinreichend nachgekommen und offenbar überfordert gewesen“ sei, müsse untersucht werden. Ruge: „Aufsichtsräte, in denen es mehr um Parteienproporz als um Sachkompetenz geht, kann man sich schenken.“ Im aktuellen Aufsichtsrat sitzen Vertreter von SPD, CDU, Grünen und drei Arbeitnehmer.

Drei-Affen-Prinzip "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen"

Der LKR-Ratsherr Jürgen Joost schlägt in die gleiche Kerbe. „Äußerst befremdlich ist das Abtauchen der Aufsichtsräte. Es passt zu dem Drei-Affen-Prinzip ,nichts sehen, nichts hören, nichts sagen’, das seit dem Bekanntwerden der Krise vor über einem halben Jahr zum Leitmotiv der Krisenkommunikation erhoben worden ist“, teilte er mit. Die Entscheidung, gegen den Widerstand der Geschäftsführer einen „Aufpasser“ zu bestellen, sei „riskant, ungewöhnlich und in den Folgen kaum abzusehen“, so Joost.

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