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Neumünster Viele Bescheide der Behörden sind falsch
Lokales Neumünster Viele Bescheide der Behörden sind falsch
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20:17 24.05.2018
Von Thorsten Geil
Das Schild ist alt, der Name längst Geschichte, der Verband aber sehr modern: Kreisvorsitzender Peter Kammhoff und Geschäftsführerin Astrid Abandowitz haben ein altes Schild aufgehoben. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Vieles hat sich verändert beim ehemaligen „Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer“. Längst hat er beispielsweise seinen martialischen Namen geändert und heißt jetzt „Sozialverband Deutschland“ (SOVD), und auch die Eintrittsbedingungen sind nicht mehr so streng wie bei der Gründung: „Wer im Felde gewesen ist und das Verwundeten-Abzeichen trägt, kann aufgenommen werden“, hieß es 1918. Der SOVD Neumünster feiert am Wochenende seinen 100. Geburtstag.

Das Datum 26. Mai um 15 Uhr ist nicht zufällig gewählt, denn es ist fast auf die Stunde genau das Gründungsdatum des Neumünsteraner Ortsvereins. Im Protokoll des ersten Treffens heißt es, es finde statt „am Sonntag, den 26. Mai 1918, nachmittags 4 Uhr im Weißen Saal der Tonhalle“, also in der legendären Gaststätte am Großflecken.

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Es ging um „Pflege der Kameradschaft, Vertretung und Besprechung der alle gemeinsam betreffenden Angelegenheiten möglichst Hand in Hand mit den Behörden“. Strittig waren beispielsweise Rentenkürzungen von 70 auf 50 Prozent und die Frage, ob entlassene Soldaten neue Anzüge bekommen. Der „Reichsbund“ setzte sich für die Kameraden ein.

Das ist heute noch genau so. Die Mitglieder wenden sich an den Verband, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen, die Schreiben der Behörden nicht verstehen oder schlicht Hilfe im Sozialrecht suchen. Dann sitzen sie meistens vor der Kreisgeschäftsführerin Astrid Abandowitz.

„Es gibt drei Hauptthemenfelder: Streit mit der Deutschen Rentenversicherung, Streit mit den Krankenversicherungen und Probleme bei der Anerkennung einer Schwerbehinderung.“ Dazu kommen Ärger mit dem Jobcenter, der Agentur für Arbeit, den Berufsgenossenschaften und Pflegekassen, zum Beispiel bei der Einstufung der Pflegegrade. Astrid Abandowitz führt dann den Schriftverkehr, reicht Widersprüche und notfalls Klagen ein.

Der Sozialverband ist erfolgreich. Allein 2017 erstritten Astrid Abandowitz und ihr kleines Team fast 138000 Euro für die Mitglieder, dazu monatliche Zahlungen von fast 61000 Euro. Die Erfolgsquote ihrer Widersprüche ist enorm und gleichzeitig beängstigend: Sie beträgt 48 Prozent. Heißt das, jeder zweite Bescheid einer Behörde ist falsch? So weit will Astrid Abandowitz nicht gehen. „Aber insgesamt gibt es im Sozialrecht eine schreckliche Entwicklung. Die Menschen werden immer älter, haben immer mehr Probleme, und immer öfter verweigert man ihnen die Hilfe. Das Geld ist ja da in unserem Staat, es muss nur besser verteilt werden“, sagt sie.

Der SOVD hat einen enormen Mitgliederzuwachs. Das liegt sicher auch daran, dass die Beratung für Mitglieder kostenlos ist. Vor 20 Jahren zählte der Verband 1000 Mitglieder, vor zehn Jahren 2000, und aktuell sind es schon 4388. Damit hat der Sozialverband vor wenigen Wochen den SV Tungendorf als größten Verein in Neumünster abgelöst.

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