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Neumünster Mit Stahlhelm und Bibel nach Afghanistan
Lokales Neumünster Mit Stahlhelm und Bibel nach Afghanistan
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20:00 20.07.2019
Von Thorsten Geil
Viel mehr braucht ein Pastor im Auslandseinsatz nicht. Gerson Seiß, der in Neumünster Pastor war, fühlte sich in Masar-i-Scharif mit Stahlhelm und Bibel von allen Seiten gut beschützt. Quelle: Thorsten Geil
Neumünster

Etwa 1000 deutsche Soldaten sind in Masar-i-Scharif im Feldlager der Bundeswehr stationiert, um im Rahmen der Nato-Mission „Resolute Support“ zur Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte beizutragen. Immer im Wechsel ist ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer vor Ort. „Kurz vor Ostern bin ich angekommen, und seit Mitte vergangener Woche bin ich wieder zu Hause. Es war eine tolle Zeit“, erzählt Pastor Gerson Seiß.

Zehn Jahre Pastor an der Vicelinkirche

Gerson Seiß ist in Neumünster noch gut bekannt, denn von 2008 bis 2017 war er Pastor an der Vicelinkirche. Für die letzten fünf Jahre seines Berufslebens wechselte er dann noch einmal in die Militärseelsorge, ist jetzt an der Unteroffiziersschule der Luftwaffe in Heide. Mit seiner Frau Ulrike wohnt er auch weiterhin in der Gartenstadt.

Zivilist in Uniform - und unbewaffnet

Schon 2004 war Seiß für sechs Monate und 2007 erneut für vier Monate in Kabul als Militärpfarrer. „Mir macht das Spaß. Gerade in Masar-i-Scharif gibt es eine schöne Gemeinschaft, fast wie in einer dörflichen Kirchengemeinde“, erzählt der Pastor, der dort stets Uniform trug, auch wenn er kein Soldat ist. Darum war er natürlich auch nie bewaffnet.

Stahlhelm und Splitterweste gehörten allerdings auch für ihn dazu, wenn er das Camp verließ. Das Lager ist seit ein paar Jahren nicht angegriffen worden, aber das ist trügerisch: Die Taliban haben noch lange nicht ihren Frieden mit den ausländischen Soldaten gemacht. Anfang Juli wurde ein Lager der Bundeswehr bei Kundus von einer Rakete getroffen. „Zum Glück wurde niemand verletzt, aber das hat für viel Unruhe gesorgt“, sagt Seiß.

Eine Drohne überwacht den Luftraum

Generell fühlte er sich aber sicher in dem Camp, das mit 2,5 mal 1,5 Kilometern enorme Ausmaße hat. Am Himmel schwebt dauerhaft eine Drohne, die den Luftraum überwacht und vor Angriffen warnt.

Jeden Sonntag hielt Pastor Gerson Seiß im Camp einen Gottesdienst, der zunehmend besser besucht wurde. Das hing auch mit einem niederländischen Organisten zusammen, der tolle Musik machte und erfolgreich mit einem Chor arbeitete.

„Ich habe auch einen wöchentlichen Gesprächskreis angeboten und Filmabende gemacht, an denen man anschließend ins Gespräch kam. Auch Gedenkveranstaltungen für die in Afghanistan gefallenen Kameraden gehörten dazu“, sagt Seiß.

Heimweh ist eine der kleinsten Sorgen

Außerdem stand die Tür zu seinem Bürocontainer offen. Da standen immer mal wieder Soldaten in der Tür, um das Gespräch zu suchen und um Hilfe zu bitten. „Wer zu Hause eine intakte Familie hat, der kommt oft gestärkt aus einem monatelangen Einsatz zurück.

Wer das nicht hat, der gerät schnell in Schwierigkeiten“, sagt Seiß. Heimweh ist da noch eine der kleinsten Sorgen. Auch die Hitze mit zurzeit 40 Grad macht vielen Europäern zu schaffen.

„Beim Pastor wird nicht so genau hingeschaut“

Nach Feierabend lernt man im Camp die anderen Soldaten kennen, es gibt viele Freizeitmöglichkeiten. Nur übermäßiger Alkoholkonsum ist verboten. Jeder Soldat hat eine Getränkekarte, die ihm zwei alkoholische Getränke pro Tag erlaubt. Seine Juli-Karte zeigt, dass Gerson Seiß nur am 3. Juli ein Bier getrunken hat. „Beim Pastor wird aber nicht so genau hingeschaut“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Gerson Seiß war vier Monate im Bundeswehr-Einsatz in Masar-i-Scharif.

Der Wochenmarkt am Freitag, 26. Juli, wird von der Stadt Neumünster zum Kleinflecken verlegt. Der Grund sind die Vorbereitungen für den Auftritt der NDR-Sommertour am darauf folgenden Tag. Der Norddeutsche Rundfunk plant eine Live-Übertragung im Fernsehen und eine große Show auf dem Großflecken.

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