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Neumünster „Wer gegen uns ist, ist gegen die Liebe“
Lokales Neumünster „Wer gegen uns ist, ist gegen die Liebe“
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12:21 01.02.2020
Von Laura Treffenfeld
Für Jonna Voß war es kein Problem ihrer Mutter Steffi zu sagen, dass sie sich in ein Mädchen verliebt hat. Beide wissen, dass das nicht allen Teenagern so geht. Quelle: Laura Treffenfeld
Neumünster

Jonna Voß ist 15 Jahre alt, hört viel Musik und trifft sich nach der Schule gerne mit ihren Freunden. Als sie sich mit 13 Jahren das erste Mal verliebte, war das für sie ein wunderschönes Gefühl. Dass sie dabei Gefühle für ein anderes Mädchen hatte, empfand Jonna als nicht weiter ungewöhnlich. „Ich habe das dann einfach meinen Eltern gesagt, weil ich auch wusste, dass sie mich akzeptieren, egal wie ich bin. Und wenn Freunde das komisch gefunden hätten, wäre es mir wohl auch egal gewesen, denn ich wusste ja, ich bin glücklich, und das ist ja das Wichtigste“, sagt Jonna.

In Neumünster hatte Jonna keine Gruppe für sich und andere gefunden

Als sie vor zwei Jahren das erste Mal auf dem Christopher Street Day (CSD) in Lübeck war, wurde ihr klar, dass ihre Heimatstadt keinerlei Angebote für junge Leute hatte, die nicht heterosexuell sind. „Das fand ich schade, Neumünster ist ja nun auch nicht so klein und Städte wie Kiel haben das längst. Ich habe mich von meiner Stadt nicht sehr unterstützt gefühlt. Und da dachte ich, das geht vielleicht auch anderen so.“ Gemeinsam mit ihrer Mutter Steffi Voß  gründete sie kurzerhand die erste Gruppe für queere Jugendliche. Queer steht als Überbegriff für alle Menschen, die nicht heterosexuell sind, sondern zum Beispiel schwul, lesbisch, transsexuel oder sich einer anderen sexuellen Ausrichtung zugehörig fühlen.

Mutter Steffi umarmten auf dem CSD Jugendliche, die keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern hatten

Auf dem letzten CSD hatte Jonnas Mutter ein Schild mitgenommen mit der Aufsschrift: Freie Umarmung von einer Mutter. „Da sind so viele Jugendliche gekommen und haben mich gedrückt, weil ihre Eltern teils den Kontakt abgebrochen haben, wegen ihrer sexuellen Ausrichtung. Wenn ich darüber nachdenke, bekomme ich immer noch Schauer. Da ist auch in mir der Wunsch gewachsen, etwas für diese jungen Leute zu tun.“

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Steffi Voß glaubt, vielen Eltern ist es zu wichtig, was andere denken. „Ich weiß von einem Mädchen, dass zu einem Ball gerne einen Anzug anziehen wollte und das nicht durfte, weil man „es“ dann ja sehen würde. Und ich denke, es ist doch wichtiger, dass es meinem Kind gut geht und nicht den Nachbarn.“

Die queeren Jugendlichen sollen wissen, dass sie nicht alleine sind

Zum erste Gruppentreffen vor einer Woche kamen gleich zehn Jugendliche. Viele haben über ihr Coming Out gesprochen und darüber, wie es ihnen geht. „Wir haben aber auch Spiele wie Uno gespielt, das war wirklich sehr schön“, erzählt Jonna. Es gehe ihr ums Kennenlernen und darum, sich untereinander wohlzufühlen. „Wenn man merkt, dass man auf das gleiche Geschlecht steht, denkt man vielleicht zuerst, dass man alleine ist. Aber wenn es so eine Gruppe gibt, in der schon ganz viele andere Leute sind, fühlt man sich besser verstanden“, sagt Jonna.

Manche der anwesenden Teenager haben sich noch nicht getraut, ihren Eltern etwas zu sagen. „Ich glaube, manchmal ist auch Religion auch ein Hemmnis. Aber auch, wenn Eltern zum Beispiel eine Tochter bekommen und das ganze Leben darauf warten, dass die dann einen Mann hat und sie dann Enkelkinder bekommt und das nicht eintritt, kann der neue Gedanke ungewohnt sein.“

Wer Vorurteile hat, solle wissen, das ist alles einfach ganz normal

Für Steffi Voß ist klar, wenn Bedarf ist, hilft sie den Jugendlichen gerne, einen Weg zu finden, sich ihren Eltern mitzuteilen. „Aber auch wenn Eltern Fragen haben, können sie sich gerne bei mir melden.“

Leuten, die immer noch Vorurteile gegen homosexuelle Menschen hegen, sagt Jonna, dass die das irgendwann einfach hinnehmen müssen. „Das wird so normal und man tut sich damit ja selbst keinen Gefallen, wenn man andere nicht akzeptieren kann, die sich ja im Grunde nur lieben. Denn wer gegen uns ist, hat ja ein Problem mit der Liebe.“

Die Gruppe für queere Jugendliche trifft sich jeden zweiten und vierten Freitag von 17 Uhr bis 20 Uhr in den Räumen des Jugendverbands. Interessierte Jugendliche bis 18 Jahren können sich bei Steffi Voß melden unter Tel. 0176-20291017 oder per Email unter nms.queers@web.de.

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