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Neumünster Raser überholen Polizisten auf der A7
Lokales Neumünster Raser überholen Polizisten auf der A7
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19:31 14.08.2019
Von Thorsten Geil
Auf der A7 gibt es kein Tempolimit: Der GdP-Regionalvorsitzende Ulrich Bahr sorgt sich um die Sicherheit seiner Kollegen im Autobahnpolizeirevier Neumünster. Quelle: Thorsten Geil
Neumünster

Ulrich Bahr traute seinen Ohren nicht. Er hatte gerade ein Flugblatt für seine Mitglieder in der Gewerkschaft der Polizei (GdP) fertiggestellt und wollte es am Mittwochmorgen verteilen.

Dann hörte er am Dienstagabend von dem schweren Unfall auf der Autobahn 7 bei Quickborn und dachte: „Jetzt ist genau das passiert, wovor wir schon lange warnen." Der GdP-Regionalvorsitzende fürchtet um Leib und Leben seiner Kollegen im Autobahnpolizeirevier Neumünster.

"Auffahrunfälle hätten vermieden werden können"

Die gestiegenen Unfallzahlen führt er unter anderem darauf zurück, dass beim Ausbau das Geld für eine sogenannte Verkehrsbeeinflussungsanlage (VBA) gespart wurde. Weiter südlich in Schleswig-Holstein gibt es diese großen Schilder über der Fahrbahn, die das Tempo drosseln oder vor Unfällen warnen. Bahr: „Dadurch hätten vermutlich einige Auffahrunfälle auf ein Stauende vermieden werden können.“

Das Landespolizeiamt (LPA) nennt andere Unfallzahlen. „Auf der A7 gab es von Januar bis Juli 2018 genau 543 Unfälle, im gleichen Zeitraum 2019 genau 312 Unfälle“, teilte Pressesprecher Torge Stelck mit.

Genau dieser Fall war am Dienstag eingetreten, als es einen schweren Unfall bei Quickborn gab. Sieben Menschen wurden verletzt, ein Mann wurde mit dem Rettungshubschrauber in eine Hamburger Klinik geflogen, die übrigen Verletzten kamen mit Rettungswagen in Krankenhäuser. Bei Kaltenkirchen fuhr dann ein Auto auf das Ende des Staus auf (zwei weitere Verletzte).

Fast 30 Minuten bis zur Vollsperrung

Die Autobahnpolizisten brauchten fast eine halbe Stunde, um bei dem ersten Unfall eine Vollsperrung einzurichten. Nach Einschätzung des GdP-Mannes Ulrich Bahr ist das eine direkte Folge der Unterbesetzung im Autobahnpolizeirevier Neumünster.

In der Regel sind zwei Streifenwagen im Einsatz – auf insgesamt 128 Kilometern A7, A210 und A215. Selbst mit Sonderrechten und Vollgas dauert es dann manchmal 30 Minuten, bis der erste Streifenwagen an der Unfallstelle eintrifft.

Teilweise sind die Arbeitsbedingungen lebensgefährlich

Mit einem Wagen können erfahrene Polizisten eine zweispurige Autobahn relativ schnell dichtmachen, aber eine dreispurige eben nicht. Man bräuchte dafür zwei Wagen, um sich versetzt zu nähern und die Autos auszubremsen. Am Dienstag forderten die vor Quickborn zuerst eingesetzten Beamten dringend Verstärkung an.

„Ein sehr erfahrener Kollege war im Einsatz und rief über Funk, dass die Fahrzeuge hier immer noch mit sehr hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeikacheln“, sagt Bahr. Teilweise seien die Situationen lebensgefährlich geworden, besonders für die Beamten im ersten Auto.

"Sie können ihre Aufgaben nicht erfüllen"

Die Dienststelle Neumünster ist laut Bahr mit dem jetzigen Personal (42 Köpfe, davon 32 auf der Straße) „nicht im Entferntesten in der Lage, ihre Aufgaben zu erfüllen“. Mittlerweile seien sämtliche Sonderaufgaben wie Verkehrsüberwachung, Schwerlastkontrollen oder solche von auffälligen Fahrzeugen nahezu eingestellt; auch der Videowagen sei geparkt, weil die Beamten für andere Aufgaben gebraucht würden.

Ulrich Bahr hat sich einen Termin im Innenministerium geben lassen, um das Thema vorzutragen. „So kann es jedenfalls nicht weitergehen“, sagt er.

Für das LPA ist Sicherheit das oberste Ziel. "Wir nehmen die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen ernst. Die Sicherheit der Beamtinnen und Beamten ist oberstes Anliegen der Führung der Landespolizei. Deshalb hat die Landespolizei in den letzten Jahren massiv in die Schutzausstattung der Kolleginnen und Kollegen im Einsatz investiert. Das gilt natürlich auch für die Autobahnpolizei", so Sprecher Torge Stelck

Die spezifische Ausrüstung der Einsatzkräfte sei in den vergangenen Jahren immer weiter verbessert worden zum Beispiel durch bessere Signalanlagen der Streifenwagen, so der Sprecher weiter.

Ein Tempolimit auf der A7 wird schon länger diskutiert.

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