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Neumünster Eltern unter Druck: So helfen die Kitas
Lokales Neumünster Eltern unter Druck: So helfen die Kitas
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15:55 14.05.2020
Von Thorsten Geil
Auch in der Vicelin-Kita in Neumünster gibt es zurzeit nur eine Notbetreuung (für 18 Kinder). Natalie Holst (rechts) darf sie (nach sechs Wochen im Home-Office bei gleichzeitiger Kinderbetreuung) für ihre Mädchen Paula und Jana in Anspruch nehmen. Hier holt sie die Kinder bei Kitaleiterin Lena Lindner ab. Quelle: Thorsten Geil
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Neumünster

Susanne Mißfeldt ist Referentin für Qualitätsentwicklung im Kindertagesstättenwerk und betreut 37 Kitas zwischen Kiel, Neumünster und Bad Bramstedt. Die rund 660 Mitarbeiter der Kitas sind das Hörrohr in die Familien ihrer 2424 Kinder hinein. Und sie hören sehr genau hin, denn hinter vielen Wohnungstüren türmen sich mehr und mehr Probleme.

Kitas halten online Kontakt zu den Eltern

„Viele Eltern haben einen enormen finanziellen Druck, weil sie entweder in Kurzarbeit sind oder sich um ihre Kinder kümmern müssen und nicht arbeiten können. Aber es gibt bestimmt auch viele Familien, die es langsam schlicht nicht mehr miteinander aushalten. Zum Glück kommen jetzt die Lockerungen, die Spielplätze sind ja immerhin schon wieder auf“, sagt Susanne Mißfeldt.

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Die Kita-Mitarbeiter kümmern sich, wo sie nur können. Sie halten den Kontakt in die Familien, telefonieren, schicken E-Mails, senden Videobotschaften mit Ideen für Spiele, weisen auf interessante Angebote im Internet hin. „Einige Kitas haben schon eine eigene App für das Smartphone. Darüber ist es einfacher, Kinder und Eltern mit Informationen zu versorgen“, sagt Susanne Mißfeldt. Auch für Ansagen, wie und wann der Träger es mit der Rückzahlung der Kita-Gebühren hält, seien die Eltern sehr dankbar.

#SHbleibtstark: Spenden, helfen und Unterstützung finden

Mit dem Projekt #SHbleibtstark will unsere Zeitung den Zusammenhalt in der Krise und darüber hinaus fördern. Auf KN-online bündeln wir alle Hilfs- und Unterstützungsangebote. Zudem haben wir gemeinsam mit der Diakonie Schleswig-Holstein eine Spendenaktion für bedürftige Familien mit Kindern gestartet. Oft fehlt das Geld für ein Mittagessen, weil Schule, Hort und Kita geschlossen sind. Manchmal mangelt es an Babykleidung, Hygieneartikeln oder einer Prepaid-Karte für den digitalen Unterricht. 

Wer in Not geratenen Familien helfen möchte, kann hier spenden: Diakonisches Werk Schleswig-Holstein bei der Evangelischen Bank eG unter der IBAN: DE 48 5206 0410 0406 4038 24, Stichwort: Corona-Familienhilfe. Für eine Spendenbescheinigung geben Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse an.

Unter der Nummer 0800-7662476 ist ein kostenfreies Service-Telefon geschaltet (Mo-Do von 9-12 Uhr und 13-16 Uhr, Fr von 9-13 Uhr).

Corona-Krise: „Viele Eltern machen sich Sorgen"

Zu diesem Thema kommen mehr und mehr Anfragen, was für Susanne Mißfeldt darauf hindeutet, dass es finanziell oft langsam eng wird. „Viele Eltern machen sich Sorgen, sie sind traurig, manche auch schon verzweifelt.“ Bei den großen Kita-Kindern, die in diesem Sommer eingeschult werden, kommen noch manche Dinge dazu: Schafft mein Kind den Übergang, wenn die Schulvorbereitung ausfällt? Probebesuche in der Grundschule, Abschieds- und Schultütenpartys wird es in diesem Jahr wohl auch nicht geben.

Wenn eine Familie ohnehin schon in einer prekären Lage steckt, ist die Corona-Zeit ein zusätzliches Gift. Neben der Kita sind ja meist auch die anderen Treffpunkte geschlossen, Hilfsangebote wie Heilpädagogen, Tafeln und Kindertafeln oft nur eingeschränkt oder gar nicht verfügbar.

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Unter #SHbleibtstark bündeln wir Initiativen und Hilfsangebote aus der Region, unterteilt in vier Kategorien:

Die Themenseite zu #SHbleibtstark finden Sie hier.

Erzieherinnen wissen meist ganz genau, wo der Schuh drückt

Da es kein fertiges Konzept für wochenlange Schließungen gab, ist in den Kitas auch Improvisation und die Intuition der Mitarbeiter gefragt. „Die kennen ihre Kinder und zum Großteil auch die Familien. Sie wissen meist ganz genau, wo der Schuh drückt“, sagt Susanne Mißfeldt. Sie weiß von Erzieherinnen, die kleine Päckchen gepackt haben und einfach mal bei einer Familie geklingelt und kurz geklönt haben – auf Abstand an der Haustür.

In die Notbetreuung dürfen nur Kinder von Eltern mit systemrelevanten Jobs, von Alleinerziehenden und Kinder mit einem anerkannt besonderem Förderbedarf. Da arbeiten die Fachleute der Kitas auch eng mit den Jugendämtern zusammen. Die können anordnen, dass ein Kind in die Notbetreuung darf. Denn wie bei allen offenen Fragen gilt, nicht nur in Corona-Zeiten: Das Wohl des Kindes steht an oberster Stelle.

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