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Neumünster Wie der Maler De Goya zum Kritiker wurde
Lokales Neumünster Wie der Maler De Goya zum Kritiker wurde
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18:00 21.08.2019
Von Susanne Wittorf
Der Kunsthistoriker Hans Thomas Carstensen vor "Das Milchmädchen von Bordeaux", einem der letzten Gemälde des spanischen Malers Francisco de Goya. Quelle: Susanne Wittorf
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Neumünster

Als „größten bildenden Künstler seiner Zeit“, bezeichnete der Kunsthistoriker Hans Thomas Carstensen den spanischen Maler Francisco de Goya (1746 -1828) am Dienstagabend vor 60 Besuchern im Kiek In in Neumünster. Mit seinem ausführlichen Vortrag über Leben und Werk des Malers endete das siebenteilige Neumünsteraner Rahmenprogramm zum Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF).

470 Gäste besuchten die mehrteilige Veranstaltungsreihe

„Als einzige Stadt im Land begleiten wir das Festival seit Jahren mit einer mehrteiligen Veranstaltungsreihe“, sagte die Sprecherin des Beirates, Heide Mader. Vielfalt ist den ehrenamtlichen Beiratsmitgliedern dabei besonders wichtig. Unter dem Motto „Ein himmlischer Sommer“ hatten Heide Mader, ihr Mann Gernot und zwölf engagierte Mitstreiter in monatelanger Vorarbeit einen Kinofilm, eine Märchenerzählung unter freiem Himmel, zwei Lesungen und drei Vorträge organisiert. Insgesamt 470 Gäste konnte das Team in diesem Sommer begrüßen. „Alle unsere Kulturangebote waren sehr gut besucht“, freute sich Heide Mader. Auch zur Abschlussveranstaltung am Dienstag waren sämtliche Plätze im Saal besetzt.

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De Goya: Vom Hofkünstler zum Staatskritiker

Hans Thomas Carstensen ist ein Kunsthistoriker alter Schule. Am Pult stehend, neben sich zwei Diaprojektoren, zeichnete er kenntnisreich Leben und Werk des spanischen Malers nach. In seinen knapp zweistündigen Ausführungen brachte Carstensen den interessierten Besuchern die Entwicklung de Goyas vom angepassten Hofkünstler, der die Ansprüche seiner Geldgeber bediente, hin zum kritischen und sensiblen Beobachter Spaniens, das laut Carstensen im 19. Jahrhundert als „rückständigster Staat Europas“ galt.

Carstensens Begeisterung für den spanischen Maler ist zu jeder Zeit spürbar

„Unter dem Eindruck privater und politischer Katastrophen entwickelte sich Francisco vom heiteren Rokoko-Maler zum düsteren Endzeitvisionär“, erläuterte der Kunsthistoriker. Anhand zahlreicher Dias und tiefgründiger Ausführungen zu den damaligen politischen Machtverhältnissen unterstrich Carstensen seine Darstellungen. Manchmal verlor er sich dabei in Details. Die Besucher sahen es ihm nach. Auch, weil der Hamburger seinen Vortrag mit Anekdoten würzte und so den Menschen Francisco de Goya erfahrbar machte, war Carstensens Begeisterung für den spanischen Maler zu jeder Zeit spürbar. Kleine Pannen konnte er auf sympathische Weise kommentieren. „Ich bin Kunsthistoriker geworden, weil ich keine Ahnung von Technik habe“, gestand er seinen Zuhörern, als der Diaprojektor kurzzeitig streikte.

De Goya vergleichbar mit Bach

Die Frage, was de Goya mit Bach, dessen Werk sich das SHMF in diesem Jahr widmete, zu tun habe, konnte Kunsthistoriker Carstensen eindeutig beantworten: „Auch wenn de Goya und Bach in ihren Schaffensphasen zeitlich nicht im Gleichklang waren, verbindet ihre Kunst das Streben nach der Schaffung eines eigenen Kosmos, der über die Epochengrenzen hinausragt und ihren Werken etwas Zeitloses gibt.“

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