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Neumünster Praktische Überlebenstipps für die Wildnis
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13:51 03.02.2020
Von Laura Treffenfeld
Überlebenstrainer Jan Eisfeld zeigt Reporterin Laura Treffenfeld, wie man trinkbares Wasser aus Moos gewinnt. Quelle: Kerstin Tietgen
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Padenstedt/Neumünster

Jan Eisfeld steckt sich ein Messer und einen Feuerstahl in die Tasche - mehr braucht er nicht, wenn er in den Wald geht. Der Ex-Soldat weiß, welche Dinge Priorität haben, wenn man in der Natur überleben will. "Wir müssen uns wärmen und brauchen deshalb Feuer. Wir müssen Wasser finden, um nicht zu dehydrieren und konzentriert zu bleiben. Wir brauchen Nahrung und Nährstoffe. Und wir brauchen einen Unterschlupf, der vor der Witterung schützt."

Er schlägt ein Metallplättchen gegen den Stahl-Stift und schon sprühen die Funken. Mit zuvor gesammelter Birkenrinde, die durch ätherische Öle auch bei Feuchtigkeit brennt, entzündet er ein Feuer. Das geht keinesfalls schnell und er braucht mehrere Versuche. "Aber wer überleben will, sollte Ruhe bewahren und weiter machen."

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AZÜ distanziert sich von rechten Prepper-Gruppierungen

Nachdem er vom aktiven Dienst in den öffentlichen Dienst gewechselt war, fehlte Jan Eisfeld einfach "der Pepp im Kessel", so gründete er mit seinem militärischen Hintergrundwissen 2012 das AZÜ, um Leuten, die Spaß an der Natur hatten, ein paar Techniken zum Überleben beizubringen. Mittlerweile arbeiten 13 Ausbilder im AZÜ, das seinen offiziellen Sitz in Neumünster hat, aber rund um Padenstedt Waldflächen für die Kurse nutzt.

Jan Eisfeld sei auch selbst auf etwaige Notlagen gut vorbereitet. Als Prepper bezeichnet er sich aber nicht. "Den Begriff mag ich gar nicht, denn der ist sehr negativ belegt und wird leider einem politisch rechten Spektrum zugeordnet, Stichwort Nordkreuz. Davon distanzieren wir uns ganz klipp und klar. Da haben wir nichts mit zu tun. Uns geht es hier nur um Naturverbundenheit."

Definition

Was sind Prepper?

Als Prepper - von dem englischen „to be prepared“, also „bereit sein“ – bezeichnen sich Menschen, die sich gründlich auf mögliche Notlagen, Katastrophen oder Kriege vorbereiten. In so einem Fall glauben sie nämlich, dass nicht der Staat, sondern ihre eigene Vorbereitung ihnen helfen wird. Sie trainieren für den Ernstfall und haben oft Vorräte für längere Zeiträume angelegt. Vielen Preppern geht es nur um die gute Vorbereitung. Manche Anhänger der Szene lehnen aber auch den Staat grundsätzlich ab, interessieren sich für Waffen oder Verschwörungstheorien oder stehen rechtem Gedankengut offen gegenüber.

Mit dem Messer schält er an einem Baum etwas Harz heraus. "Hier ist viel Vitamin C drinnen", erklärt er und kaut auf dem Harz herum. Nach einer Weile sieht es aus wie ein Kaugummi.

Sein Kursangebot ist vielfältig. Es gibt Fortbildungen für Polizisten, Kurse für Kinder oder das Überleben-Extrem-Paket mit 29-stündigem Aufenthalt im Wald. Die meisten kommen für das Abenteuer und den Spaß. "Wir haben zwar auch den Zombie-Survival-Kurs im Angebot, aber der Name soll vor allem neugierig machen. Das ist wirklich nur ein sehr kleiner Teil an Leuten, die sich bei uns ernsthaft auf so ein Szenario vorbereiten wollen."

Wer im Wald durstig ist, kann Wasser aus Moosen quetschen

Eisfeld sammelt ein wenig Moos vom Waldboden auf und quetscht es, bis Wasser daraus herausläuft. Er fängt es mit der anderen Hand auf und trinkt. "Das machen wir aber nur in Notlagen. Wir wollen ja nicht den Wald unnötig zerstören."

Überlebenstraining beim AZÜ in Neumünster.

Weder die Zombie-Apokalypse noch eine große Gefahr durch das Coronavirus hält der Ausbilder für wahrscheinlich. "Viel realer sind die Bedrohungen, die bei einem flächendeckenden Stromausfall auftreten würden. Da hängt vieles mit dran. Beatmungsgeräte, Fahrstühle, Tankstellen, Ladesäulen, Geldautomaten und ganz viel mehr, und es würde zu Plünderungen und Übergriffen kommen."

Viele Trainer beim AZÜ haben einen militärischen Hintergrund

Um immer auf dem neuesten Stand in Sachen Überlebenstechniken zu sein, führt das AZÜ auch regelmäßig Weiterbildungen für die Trainer durch. "Der Grundstock unserer Ausbilder kommt aus dem militärischen Bereich, wir haben aber auch Pfadfinder oder Naturliebhaber."

Niemals würde er Moose quetschen wieder gegen Formulare ausfüllen tauschen. Die Nachfrage beim AZÜ ist hoch, mit dem Geschäftsjahr 2019 ist der Trainer zufrieden. Und außerdem, sagt Jan Eisfeld: "Die Natur ist ein Teil meines Charakters."

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